Magdeburg (vs) l Malaria ist eine Infektionskrankheit, die bisher hauptsächlich in den Tropen und Subtropen vorkommt. Sie wird durch Mückenstiche übertragen und gilt als häufigste Infektionskrankheit auf der Welt. Susann Triemer forscht am Magdeburger Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme an einem Wirkstoff, der zur Behandlung der Infektion eingesetzt wird.

Zusammenarbeit mit Kollegen in Potsdam

„Mir ist dieser Forschungsauftrag geradezu in den Schoß gefallen“, sagt sie mit Humor. Der Wirkstoff, dem sie während ihrer Promotion ihre gesamte Zeit widmet, heißt Artemisinin und wird aus dem Einjährigen Beifuß gewonnen. Triemer erklärt: „Mein Kollege arbeitet daran, den Wirkstoff aus der Pflanze zu extrahieren. Wir müssen schauen, dass wir so viel Wirkstoff wie möglich aus der Pflanze herausbekommen.“

Sie selbst habe geforscht, wie man aus der Vorstufe des Wirkstoffs, der auch in der Pflanze vorhanden ist, Artemisinin synthetisieren kann. Bisher seien bei der Herstellung des Wirkstoffs giftige und teure Katalysatoren zum Einsatz gekommen, die man nach der Synthese mühselig wieder aus dem Produkt habe entfernen müssen.

Die Lösung liegt auf der Hand

„Dabei ist in der Pflanze selbst eigentlich alles enthalten, was man dafür braucht. Wir beleuchten das Chlorophyll, also den grünen Blattfarbstoff, und bekommen damit das gleiche Ergebnis“, sagt die studierte Verfahrenstechnikerin. Die Lösung des Problems „liegt fast auf der Hand, aber bisher war keiner darauf gekommen“, klingt sie fast selbst ein wenig ungläubig über diesen einfachen Weg.

Für die Praxis heißt das: Dank der Forschung am Max-Planck-Institut wird der Prozess der Wirkstoff-Gewinnung für die Malariatherapie günstiger, weil der teure Katalysator überflüssig wird.

Systematisch weiterforschen

„Das Produkt wird reiner und kostengünstiger, und wir bekommen eine größere Menge Wirkstoff aus den Pflanzen heraus“, fasst Susann Triemer die direkten Auswirkungen ihrer Arbeit zusammen. Gemeinsam mit den Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam-Golm, die maßgeblich an dieser Forschung beteiligt waren, veröffentlichte sie ihre Ergebnisse, wie man den Wirkstoff aus den Beifuß-Pflanzen gewinnen kann. Um die Resultate in die Praxis übertragen zu können, wird nun systematisch weiter geforscht.

Ein Start-up-Unternehmen baut in den USA die Pflanzen an, um daraus den Wirkstoff zu gewinnen. Der Plan, das extrahierte Chlorophyll im Gesamtprozess zu nutzen, entstand im Labor des Max-Planck-Instituts in Magdeburg. „Anfangs haben wir unsere Erwartungen nicht zu hoch gesetzt. Wir haben auch Glück gehabt, dass unser Plan aufging und der Prozess so gut funktioniert“, blickt sie zurück. „Ich bin dankbar, dass ich ein Thema mit einer so hohen Aktualität bekommen habe. Die Bedeutung meiner Arbeit kann ich der Öffentlichkeit gut erklären.

Endlich sind Ergebnisse sichtbar

Oft sind die praktischen Auswirkungen von Grundlagenforschung nicht so gut sichtbar wie hier“, sagt Susann Triemer. Über ihre wissenschaftliche Ausbildung in der Ottostadt Magdeburg kann sie nur lobende Worte finden: „Der Standort für die Wissenschaft ist wirklich gut, die Ausstattung ist großartig. Und der Studiengang hier hat mich sehr angesprochen, weil er viel breiter gefächert war als ein reines Chemiestudium.“

Susann Triemer stammt aus Chemnitz, ihre Geburtsstadt bewirbt sich übrigens ebenfalls um den Kulturhauptstadt-Titel. „Beide Städte haben viel zu bieten. Aber zur Opernliebhaberin bin ich erst hier am Theater Magdeburg geworden. Ich fühle mich in Magdeburg richtig zu Hause. In dieser Stadt gibt es so viel Platz für Projekte und verschiedene Künste. Richtig begeistert war ich vom Projekt ‚Die neue Sinnlichkeit‘ im ehemaligen Gefängnis“, schwärmt sie.

Weitere Karriere zunächst noch offen

Für sich selbst will Susann Triemer erst einmal ihre Promotion beenden und dann schauen, ob sie zukünftig weiter eine akademische Karriere verfolgen oder in die Industrie wechseln wird. Doch bis dahin hat sie noch jede Menge Zeit, Magdeburg und seine Vorzüge zu genießen.

„Made in Magdeburg" ist eine Gemeinschaftsserie von Volksstimme und dem Stadtmarketingverein Pro M. Mehr gibt es auf einer eigenen Internetseite.