Magdeburg (vs) l Zeitbombe Plastik: Ersticken wir im Abfall? Überschriften wie diese machen immer wieder auf ein drängendes Problem aufmerksam: Wir produzieren Tag für Tag gewaltige Mengen an Kunststoffabfällen. Diese landen in den Meeren, wo bereits ganze Plastikinseln von enormen Ausmaßen treiben. Denn der Kunststoff verschwindet nicht einfach. Er ist extrem langlebig, verrottet nicht, wird nicht von der Natur zersetzt.

Deutschlandweit einzigartiger Studiengang

Wie kann es gelingen, dass Plastikabfälle gar nicht erst im Meer landen und weniger Ressourcen verschwendet werden? Antworten darauf könnten in Zukunft auch Lösungen „Made in Magdeburg“ liefern. Denn genau damit befassen sich Studierende im Studiengang Recycling und Entsorgungsmanagement an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Studiengangsleiterin Prof. Dr. Gilian Gerke lehrt und forscht in Magdeburg zu Nachhaltigkeit und internationaler Abfallwirtschaft. Kunststoffe sind einer ihrer Schwerpunkte. An Lösungen werde nicht nur hier intensiv gearbeitet und geforscht.

Ihre Studierenden, die mittlerweile aus ganz Deutschland explizit für diesen weithin einzigartigen Studiengang nach Magdeburg kämen, sieht Gilian Gerke daher als Teil der Lösung: „Die jungen Menschen sind unsere Zukunft und werden sich Antworten überlegen“, ist sie sich sicher. Doch auch zahlreiche Hersteller von Verpackungen und Produkten, die verpackt werden müssen, beschäftigten sich mit Recycling und neuen Materialien. „Ich hoffe, dass wir in einigen Jahren auch noch bessere Technik haben, um Kunststoffe noch besser zu recyclen und aufzubereiten.“ Um daran mitzuwirken, arbeite ihr Fachbereich sowohl mit der Industrie, als auch mit Umweltverbänden zusammen. Auch mit dem Fachbereich Industriedesign an der Hochschule werde gemeinsam an neuen Konzepten getüftelt.

Kooperationen mit Industrie und Verbänden

Dazu steht an der Hochschule ein eigenes Technikum zur Verfügung. Hier kann Kunststoff bearbeitet und experimentiert werden. So laufen zum Beispiel Langzeitbeobachtungen, wie sich die Eigenschaften von Kunststoffen in Süß- und Salzwasser im Laufe der Zeit verändern.

Damit Abfall gar nicht erst ins Meer gelange, müsse die Abfallwirtschaft funktionieren. Dazu gehöre eine entsprechende Infrastruktur. „Da sind wir in Deutschland schon recht gut“, schätzt die Wissenschaftlerin ein.

Nachholbedarf sehe sie hingegen bei der Umweltbildung. Deshalb engagiere sich ihr Fachbereich bereits auch auf diesem Gebiet, zum Beispiel an Schulen in der Region. Die Eigenverantwortung müsse wachsen, sagt die Wissenschaftlerin, jeder könne im täglichen Leben mitwirken – und „von unten nach oben“ etwas bewegen.

Umweltbildung muss noch verstärkt werden

Das Umweltbewusstsein der Menschen sei entscheidend: „Der Longdrink im Restaurant schmeckt doch auch ohne Plastik-Strohhalm“, nennt sie ein kleines Beispiel dafür, was jeder selbst tun könne, um die Umwelt zu schützen und Ressourcen, die endlich sind, zu schonen. Es werde allzu schnell nach Gesetzen und Verboten gerufen. „Es ist immer einfach, die Verantwortung auf andere abzuwälzen“, meint Gilian Gerke.

Die Stadt Magdeburg sei unterdessen in einigen Punkt bereits vorbildlich, meint Gilian Gerke: „Das Magdeburger Müllheizkraftwerk ist eine der besten Abfallverbrennungsanlagen in ganz Deutschland mit der höchsten Wärmeauskopplung und der höchsten Stromauskopplung. Es gibt aber auch Unternehmen, die sich mit der Rückgewinnung von Metallen aus Schlacken befassen oder mit Alternativen zum Kunststoff mit einem stärkeren Einsatz von sekundären Rohstoffen. Da passiert sehr viel.“ Auch sonst fühle sie sich als Rheinländerin in Magdeburg sehr wohl. Sie studierte und promovierte in Aachen, arbeitete anschließend beim „Grünen Punkt“ – die gelben Säcke des Verwertungssystems kennt fast jeder. Dann erhielt sie die Berufung an die Hochschule nach Magdeburg.

Andere Angebote ausgeschlagen

Andere Angebote habe sie ausgeschlagen. „Ich bin hier in Magdeburg angekommen. Meine Studierenden und meinen Arbeitsbereich möchte ich nicht mehr hergeben“, sagt Gilian Gerke. „Einen Studiengang wie unseren gibt es in der Zusammensetzung ohnehin in keiner zweiten Stadt.“

 

„Made in Magdeburg“ ist eine Gemeinschaftsserie von Volksstimme und dem Stadtmarketingverein Pro M. Mehr dazu auch online unter der Adresse www.made-in-magdeburg.com.