Geburten

Magdeburg wartet auf Corona-Babyboom

Bringt Corona mehr Kinder für Magdeburg? Die Volksstimme hat in Kliniken nachgefragt.

Von Marco Papritz

Magdeburg l In der Theorie könnte die Nähe, die sich durch das viel zitierte Arbeiten daheim (englisch: Homeoffice), die Kontaktverbote und Reiseeinschränkungen sowie geschlossene Freizeiteinrichtungen während des ersten coronabedingten Lockdowns im vergangenen Jahr eingestellt hat, das Liebesleben der Paare angekurbelt haben. Die Geburtenzahlen beziehungsweise Anmeldungen für einen Geburtstermin in den Magdeburger Kliniken dienen dafür als Messeinheit und lassen eher auf Flaute als auf Feuerwerk schließen, wenn man so will.

In der Frauenklinik des Universitätsklinikums sei die aktuelle Zahl der Anmeldungen zur Geburt vergleichbar mit jener im Januar vor einem Jahr, so Sprecherin Ögelin Düzel. Auch im St. Marienstift ist laut Carola Schuller noch kein Lockdown-Trend festzustellen: Bis zum 13. Januar wurden 32 Kinder geboren, zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr waren es 29. Im Klinikum Magdeburg rechne man im März mit einem leichten Anstieg der Geburtenzahlen, so Cornelia Heller.

Auf jeden Fall sind die Kliniken vorbereitet und auf die besondere Corona-Situation eingestellt, die auch den Austausch mit den werdenden Eltern als auch die Geburten selbst betrifft. „Wir bieten ab sofort Eltern-Informationsabende online im vierwöchigen Rhythmus an“, so Carola Schuller. Der Auftakt im St. Marienstift an der Harsdorfer Straße fand am Mittwoch statt. Das Angebot des Krankenhauses sei „sehr gut angenommen worden, was auch das Feedback im Chat bewiesen hat“. Des Weiteren haben werdende Eltern die Möglichkeit, „sich jederzeit telefonisch im Kreißsaal zu melden, die Hebammen beantworten auch hier gern alle ihre Fragen“.

Auf der Gynäkologie- und Geburtenstation des Klinikums an der Birkenallee haben sich Ärzte- und Pflegeteam auf die Corona-Situation eingestellt und ermöglichen den werdenden Vätern auch weiterhin, bei der Geburt ihres Nachwuchses dabei zu sein und ihre Partnerin vor Ort zu unterstützen. Cornelia Heller: „Zu den bestehenden vier Kreißsälen wurden kurzerhand für Verdachtsfälle ein Isolier-Kreißsaal und zwei Patientenzimmer in einem abgetrennten Bereich eröffnet.“

Sollte es Anzeichen einer Infektion geben, wird die Mutter in den Isolationsbereich geschleust und kann dort in Ruhe ihr Kind zur Welt bringen. Auch der Partner darf hier, sofern er gesund ist, mit vor Ort sein. Die Informationsabende für Eltern gibt es auch weiterhin jeden ersten Montag im Monat, derzeit in digitaler Form. Der nächste findet am 1. Februar statt, Interessierte nutzen die E-Mail-Adresse gynaekologie@klinikum-magdeburg.de.

Die frühere Landesfrauenklinik, die jetzt zum Uniklinikum gehört, hat auf ihrer Internetseite einen informativen Kurzfilm eingestellt, „in dem unsere geburtshilfliche Abteilung, Abläufe und unsere Arbeit“ vorgestellt werden, so Ögelin Düzel. Das digitale Angebot ersetzt den klassischen Elternabend. Weiterhin werden in der Klinik an der Gerhart-Hauptmann-Straße die Anmeldung zur Geburt in der Hebammensprechstunde und die ärztlichen Sprechstunden zur Geburtsplanung und Intensivschwangerenberatung angeboten.

Damit die werdenden Väter ihre Frau bei der Geburt begleiten können, setzt das Haus bei der Aufnahme in den Kreißsaal auch beim Vater Corona-Antigen-Schnelltests ein. Auf den Stationen wird allerdings das Besuchsverbot umgesetzt. Ögelin Düzel: „Wir sind auf eine stationäre und ambulante Betreuung von Covid-positiven Schwangeren vorbereitet – ebenso auf die Geburtsbegleitung, Betreuung im Wochenbett und Betreuung des Neugeborenen.“

Und der Babyboom? Der würde unabhängig von der Corona-Krise dem Land guttun. Laut Prof. Dr. Holm Eggemann, Chefarzt im Klinikum Magdeburg, sind die Geburtenzahlen in Sachsen-Anhalt leicht rückläufig – in den beiden vergangenen Jahren um drei bis vier Prozent.