Roma-Familie

Land schiebt Preisträger ab

Seit Sonnabend hängen im Kreuzgang des Klosters Magdeburg zwölf Monitore, auf denen zwölf Menschen ihre Fluchtgeschichten erzählen.

27.01.2016, 00:01

Magdeburg l  Eine von ihnen ist Djulieta Avdonovic. Sie floh 2013 gemeinsam mit ihren Kindern aus dem Kosovo. Am Dienstag wurde die Roma-Familie nun im Zuge einer Sammelabschiebung von Sachsen und Sachsen-Anhalt nach Serbien abgeschoben. Insgesamt wurden 113 Personen nach Belgrad ausgeflogen.

Eigentlich sollte über die Abschiebung der Familie noch in der Härtefallkommission des Landes beraten werden. An diese Instanz werden Fälle herangetragen, wenn keine andere rechtliche Möglichkeit für einen Aufenthalt besteht. „Dass die Familie abgeschoben wurde, ohne, dass die Härtefallkomission darüber beraten konnte, ist ein Novum in unserer Arbeit“, sagte Antje Arndt, die ehrenamtlich in der Kommission sitzt und mit dem Fall betraut ist. Damit habe das Land einen Präzedenzfall geschaffen. „Das ist hinter unserem Rücken passiert und wir wurden nicht informiert“, sagte Antje Arndt.

Wird ein Fall an die Kommission, in der Vertreter von Land, Kirchen und Initiativen sitzen, herangetragen, wird mit Zwei-drittelmehrheit entschieden, ob es sich um einen Härtefall handelt oder nicht. Danach geht der Entscheid ans Innenministerium – das sich im Zweifel immer noch gegen die Empfehlung der Kommission entscheiden kann. „Dass aber Entscheidungen getroffen werden, bevor wir über über den Fall beraten konnten, ist eine neue Qualität“, sagte Arndt, die seit vier Jahren in der Kommission arbeitet.

Die Familie gilt als gut integriert. Djulieta Avdonovic hat Deutsch gelernt (siehe Video), viel davon im Selbststudium. Ihre Kinder tanzten in dem mit dem Integrationspreis Sachsen-Anhalt ausgezeichneten „Break Chancen-Projekt“ aus Magdeburg. Wo die Familie in Belgrad unterkommen wird, ist noch nicht klar. Vor ihrer Flucht soll die Roma-Familie obdachlos gewesen sein. Im Kreuzgang des Klosters Magdeburg zeigt der Bildschirm mit der Fluchtgeschichte der Familie Avdonovic nun ein Standbild. Daneben hängt ein Zettel, mit der Info, dass die Familie abgeschoben wurde.