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WeltgartenschauMagdeburger bauen für Taiwan

Mit Bambus bringen Magdeburger das Bauhaus nach Taiwan. Für die Weltgartenausstellung gestaltet der Kulturanker den deutschen Bereich.

Von Martin Rieß 24.10.2018, 01:01

Taichung l Am deutschen Pavillon für die am 3. November 2018 beginnende Weltgartenausstellung im taiwanesischen Taichung steht ein einheimischer Werkstoff im Mittelpunkt: Bambus. Der Magdeburger Verein Kulturanker gestaltet den Bereich für Deutschland, und dieser Tage laufen die letzten Arbeiten auf Hochtouren.

Dabei haben die Magdeburger nicht allein mit der sengenden Hitze über der Millionenmetropole zu kämpfen, sondern auch mit Fragen unterschiedlicher technischer Standards und der Kommunikation in einem fernen Land.

Die Magdeburger haben einen Kubus aus Bambus gebaut. Ergänzt wird dieser durch Kunstwerke und einen Rahmen aus duftenden Pflanzen. Das begehbare Innere des Kubus, von dem im Magdeburger Elbauenpark ein Modell am Sandmännchen nahe der Seebühne zu sehen ist, ist geneigt. Die Besucher sollen eingeladen werden, mit eigenen Perspektiv­wechseln in die geometrische Form einzutauchen.

Mit den Formen, den Pflanzen und der Einbeziehung der Besucher in die Installation möchten die Magdeburger auch an das Bauhausjubiläum 2019 erinnern. Dieses spielt für die Werbung um Touristen eine große Rolle für Deutschland. Und auch Magdeburg könnte profitieren – zählt die Stadt doch zu einem der bedeutenden Orte der frühen Moderne.

Mittendrin unter den Magdeburgern, die vor Ort mit anpacken, ist Manfred Gramer. Er stammt aus Schönebeck und hat sich bereits in den vergangenen Jahren bei den Projekten des Magdeburger Kulturankers engagiert. „Im Jahr 2015 habe ich zum ersten Mal als Helfer mit angepackt“, erinnert er sich.

Damals hatte der Verein, der unter anderem in den Jahren zuvor das Altstädtische Krankenhaus und ein leerstehendes Bürogebäude samt Werkshallen an der Sieverstorstraße in Orte für Kunst und Kultur auf Zeit verwandelt hatte, das frühere Magdeburger Gefängnis hinter dem Landgericht an der Halberstädter Straße bespielt.

Als einer, der technisch begabt ist und der zuverlässig überall mit anpackt, wo Hilfe benötigt wird, hatte er sich in dem Verein schnell einen Namen gemacht. Er wurde zum Experten für alle Arbeiten mit Holz. „Sicher kommt mir zugute, dass mein Großvater Tischler war.“

Und jetzt also: Bambus. „Das ist schon etwas anderes als die Arbeit mit Holz“, sagt Manfred Gramer. Unter anderem werden die Bambusstäbe anders verbunden, als dies beispielsweise bei Bauteilen aus Holz der Fall wäre. Und beim Bau muss darauf geachtet werden, dass das Material nicht splittert. 233 Stangen haben die Magdeburger Bambus-Bauer auf der Fläche verbraucht, um den mehr als 4,5 Meter hohen Quader auf einer Fläche von sechs mal sechs Metern hochzuziehen.

Nachdem diese Arbeit vollbracht ist, kann sich Manfred Gramer auf die nächste Aufgabe konzentrieren. Denn den Beruf des Versicherungskaufmanns, den er nach dem Abitur erlernt hatte, hat er inzwischen an den Nagel gehängt. Auf der Aufgabenliste steht jetzt ein Designstudium an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Er sagt: „Vor diesem Hintergrund ist die Arbeit an den verschiedenen Projekten unseres Vereins sicher eine gute praktische Vorerfahrung.“

Auf der Seite des Kulturankers wird ab 3. November ein Livebild vom Magdeburger Bereich übertragen.