Magdeburg l Wenn Eva Reulecke vom Forum Gestaltung in Magdeburg als Dame der Gesellschaft zu sehen ist und Autor Ludwig Schumann mit Zylinder anstelle der sonst üblichen Schiebermütze, ist es nicht gerade unwahrscheinlich, dass der Magdeburger Grafiker Bert Kulas seine Finger im Spiel hatte. Der nämlich hat eine Leidenschaft dafür entdeckt, seine Freunde und Bekannten in andere Zeiten zu versetzen.

Er arbeitet ihre Porträtfotos in historische Bilder ein. „Entweder habe ich eine Idee und finde auch das richtige Bild, oder ich finde ein Bild, bei dem ich an jemand Bestimmtes denken muss“, erzählt er. So mancher bekannte Magdeburger taucht in seinen Bildern auf, darunter auch die Maler Reinhard Rex, Rainer Hirsch und Helmut Biedermann, der Magdeburger Weihnachtsmann Ekkehard Schwarz oder die Malerin Anne Rose Bekker. Und Freunden und Bekannten schickt Bert Kulas immer mal wieder auch ein Bild, um ihnen eine Freude zu machen.

Bilder in Stadtfelder Schlossküche

Die Bilder stellt er derzeit in der Galerie Stadtfelder Schlossküche aus. Neben den verfremdeten Magdeburgern sind zudem von Kulas kolorierte Stadtansichten vom Breiten Weg zu sehen. „Klaus Vogler hat sich zum 60. Geburtstag eine Galerie geschenkt, ich mir zu meinem 60. eine Ausstellung darin“, sagt Kulas schmunzelnd.

Wie er dazu kam, historische Fotos zu kolorieren? Kulas begann, sich für die Magdeburger Stadtgeschichte zu interessieren. Tausende Fotos mit Magdeburg-Motiven hat er bereits gesammelt, er lagert sie in Kisten und digitalisiert auf seinem Computer und hält immer wieder Ausschau nach neuen Motiven, die noch nicht veröffentlicht wurden. Manchmal muss er dann auch einfach mal raus, um den Kopf wieder freizubekommen von all den Fotos, die ihn umgeben. An anderen Tagen arbeitet er bis in die Morgenstunden, um neue Motive zu kreieren.

Farbigen Eindruck von damals vermitteln

Zwar haben die oft bereits vergilbten Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus der Zeit, als die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte, auch ihren Charme. Doch Bert Kulas’ Ziel ist, sie wieder schick zu machen und dem Betrachter einen farbigen Eindruck aus der damaligen Zeit zu geben.

Wer sich diesen Eindruck mit nach Hause nehmen möchte, kann das im ganz wörtlichen Sinn. Denn seine kolorierten Stadtansichten sind in einem Kalender zusammengefasst worden, der in der Galerie in limitierter Auflage erhältlich ist. Im Herbst 2019 möchte er ein ganzes Buch fertigstellen. Die Ausstellung in der Stadtfelder Schlossküche war eine gute Motivation, Bilder fertigzustellen, die dann auch Eingang ins Buch finden werden.

Magdeburger malt am Computer

Anfangs hat Bert Kulas übrigens selbst mit Pinsel und Farbe gearbeitet. Inzwischen hat sich die Technik aber so gut weiterentwickelt, dass er mit der Maus am Computer malt. Die Vorgehensweise sei die gleiche, „nur dass ich jetzt die Farbe nicht mehr an den Fingern habe“, sagt er. Er restauriert auch Fotos und Postkarten. „Das ist dann wie fotografische Archäologie“, sagt er. So manchen hat er schon zu Tränen gerührt, weil er ein altes, einziges Bild von jemandem wieder sichtbar gemacht hat.

Ursprünglich kommt Bert Kulas aus Oschersleben, lebte in Dresden, viele Jahre in Halle, wo er als Grafiker am Thalia-Theater tätig war, auch nach Hamburg verschlug es ihn. „Ich habe zwar nicht die Welt bereist, aber in Deutschland bin ich ziemlich viel herumgekommen“, sagt er. Eigentlich wollte er dann nach Thüringen gehen. „Aber zu Hause ist, wo die Leute du zu einem sagen“, findet Kulas. Und so kam er kurz nach der Jahrtausendwende nach Magdeburg und damit in seine Heimatregion zurück. Für die Otto-von-Guericke-Gesellschaft ist er mit seinen grafischen Fähigkeiten tätig.

Engagement im Magdeburger Shantychor

Eine willkommene Abwechslung ist auch sein Engagement im Magdeburger Shantychor, in dem Bert Kulas mitsingt, und er verwirklicht sich auch als Maler und mit der Gestaltung von Räumen.

Die Galerie Stadtfelder Schlossküche öffnet das nächste Mal am 9. Dezember 2018 von 14 bis 17 Uhr. Es ist die letzte Öffnung vor Weihnachten.