Jagd

Magdeburg erlässt Erlaubnis für Wildschweinjagd auf dem Großem Werder

Von Konstantin Kraft
Ein Unterstand steht einsatzbereit auf dem Großen Werder in Magdeburg.
Ein Unterstand steht einsatzbereit auf dem Großen Werder in Magdeburg. Foto: Konstantin Kraft

Magdeburg

Per Allgemeinverfügung hat die Stadt Magdeburg ein beschränktes Jagdausübungsrecht auf Schwarzwild sowie auf die Raubwildarten Waschbär, Marderhund, Dachs und Fuchs für die Spitze des Großen Werders erlassen.

Befristung bis 31. März 2022

Das Jagdgebiet umfasst den bereits mit einem Zaun abgesicherten Abschnitt auf dem Großen Werder in etwa zwischen Elbauenpark und Wissenschaftshafen. Jagdrecht für berechtigte Personen besteht hier bereits seit Mitte April und ist bis zum 31. März 2022 befristet. Zur Begründung heißt es, dass sich im entsprechenden Bereich in den vergangenen Jahren Schwarzwild angesiedelt habe, dessen Zahl auf zwei Rotten zu jeweils 20 Tieren geschätzt wird.

Hintergrund sind wohl Verdrängungen aus Stadtpark und Herrenkrug. Der aktuelle Wildschwein-Bestand auf dem Großen Werder wird von der Stadt als Problem definiert. Einmal wühlen die Säue regelmäßig die Wiesen auf, was dem dort tätigen Schäfer die Haltung erschwert. Darüber hinaus droht aber auch ein Zusammenstoß mit Menschen. Zwar sei ein direktes Zusammentreffen von Mensch und Schwarzwild bisher die Ausnahme gewesen, doch das Wild wird so immer vertraulicher und soll bereits in der Nähe der Wohnhäuser gesehen worden sein.

Anwohner rechnen nicht mit Wildkontakt

„Neben den Schäden an Grünanlagen sind mögliche Angriffe auf Menschen, sofern sich das Schwarzwild bedroht fühlt, zukünftig nicht auszuschließen“, heißt es in der Allgemeinverfügung. Hinzu komme die Gefahr von zusätzlichen Wildunfällen. Weil Anwohner in der Regel nicht mit einem solchen Wildkontakt rechnen, bestehe letztlich eine „erhebliche Gefährdung für Leben und Gesundheit von Personen und ihren Hunden“. Insbesondere rauschige Keiler und führende Bachen seien unberechenbar.

Das wird jedenfalls als Grund angeführt, warum die Allgemeinverfügung mit sofortiger Wirkung vollzogen wurde. „Zurzeit ist die Bejagung der Wildschweine schwierig“, sagt Jan Driesnack, Vorstandsvorsitzender der Kreisjägerschaft Magdeburg e. V. Viele Bachen hätten gerade Frischlinge geworfen und dürfen deshalb nicht geschossen werden. Dieser Umstand kann aber ebenso dazu führen, dass die Muttertiere bei einer Begegnung aggressiver sind, dann nämlich, wenn sie ihre Jungtiere gegen Feinde verteidigen. „Sofern es möglich ist, führen wir auf dem Großen Werder eine Einzelbejagung durch“, sagt Driesnack.

Hunde an die Leine nehmen

In der Regel gibt der örtliche Schäfer den Jägern zuvor einen Hinweis, wenn es wieder zu Problemen gekommen ist. Die Jäger würden vor der Jagd die Polizei informieren, so dass die Beamten Entwarnung geben können, sofern sich Anwohner wegen nächtlicher Schüsse melden sollten. „Wir haben im letzten Jahr schon einige Tiere erlegt.“ Die Abschüsse von einzelnen Tieren erzielen im Idealfall einen „Vergrämungseffekt“, so dass sich die gesamte Rotte danach zurückzieht.

Der erfahrene Jäger kann ein Stück weit Entwarnung geben. 40 Wildschweine wären aktuell wohl nicht an der nördlichen Spitze der Elbinsel zu finden. Er habe dort zuletzt eine Rotte mit wenigen Tieren gesehen. Mit eingerechnet sind bei der Zahl 40 die verdrängten Wildschweine aus Stadtpark und Herrenkrug. „Anwohner müssen sich keine Sorgen machen“, so Driesnack. Gleichwohl appelliert er, Hunde in jedem Fall an die Leine zu nehmen. Im Zweifel verteidigt eine Bache ihre Frischlinge aggressiv. Angriffe auf Hund und Mensch können da nicht ausgeschlossen werden.