Rüdiger Jeziorski ist derzeit nicht glücklich. Die Corona-Pandemie zwingt wie viele andere auch den 60-Jährigen buchstäblich zum Stillstehen. Und wer Jeziorski kennt, der weiß, dass das nun nicht unbedingt sein Ding ist. Das gilt auch für das Rampenlicht. Rüdiger Jeziorski ist einer derer, auf die die Bezeichnung „stiller Alltagsheld“ voll und ganz zutrifft. Ich bin mir ziemlich sicher, dass vor der Wahl zum Magdeburger des Jahres 2020 vielen der Name des Neu-Olvenstedters nicht viel gesagt hat. Genau das spricht für den Mann, der sich seit über zehn Jahren als Sprecher der Gemeinwesenarbeitsgruppe (GWA) Nordwest/Neu-Olvenstedt für die Entwicklung in den beiden Stadtteilen sowie die Interessen von deren Bewohnern einsetzt.

Tägliche Arbeit im Hintergrund

Dabei setzt er sich bei der Ausstattung von Bereichen mit Papierkörben, in denen diese fehlen, mit der gleichen Leidenschaft ein wie zum Beispiel für eine Temporeduzierung vor Kindereinrichtungen, einen stolperfreien Gleisübergang vom Scharnhorstring zum Bruno-Taut-Ring. Es gelte, die Stadt dabei zu unterstützen, die Stadtteile noch lebens- und liebenswerter zu gestalten – mit den Hinweisen der Experten vor Ort, wie Jeziorski die Bewohner auch nennt. „Bei der Gemeinwesenarbeitsgruppe geht es darum, Interessen zu bündeln, sich zu vernetzen und gemeinsam etwas für die Stadtteile zu erreichen“, sagt Rüdiger Jeziorski und trifft damit die Meinung vieler, die das Angebot des Austauschs Monat für Monat nutzen, wenn nicht gerade Corona Versammlungen verhindert.

Persönliche Treffen sind in diesen Tagen zwar nicht möglich, aktiv ist Rüdiger Jeziorski als GWA-Sprecher aber dennoch. Es gilt, Anfragen an die Stadt zu stellen, Themen vorzubereiten und Projektvorschläge einzuholen. Oder sich mit Doris Bunde, stellvertretende Sprecherin der Bürgergruppe und ebenfalls seit Jahren engagiert, abzustimmen. Täglich, wohlgemerkt. „Irgendwas ist immer“, so Jeziorski schmunzelnd.

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Weihnachtsmann vom Dienst

Das gilt speziell für ihn in der Weihnachtszeit. Neben der Funktion als GWA-Sprecher im Westen der Stadt ist Rüdiger Jeziorski als Olvenstedter Weihnachtsmann im Einsatz. Ob Weihnachtsmarkt an der Düppler Mühle oder der Kulturscheune in Alt-Olvenstedt, in Kindertagesstätten (mittlerweile stadtweit) und Seniorenheimen – der Olvenstedter Weihnachtsmann zaubert kleinen und großen Menschen seit zehn Jahren ein Lächeln ins Gesicht. Oft nur mit kleinen Gaben und einem netten Wort. Der Erwerbslose setzt für seine Mission, auf die Weihnachtszeit einzustimmen, sein weniges Geld ein. Und verliert darüber kein Wort. Wohl auch, weil das Amt des Olvenstedter Weihnachtsmanns so etwas wie eine Selbsttherapie ist. Durch den notorischen Griff zum Alkohol hat er in den 1980er Jahren seine Familie verloren, zu seinen Kindern besteht ein loser Kontakt.

Dass der Mantel des Olvenstedter Weihnachtsmannes das Größenlabel „XXXXL“ trägt, ist kein Zufall: Das liegt am großen Herzen seines Trägers.