Magdeburg l Das Wasserstraßenkreuz Magdeburg wurde vor 15 Jahren - also 2003 - in Betrieb genommen. Doch das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 17, in dessen Rahmen dieses Großbauvor­haben verwirklicht wurde, war damit noch längst nicht am Ende.

Unter anderem wurde in den vergangenen Jahren der Mittellandkanal zwischen den Schleusen bei Wolfsburg und in Hohenwarthe im Jerichower Land aufwendig ausgebaut. Im Hafen Magdeburg ist am 19. Juni 2018 diese sogenannte Osthaltung des Kanals in Betrieb genommen worden. Von den rund zwei Milliarden Euro für das Verkehrsprojekt flossen rund 880 Millionen Euro in den Kanalabschnitt zwischen Elbe und Wolfsburg.

Ein Schiff statt 130 Lkw-Ladungen

Nachdem die letzten Arbeiten bei Haldensleben abgeschlossen wurden, ist die Strecke jetzt frei für Güterschiffe mit bis zu 110 Metern und für Schubverbände sogar bis zu 185 Metern Länge. Hier können jetzt Schiffe fahren, die bis zu 3500 Tonnen transportieren. Das entspricht rund 130 Lkw-Ladungen – die dann hoffentlich nicht mehr auf der Autobahn 2 transportiert werden. Die Strecke ist jetzt so ausgelegt, dass Container in zwei Lagen auf dem Kanal befördert werden können.

In den vergangenen Jahren wurde die Strecke für die modernen Güterschiffe hergerichtet, die von nun an problemlos auch aus dem Westen Deutschlands und über den Elbeseitenkanal auch von Hamburg aus nach Magdeburg gelangen können. Die Stadt, in der in den vergangenen Jahren zahlreiche Logistiker heimisch geworden sind, wird damit im Sinne des Güterverkehrs auf dem Wasserweg deutlich attraktiver.

Von Magdeburg an die Weser

Magdeburg ist wie beispielsweise Osnabrück, Hildesheim, Hannover und Wolfsburg über einen Stichkanal an den Mittellandkanal angeschlossen. Zu erreichen sind aus dem Raum Magdeburg auf diesem Weg auch Städte an der Weser, die vom Kanal gequert wird, und die Metropol­region Rhein-Ruhr über den sich anschließenden Dortmund-Ems-Kanal.

Zupass kommt den Magdeburgern, dass ihr Hafen dank der 2013 in Betrieb genommenen Niedrigwasserschleuse vom Wasserstand in der Elbe unabhängig ist. Auch dieses Millionen­vorhaben wurde über das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 17 finanziert.

Ausbau bis Berlin läuft

Die Planer rechnen mit 33,2 Millionen Tonnen, die pro Jahr auf der nun ausgebauten Wasserstraße bewegt werden. Noch werden diese Werte nicht erreicht – noch ist aber auch der Ausbau auf der sich anschließenden Wasserstraße nach Berlin nicht abgeschlossen. Bis an die polnische Grenze soll ein leistungsfähiger Schifffahrtsweg ausgebaut werden.

Unabhängig von der Frage eines guten Ausbaus der Schifffahrtswege nach Osten und nach Westen ist die Elbe eine Wasserstraße. Während Logistikunternehmen und industrielle Anlieger einen Ausbau fordern, gibt es hier auch Bedenken: aus Gründen des Umweltschutzes, aber auch wegen Zweifeln, jemals brauchbare Wasserstände in der Elbe garantieren zu können.

50 neue Brücken

Im Zuge des Ausbaus der Osthaltung des Mittellandkanals wurden unter anderem 50 Brücken durch Neubauten ersetzt. Ebenfalls neu gebaut wurden 40 neue Düker und Durchlässe, die den Durchfluss von Wasser unter dem Kanal, der auch im Raum Magdeburg auf einem Damm landschaftsprägend wirkt, ermöglichen. Für Schiffe wurden Liegestellen errichtet, und ein ganzer Hafen für den Außenbezirk Haldensleben stand auf dem Plan für die Bauleute. Es entstanden Wendestellen, zwei Sicherheitstore und zwei Bahnunterführungen. Darüber hinaus war eine Straßenunterführung westlich Rothensee an die Schiffe anzupassen.

Der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) aus dem Bundesverkehrsministerium verwies darauf, dass die Vision eine Netzes leistungsfähiger Binnenwasserstraßen, die Deutschland von Ost nach West durchziehen und alle Seehäfen mit einbinden, mit der Freigabe der Wirklichkeit ein Stück näher gerückt sei. Auch für Magdeburg sei dieser Anschluss fundamental, so Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD): „In den vergangenen Jahren sind im Umfeld des Hafens rund 10.000 Arbeitsplätze entstanden, nachdem unsere Stadt nach der Wende herbe Verluste zu verkraften hatte.“

Rotorblätter per Schiff transportieren

Hendrik Peterburs von Enercon als einer der wichtigen Nutzer des Hafens bestätigte diese Einschätzung: Sein Unternehmen verfüge inzwischen neben Eisenbahnen auch über ein eigenes Schiff zum Transport der Rotorblätter. Der Weg auf der Wasserstraße sei wesentlich unkomplizierter als der auf der Straße. Das habe etwas mit der Geometrie der Straßen, aber auch mit den Staus angesichts zunehmender Verkehrsströme zu tun.

Magdeburgs Hafenchef Karl-Heinz Ehrhardt kann die steigende Bedeutung des Gütertransports auf den Binnenwasserstraßen an seinen Geschäftszahlen ablesen: „Bei uns werden pro Jahr fünf Millionen Tonnen an Gütern umgeschlagen. Das sorgt dafür, dass wir seit Jahren schwarze Zahlen schreiben.“