Magdeburg l Alexa, wie wird das Wetter in Magdeburg? Dank moderner Sprachassistenten kommt in Sekundenschnelle die Antwort aus dem Handy oder der Lautsprecherbox. Künstliche Intelligenz (KI) macht es möglich. Konnte sich der „Otto-Normal-Verbraucher“ noch vor ein paar Jahren nichts darunter vorstellen, hat sie inzwischen längst flächendeckend in unsere Haushalte Einzug gehalten. Zwar klingt künstliche Intelligenz noch immer nach Sciene-Fiction, doch schon heute verändern die Anwendungen unseren Alltag.

Neues Zentrum stärkt die Wissenschaft

Kommt die nächste große Innovation mit künstlicher Intelligenz aus Magdeburg? Warum nicht? Immerhin arbeiten auch in der Elbestadt Wissenschaftler schon lange an sogenannten lernenden Maschinen.

Einer dieser Wissenschaftler ist Prof. Dr.-Ing. Udo Seiffert vom Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF. Er sagt: „Als ich hier von 1988 bis 1993 studiert habe, war das Thema künstliche Intelligenz bereits fester Bestandteil.“ In den zurückliegenden Jahren habe sich Magdeburg in dieser Hinsicht noch breiter aufgestellt. In mehreren Fakultäten der Otto-von-Guericke-Universität und auch am Fraunhofer-Institut werde heute daran geforscht. „Dazu kommt das Leibniz-Institut für Neurobiologie, das auf der natürlichen Seite des Ganzen forscht. Wir brauchen uns in Magdeburg nicht zu verstecken“, hält Seiffert fest.

Und die Entwicklung geht weiter. „Ein neues ,Centrum für Industrielle Intelligenz‘, kurz CII, ist gerade erst hier in Magdeburg gegründet worden“, erklärt Prof. Seiffert, der zugleich dessen wissenschaftlicher Leiter ist.

Auch über Konsequenzen nachdenken

Dahinter steckt eine Gemeinschaftsinitiative des Fraunhofer-Instituts, der Universität, der Fachhochschulen im Land sowie von Unternehmen aus ganz Mitteldeutschland. „Das CII soll die Expertise zu künstlicher Intelligenz auf internationalem Niveau bündeln und speziell für die regionale Industrie nutzbar machen. Im Blick haben wir in erster Linie klein- und mittelständische Unternehmen, etwa im Maschinen- und Anlagenbau, aber auch die Landwirtschaft“, so Udo Seiffert.

Und wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus? Eine Frage, die nicht nur pure Begeisterung, sondern auch Ängste und Befindlichkeiten wach ruft, weiß der Forscher: „Aus meiner Sicht reicht es nicht aus, nur die blanken Lösungen für die Industrie zu liefern, sondern auch zu schauen, was hat das für Konsequenzen für den Einzelnen und die Gesellschaft. Das nehmen wir sehr ernst bei Fraunhofer“, betont er.

Es dürfe nicht allein um klassische Automatisierung und den Einsatz von Robotern gehen. „Deshalb werden wir mit Volks- und Betriebswirtschaftlern ebenso zusammenarbeiten wie mit Geisteswissenschaftlern“, macht Udo Seiffert deutlich.

Magdeburg ist Lebensmittelpunkt

Wo sieht er persönlich seine Zukunft? „Für mich und meine Familie ist Magdeburg inzwischen der Lebensmittelpunkt, wir sind der Stadt sehr verbunden“, sagt der in Halle an der Saale aufgewachsene Wissenschaftler.

Nach seinem Studium und der Promotion an der Elbe folgten Tätigkeiten im Ausland, unter anderem in Australien, Kanada und Schottland. 2008 kehrte er in die Region zurück. „Zehn Jahre später bin ich immer noch hier, daran sehen Sie, dass es mir in Magdeburg gefällt“, sagt er und lacht. Die Stadt sei in den zurückliegenden Jahren „immer besser und schöner geworden“.

„Ein Meilenstein in der Stadtentwicklung war die Bundesgartenschau 1999“, schätzt Seiffert ein. Nebenbei: Die Ausstellung zur Entwicklung von Mensch und Technik im damals entstandenen Jahrtausendturm besuche er noch immer gern, fügt er hinzu.

Zukunftsforschung und Kultur verknüpfen

Der nächste große Schritt für Magdeburg könnte die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025 sein. „Ich kenne einige andere Kulturhauptstädte und denke, es muss sich noch einiges tun bei uns. Aber ich sehe das positiv für Magdeburg.“ Ein Baustein der Bewerbung könnte die Verknüpfung von Zukunftsforschung und Kultur sein. „Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal und würde den Zeitgeist treffen“, meint Udo Seiffert und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Künstliche Intelligenz kann die Bewerbung beflügeln.“

„Made in Magdeburg" ist eine Gemeinschaftsserie von Volksstimme und dem Stadtmarketingverein Pro M. Mehr gibt es auf einer eigenen Internetseite.