Wissenschaftliche Tagung thematisiert Forschung zur Architektur des Klosters Unser Lieben Frauen

Die Architektur und Geschichte des Kloster Unser Lieben Frauen ist Thema einer Fachtagung am 10. und 11. Mai im Kloster. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei.

Auf dem Programm steht am 10. Mai nach der Begrüßung um 19 Uhr ein öffentlicher Vortrag von Matthias Untermann zur Prämonstratenserarchitektur des 12. Jahrhunderts. Am 11. Mai sprechen nach der Begrüßung um 9 Uhr u. a. Annegret Laabs und Regine Hartkopf über die Sanierung, Ute Engel über Bauornamentik und Heiko Brandl über das Langhaus, Andreas Hornemann über Norberts Grablege und Christian Forster über die Ostkrypta. Nach der Mittagspause thematisieren Katrin Steller Funde mittelalterlicher Skulpturen vom Gouvernementsberg und Frank Högg die Dachkonstruktion des Klosters. Oliver Ritter geht es um die Krypten in Naumburg und Riechenberg, Cornelius Hopp um die Einwölbung des Klosters im 13. Jahrhundert, Viktoria Imhof um mittelalterliche Doppelklöster und Leonhard Helten um Westbaulösungen in Dom und Kloster.

Vorherige Anmeldungen sind erforderlich bis zum 27. April. Interessenten können sich per E-Mail unter tagungsbuero@kunstmuseum-magdeburg.de anmelden. (ri)

Magdeburg l Gute Stimmung im Büro von Annegret Laabs im Kloster Unser Lieben Frauen. Vor ihr liegen Aktenordner mit Bauunterlagen für die Klosterkirche. Die Chefin des Kunstmuseums Magdeburg sagt: „Nachdem der Stadtrat während seiner Aprilsitzung grünes Licht gegeben hat, können wir jetzt förmlich die Fördergelder beantragen.“

Es geht um zwei Projekte, die von einer Jury des Landes befürwortet wurden. Neben Tonnengewölbe und einem neu zu nutzenden Dachboden liegt ihr insbesondere die Klosterkirche am Herzen. Diese hat zwar bereits eine neue Bestuhlung. Doch beim Blick auf die Wände wird deutlich: Hier muss mehr passieren. Material platzt an einigen Stellen ab, die Feuchtigkeit hat Spuren hinterlassen, u. a. die Fußbodenheizung ebenso wie die elektrischen Anlagen müssen erneuert werden. Vor allem aber: Mit der Sanierung soll das Gewölbe im Chor, wo die Orgel steht, wiederhergestellt worden. Nach einem Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg war diese mittelalterliche Konstruktion nicht wiederhergestellt worden, statt dessen befindet sich über diesem Bereich im Gegensatz zu den anderen Bereichen der Kirche derzeit ein ohnehin sanierungsbedürftiges Dach aus Holzbalken.

Gewölbe macht Kirche wieder komplett

Annegret Laabs erläutert: „Zwar entspricht dieses Dach sicher dem romanischen Ursprungsbau. Es passt aber nicht zu der Veränderung, die im Mittelalter im gotischen Stil vorgenommen wurde und die bis heute das Wesen des Raums ausmacht.“ Mit der nun geplanten Wiederherstellung des gotischen Gewölbes soll im Prinzip der letzte Kriegsschaden an dem weit über die Grenzen Magdeburgs hinaus bedeutsamen Baudenkmal geheilt werden. Mit dem neuen Gewölbe werde die Klosterkirche spürbar aufgewertet, so die Einschätzung der Museumsleiterin. Wie bedeutsam die Kirche ist, dürfte die Fachtagung am 10. und 11. Mai allen Interessierten zeigen (siehe Infokasten).

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Zwar gibt es noch keinen Fördermittelbescheid. Da aber eine Jury bereits das Vorhaben bewilligt hat, geht die Museumsleiterin fest davon aus, dass dieser nicht lange auf sich warten lassen wird. Der aktuelle Zeitplan: In diesem Jahr wird die Klosterkirche wie gehabt genutzt: Es finden Konzerte statt, und Besucher des Kunstmuseums können den Kirchenraum zu den Öffnungszeiten als architektonisches Kunstwerk des Mittelalters in Augenschein nehmen. Die Arbeiten würden dann im kommenden Jahr im Frühjahr beginnen. „Ich rechne damit, dass wir im Jahr 2022 die Klosterkirche dann wieder nutzen können“, so die Einschätzung von Annegret Laabs.

Die Orgel kommt an bisherige Stelle

Zwar hatte es in einer mehr als zehn Jahre alten Konzeption einmal die Überlegung gegeben, der Orgel in der Kirche des Klosters Unser Lieben Frauen einen neuen Standort zu geben. Diese Idee ist aber vom Tisch. Während der Bauzeit wird die Orgel abgebaut, aufgearbeitet und nach dem Abzug der Bauarbeiter wieder an gleicher Stelle aufgebaut. „Wir werden die alte Klosterkirche ohne Wenn und Aber auch in Zukunft als Konzerthalle nutzen und mit einem guten Programm den Raum mit Leben füllen“, widersprach der Magdeburger Kulturbeigeordnete Matthias Puhle derweil während einer Sitzung des Kulturausschusses gegenteiligen Gerüchten.

Insgesamt dürften – ohne Auslagerung und Wiederaufbau der Orgel – etwas mehr als vier Millionen Euro kosten. Unter anderem soll dabei auch der untere Bereich der Wände beheizbar gemacht werden, damit künftig keine aufsteigende Feuchtigkeit mehr im Mauerwerk für Schäden sorgt.