Altes Schöpfwerk

„Mäuseburg“ an der Elbe im Osten von Magdeburg wird wiederbelebt

Ein Ehepaar aus Magdeburg hat das marode Schöpfwerk in Prester gekauft. In den nächsten Jahren soll es restauriert werden. Verträumtes schlossartiges Gebäude direkt an der Elbe soll zu einem Ausflugsziel werden

Von Konstantin Kraft
Jahrelang ist das alte Schöpfwerk an der Elbe verfallen. Jetzt soll es restauriert werden.
Jahrelang ist das alte Schöpfwerk an der Elbe verfallen. Jetzt soll es restauriert werden. Foto: Eroll Popova

Magdeburg - Das Herz habe sofort Ja gesagt, aber der Kopf war noch zurückhaltend. Das war 2019. In diesem Frühjahr, also gut zwei Jahre später, hat es das Magdeburger Ehepaar dann schließlich doch gewagt und das alte Schöpfwerk an der Elbe bei Prester gekauft.

All dem Risiko zum Trotz. Warum? Statt Schutt und Verfall haben die beiden die verschüttete Schönheit des historischen Gebäudes gesehen. Sie sind überzeugt: Das sogenannte „Wasserschlösschen“ – mit all seiner industriegeschichtlichen Bedeutung – müsse unbedingt erhalten werden und dürfe nicht weiter verfallen. David, gemeinsam mit Frau Melanie neuer Eigentümer (beide baten darum, vorerst nicht den Nachnamen zu nennen), betont: „Wenn in den nächsten Jahren nichts passiert, dann ist es nicht mehr zu retten.“

Jahrelang war das Schöpfwerk zuvor dem Verfall preisgegeben. 2010 hatte es darin gebrannt. Noch mehr als ein Jahrzehnt später zeugte ein verkohltes Dach davon. In dem desolaten Zustand war der historische Wert des Gebäudes kaum noch zu erahnen. Zuletzt war es als wilder Treffpunkt und öffentliche Müllhalde in Erscheinung getreten. Bei der ersten Entrümpelung fanden die neuen „Schlossherren“ unter anderem alte Autoreifen, die dort entsorgt wurden. Über eine verrostete Leiter gelangten Unbekannte ins Denkmal.

Erster Arbeitseinsatzzur Notsicherung

Vor wenigen Wochen dann der Auftakt zur Wiederbelebung. Die neuen Eigentümer mobilisierten Freunde und Verwandte zu einem ersten Arbeitseinsatz. An einem Wochenende wurde dabei das verkohlte und einsturzgefährdete Dach vom Schöpfwerk abgetragen. Als eine Maßnahme zur Notsicherung. Zudem räumte der „Subbotnik“ den gröbsten Müll aus den beiden Etagen im Inneren heraus. Um das Gebäude herum räumten sie die verwilderten Wege frei.

Das Schöpfwerk mit dem markanten Ziegelturm entstand um 1900 als Erweiterung für das Wasserwerk Buckau. Zunächst war das „Schlösschen“ mit dem Zinnen-Turm zur Trinkwasserproduktion in Betrieb. Um das Wasser vom Schöpfwerk zum Wasserwerk zu transportieren, war eine Dükerleitung mit einem Durchmesser von einem Meter unter der Elbe verlegt.

Diese müsste noch vorhanden sein, kann aber nicht mehr genutzt werden, weil das unterste Stockwerk nach der Wende mit Beton aufgefüllt wurde. Bereits ab den 1960er Jahren diente das der Elbe entnommene Wasser im Schöpfwerk nur noch für die Industrie. Mit der Stilllegung des Wasserwerks Buckau im Jahr 1990 verlor auch das Prester Schöpfwerk seine Funktion. Im Volksmund trägt das alte Schöpfwerk auch den Namen „Mäuseburg“. Das soll daher rühren, dass das Gebäude während der langen Zeit des Leerstandes von Mäusen belagert wurde.

Vor-Ort-Termin mit den Behörden

Obwohl das Schöpfwerk in den letzten Jahrzehnten immer mehr verfallen ist, blieb es dennoch weiter ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische. Das Gebäude liegt an einem Rundweg um den Prester See. Im Februar hat der Stadtrat einen Prüfantrag beschlossen, der darauf abzielt, den viel genutzten Weg auf ökologische Weise zu befestigen. Ein Ergebnis dazu steht noch aus.

Wie geht es jetzt weiter? Für Anfang August haben die neuen Eigentümer einen Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Verwaltung sowie dem Denkmalschutz. Dabei sollen zunächst ganz grundsätzliche Fragen zu Umbau und Restaurierung geklärt werden, heißt es. Die Eigentümer möchten der Abstimmung mit den Behörden nicht vorgreifen. Mitten in einem Naturschutzgebiet gelegen, dürften neben dem Denkmalschutz vor allem Umweltaspekte eine herausgehobene Rolle spielen. Das Gebäude ist weder an Strom noch an Wasser angeschlossen. Hierzu müssten verträgliche Lösungen gefunden werden.

Vorbehaltlich einer Zustimmung der Behörden schwebt den neuen Eigentümern als Wunschvision vor, das alte Schöpfwerk perspektivisch wieder als ein Ausflugsziel mit gastronomischem Angebot herzurichten. Konkreter soll es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht werden. Darüber hinaus ist geplant, eine Art Dauerausstellung in dem Denkmal einzurichten, mit der die ehemalige Funktion des Schöpfwerks erläutert wird.

Die Eigentümer hegen die Hoffnung, das Gebäude in drei bis vier Jahren wieder in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen. Eine Architektin ist dafür bereits an Bord. Noch in diesem Jahr soll ein Bauantrag gestellt werden.

Im Innern erstreckt sich das Schöpfwerk über zwei Etagen.
Im Innern erstreckt sich das Schöpfwerk über zwei Etagen.
Foto: Konstantin Kraft