Magdeburg l Planmäßig zum letzten Mal stand für den 31. Oktober 2020 ein Public Poetry Scream vor dem Hundertwasserhaus in Magdeburg im Kalender. Der Magdeburger Förderverein der Schriftsteller hatte die Menschen eingeladen, Texte vorzutragen. Eigene ebenso wie die Lieblingstexte anderer. Drei Mal bei den Terminen mit dabei: der knallbunte Taut-Kiosk, der unter anderem auf der Leipziger Buchmesse zum Wahrzeichen des Magdeburger Messestands geworden ist.

Das Resümee der Schriftsteller: Jedes Mal, wenn der Kiosk dabei war, kamen mehr Menschen. Insbesondere für zufällig Vorbeikommende scheint der Stand wie ein Magnet zu wirken.

Neuer Nachbau soll wetterfest sein

Zwar ist der Kiosk-Nachbau, der sonst im Forum Gestaltung steht, transportabel. Er besteht aus zwölf Teilen, die – ohne dass etwas verschraubt werden muss – von zwei Personen zu einem Ganzen zusammengefügt werden können und ist so relativ einfach und schnell zu montieren und zu transportieren. Ärgerlich ist aber: Der 2015 erstellte Nachbau ist nicht dafür konzipiert worden, dass er oft auf- und abgebaut sowie transportiert wird. Ebenso sind das Material und der Anstrich nur für Innenräume gedacht, im Außenbereich kann er nur bei stabilem trockenen Wetter zum Einsatz kommen.

Und vor diesem Hintergrund war die Reihe des Fördervereins am Hundertwasserhaus eine Art Testballon: Nehmen die Menschen kulturelle Veranstaltungen unter freiem Himmel an? Und welche Rolle spielt die technische Ausstattung?

Transportabel und auf Rollen

Die gesammelten Erfahrungen haben den Förderverein bestärkt, einen Plan auszuarbeiten: Mit Fördermitteln und dank Sponsoren – mit einigen potenziellen Partnern hat es bereits Gespräche gegeben – soll ein weiterer Taut-Kiosk nachempfunden werden. Es geht um den anderen etwas größeren Taut-Kiosk-Typ aus den 20er Jahren, wie er auch in den Magdeburger Straßen stand. „Auch der Taut-Kiosk 2.0 sollte aus gut transportierbaren einzelnen Elementen bestehen, aber in der Ausführung mechanisch robuster sein. Kleinere Regenschauer sollten ihm nichts anhaben können“, heißt es in der Projektbeschreibung. Der Farbanstrich sollte sich – ähnlich wie beim Taut-Kiosk 1.0 - an dem ursprünglichen Farbkonzept von Carl Krayl orientieren. Abweichend zum Original sollten in dem Bodenteil Rollen integriert werden, die es erlauben, den Kiosk zu verschieben, so dass der Standort - zum Beispiel auf Plätzen oder in Fußgängerzonen - einfach und situativ verändert werden kann.

Zudem soll die neue Variante mit einem Hänger ausgestattet werden, mit dem er transportiert, auf dem er aber auch aufgebaut werden kann. Nutzbar wäre er dann nicht allein als Hingucker für Kulturveranstaltungen. Er könnte – so der Förderverein – beispielsweise auch als touristischer Anlaufpunkt, als originelle Übernachtungsmöglichkeit oder als Beobachtungsposten für Stadtschreiber dienen. Um den Kiosk zu bauen und zwei Jahre zu betreiben, geht der Verein von Kosten über 170 000 Euro aus.

Übrigens: Eine stationäre Variante ist bereits am 5. November 2020 im Magdeburger Stadtrat Thema. Zugrunde liegt ein Antrag der Linke-Fraktion.