Magdeburg l Brot, Milch, Apfelmus, Knödel, Tomaten, Möhren, belegte Brote – der grüne Plastikkorb ist gut gefüllt. Aber: Es ist schon der letzte an diesem Vormittag. Dutzende Lebensmittelrationen sind seit Öffnung um 9 Uhr über die Ausgabetheke der Tafel im Buckauer Bahnhof gegangen. Täglich erleben die Mitarbeiter und Helfer der Gemeinnützigen Gesellschaft für Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung mbH, kurz AQB, einen regelrechten Ansturm auf die Lebensmittelspenden. Es ist in den letzten Monaten so schlimm geworden, dass sich die Mitstreiter um Tafelchefin Anja Rohrbeck entschlossen haben, eine bestimmte Anzahl an Marken im Losverfahren zu vergeben – immer eine halbe Stunde vor Öffnung der Ausgabestelle. So gibt es jetzt wenigstens nicht schon zwei Stunden vorher lange Schlangen.

Im Buckauer Bahnhof befindet sich eine feste Ausgabestelle der gemeinnützigen Tafel, eine weitere gibt es in Olvenstedt. Hier wird Bedürftigen auch ein Frühstück, Kaffee und Mittagessen bereitet. Alles für einen symbolischen Preis und auf Nachweis der Bedürftigkeit, z. B. mit dem Magdeburg-Pass oder Alg II-Bescheid.

Für den Lebensmittelkorb zahlen die Empfänger 2 Euro. Rund 100 Körbe gehen jeden Tag allein in Buckau über den Tisch. Die Spenden finden reißenden Absatz. „Es passiert in letzter Zeit häufiger, dass wir Besucher auf die Ausgabe am Nachmittag vertrösten oder ganz mit leeren Händen nach Hause schicken müssen“, berichtet die Buckauer Tafelleiterin Anja Rohrbeck. Immerhin: Die Spenden reichen in Magdeburg noch so weit aus, dass sich die Bedürftigen zweimal in der Woche einen Korb holen können, dessen Inhalt sie dann in mitgebrachte Tüten umpacken und mit nach Hause nehmen. „In Halle ist es schon so eng, dass es nur noch einmal in drei Wochen pro Person einen Beutel gibt“, weiß Alexandra Rießler, Geschäftsführerin der AQB in Magdeburg.

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Von 3500 auf 4500

Zwar unterstützen in der Elbestadt inzwischen alle Discounter, Lebensmittelmärkte und viele Bäckereien die Magdeburger Tafel, dennoch reichen die Spenden kaum aus, um den Bedarf für die „Beutelausgabe“ zu decken. Denn die Zahl der Bedürftigen ist sprunghaft angestiegen: um 1000 nur in diesem Jahr. Wurden 2014 noch rund 3500 Menschen von der Tafel versorgt, sind es jetzt 4500. Viele der Neuen sind Flüchtlinge, die sich in den von der Stadt zugewiesenen Unterkünften selbst versorgen und kochen. „Ich lerne jetzt zu Hause Französisch“, berichtet Tafelmitarbeiterin Airyn Herms. Ein wenig Verständigung – über die Hände und Füße hinaus – erleichtert die tägliche Ausgabe enorm, gerade bei dem Andrang, der am Morgen immer herrscht.

Viele Bedürftige haben Angst, nichts mehr abzubekommen. Und diese Sorge ist nicht unbegründet. „Die Märkte machen ja schon mit. Daher brauchen wir händeringend Lebensmittelspenden auch aus Privathaushalten“, bitten Anja Rohrbeck und Alexandra Rießler um Hilfe. Es müssen nicht gleich körbeweise Lebensmittel sein, so betonen sie. „Zwei Büchsen Erbsen helfen manchmal auch schon.“

Nudeln, Reis, Mehl, Zucker

Private Spender können alles abgeben, was nicht im Kühlregal steht und damit der Kühlkette unterliegt. Gebraucht werden Nudeln, Reis, Gewürze, Zucker, Mehl, verpackte Lebensmittel, Süßes, Büchsenware, Kompott (aber nichts selbst Eingewecktes). Vor allem Obst und Gemüse sind gefragt. „Im Sommer haben wir unsere Tafelgärten, die fehlen uns jetzt“, so AQB-Chefin Rießler.

Sie und ihre Mitarbeiter sowie Helfer hoffen nun auch über das Weihnachtsfest hinaus auf die Spendenbereitschaft der Menschen, die mehr haben als sie selbst essen können.