Stadtentwicklung

Magdeburger Stadtrat beschließt Strategiepapier für attraktivere Innenstadt

Um den Handel in der Magdeburger Innenstadt zu stärken, soll die Stadtverwaltung einen Maßnahmenplan vorlegen. Die Weichen dafür hat der Stadtrat jetzt gestellt.

Von Stefan Harter
Der Nordabschnitt des Breiten Wegs war Thema im Stadtrat Magdeburg.
Der Nordabschnitt des Breiten Wegs war Thema im Stadtrat Magdeburg. Foto: Stefan Harter

Magdeburg. „Unser Strategiepapier hat nur einen einzigen Zweck: Wir wollen Kaufkraft in die Innenstadt Magdeburgs holen“, stellte die Wirtschaftsbeigeordnete Sandra Y. Stieger zu Beginn der Debatte über ebenjenes Papier klar. Statt im Netz sollen die Leute wieder in den Geschäften einkaufen.

Möglichst zeitnah, also noch im zweiten Quartal, soll anhand der darin genannten Lösungsvorschläge ein konkreter Maßnahmenplan vorgelegt werden, der zunächst bis 2025 ausgelegt sein wird. „Wir setzen alles daran, dass es nicht nur ein Papier bleibt, sondern zum Leben erwacht“, erklärte Stieger.

Einzig den Punkt zum sogenannten Shared Space, also dem geteilten Verkehrsraum, wollte sie im Einvernehmen mit dem Oberbürgermeister nach kontroversen Diskussionen in Ausschüssen und Öffentlichkeit herausnehmen.

Dagegen sprach sich Mirko Stage (Future!) aus: „Nachdem wir mehrfach darüber diskutiert haben, lassen Sie uns das heute beschließen.“

Ablehnung für „autofreundliche“ Innenstadt

Frank Pasemann (AfD) erklärte, dass das Konzept daran kranke, dass versucht werde, den Autoverkehr zu verdrängen. Die Händler dürften nicht leiden, weshalb man sich nicht in Experimente wie den Shared Space versteigen sollte. „Wir halten davon gar nichts“, sagte er. Sein Änderungsantrag für eine autofreundliche Innenstadt scheiterte ebenso wie der Vorschlag von Corona-Gutscheinen für die Zeit nach der Pandemie.

Die FDP wollte per Änderungsantrag den Nordabschnitt in den Fokus nehmen. „Dass sich dieser im Dornröschenschlaf befindet, ist noch gelinde gesagt“, erklärte Carola Schumann. Die Priorisierung sollte entsprechend anders im Papier sein. Dieser Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt.

„Shared Space funktioniert jetzt schon nicht im Nordabschnitt, da brauchen wir das dort auch nicht ausprobieren“, sagte Falko Grube (SPD) mit Blick auf Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern.

Innenstadt ist auch Ort des Austauschs

Madeleine Linke (Grüne) befand, dass Innenstadt mehr als ein Ort des Handels, sondern auch ein Ort des Treffens und Austauschs sei. Sie plädierte dafür, die Radverkehrsrouten zu ertüchtigen.

Frank Schuster (CDU) bemerkte hingegen, dass der Fokus zu sehr auf das Fahrrad gelegt werde und auch der öffentliche Nah- sowie der Individualverkehr beachtet werden sollte. Verkehrsmaßnahmen machten aber erst nach der Tunnelöffnung Sinn, fand er. Der Antrag seiner Fraktion zum zeitlichen Aufschub fiel jedoch ebenso durch.

René Hempel (Linke) bedauerte, dass die Verkehrsreduzierung ad acta gelegt werden soll. „Wir werden die Autos nicht ganz aus der Innenstadt herausbekommen“, sagte er, aber eine Verlagerung wäre sinnvoll. „Sonst schauen wir bald ganz beschämt in andere Städte, wo es schon funktioniert.“

Probeweise Sperrung für Autoverkehr

OB Lutz Trümper erklärte, dass er von einer Reduzierung der Fahrspuren auf der Ernst-Reuter-Allee nichts halte. „Das wird nicht funktionieren, wenn Handball oder Fußball ist“, sagte er. Weil es sich dabei um eine Forderung der IG Innenstadt handeln soll, kündigte er an, die Händler dazu befragen zu wollen.

Das Strategiepapier wurde schließlich mit diversen Änderungen mehrheitlich beschlossen. So wurde entschieden, dass die vorhandenen Nord-Süd-Routen für Radfahrer ertüchtigt werden sollen. Außerdem soll es nach der Corona-Krise eine mehrwöchige probeweise Sperrung des Breiten Wegs zwischen Ernst-Reuter-Allee und Himmelreichstraße für den Autoverkehr geben. Schließlich wollen die Stadträte perspektivisch eine Einengung der Reuterallee im Kreuzungsbereich mit dem Breiten Weg unterstützen, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.