Magdeburg l Gemeinsames Singen liegt wieder im Trend. Nicht etwa im Chor und mit Dirigent, stringent nach Noten und mit verteilten Stimmen. Nein, wozu die Festung Mark eingeladen hatte, war ein völlig unbeschwerter und unkomplizierter Abend voll guter Laune und Liedern zum Mitsingen – egal, in welcher Lage und unwichtig, ob der richtige Ton getroffen wird.

Dass das ankommt, beweist der Zuspruch. Noch bevor es richtig losging, war die Veranstaltung ausverkauft. Einige Besucher standen vor dem Einlass und hofften, noch Restkarten zu ergattern.

Publikum singt unbefangen mit

Und dann startet Sänger Cem A. Syzer die Beamer-Präsentation mit den Karaoke-Texten und singt, und Gunter Papperitz haut am Piano in die Tasten. Mit Whams „Freedom“ beginnt der stimmungsvolle Abend im „Stübchen“. Von Befangenheit beim Publikum keine Spur.

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Zwar ist es nicht für alle Gäste ganz einfach, dem englischsprachigen Text der Strophen zu folgen. Doch spätestens beim Refrain schallt der Gesang kräftig durch den Raum und alle singen mit – einen ganzen Abend lang. Die sympathische Moderation von Syzer lässt niemanden kalt. Immer wieder macht er Witze und bringt das Publikum auf diese Weise zum Lachen.

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Alles begann bei einer privaten Party

Mit etwa 350 unterschiedliche Songs haben Syzer und sein Partner Papperitz das Publikum bei ihren Massenkaraoke-Veranstaltungen bereits zum Singen gebracht. Die Idee dazu hatte Gunter Papperitz. Als Musiker sei er bei einer privaten Party am späten Abend gebeten worden, doch mal was auf dem Klavier zu spielen. „Um drei Uhr morgens bin ich wieder aufgestanden“, erzählt er. Alle hätten über Stunden mitgesungen, sich Songtexte aus dem Internet herausgesucht, selbst Songs vorgeschlagen.

Und so wurde die Geschäftsidee geboren, die Papperitz mit niemand anderem als Syzer umsetzen wollte. Inzwischen sind die beiden in einem Radius von etwa 200 bis 300 Kilometer rund um Berlin unterwegs.

Musiker zum vierten Mal in Magdeburg

In Magdeburg waren die beiden Musiker bereits zum vierten Mal. Und die Leute haben jedes Mal vom ersten Moment an mitgemacht, erzählen sie. Dass sich das Publikum unterscheidet, „sieht man eher, als dass man es hört“, erzählt Gunter Papperitz, sogar in einzelnen Stadtteilen – so erzählt er nach der Veranstaltung im Volksstimme-Gespräch von „Mitte-Schnitten“, „bärtigen Hipstern“ und „Leuten in Outdoorjacken“, die je nach Berliner Stadtteil stärker oder schwächer bei den Veranstaltungen vertreten seien. Musik aber verbindet. Und so ist der Gesang am Ende dann doch irgendwie gleich.

„Wir sind auf eine heiße Empfehlung von Freunden aus Berlin gekommen“, erzählt Claudia Wichmann, die mit ihren Arbeitskolleginnen Kerstin Allner, Julia Krehan und Astrid Orb aus Magdeburg in die Festung Mark gekommen ist. Ganz gemischten Alters zwischen Ende 20 und Anfang 50 genossen sie den Abend gemeinsam und waren nicht enttäuscht: „Es ist total gut. Man kann ganz befreit mitsingen, von der ersten Sekunde an“, erzählen sie übereinstimmend. Auch die Atmosphäre im Stübchen sei gut.

Gut für Körper und Geist

Dass Singen und gemeinsames Singen durchaus auch positive Effekte auf Körper und Geist haben kann, weiß Diplom-Musiktherapeutin (FH) Antje Mehnert, die an diesem Abend ebenfalls vor Ort ist. „Singen ist etwas Körperliches und sehr Befreiendes für die Seele und für den Geist, es hat etwas Lösendes und wirkt auf Körper und Geist auch aktivierend“, sagt sie. Schmerzen könnten auf diese Weise auch in den Hintergrund treten, seien nicht mehr so präsent.

Während das Singen für sich allein schon diesen Effekt habe, sei dieser in der Gruppe noch viel stärker. „Dann kommt noch die soziale Komponente hinzu. Man macht etwas in der Gruppe, ohne aber eine Verbindlichkeit eingehen zu müssen“, erläutert sie. Sowohl in der Arbeit mit Kindern als auch mit Erwachsenen habe Antje Mehnert Erfolge beobachten können, die durch Musiktherapie erzielt wurden.

Vor allem Frauen bei der Massenkaraoke

Auch in der Festung Mark trat am 17. April 2018 so manche Sorge in den Hintergrund. Das überwiegend weibliche Publikum verlässt nach einer nicht enden wollenden Version des Liedes „Chasing Cars“ nach etwa zweieinhalb Stunden beseelt, noch immer singend den Saal. Zum weiblichen Überhang sagt Gunter Papperitz: „Das ist immer so. Das sollte man wirklich mal Männern sagen.“ Um Frauen kennenzulernen, bräuchten sie sich nur zu trauen zu singen. „Und hier treffen sie gleich mal 200 Frauen auf einmal“, sagt er schmunzelnd.

Der nächste Sing-dela-Sing-Abend in Magdeburg findet im Moritzhof statt. Die Scheune bietet mehr Platz, um weitere Gäste zulassen zu können.