Magdeburg l Die kleine Gruppe bei der Generalprobe kommt unter Deck schnell ins Schwitzen. So bekommen die Besucher gleich eine ungefähre Vorstellung davon, wie es der Mannschaft an Bord der „Gustav Zeuner“ einst erging. Die eingespielten Geräusche und das Rasseln der Maschine bei der Vorführung tun ihr Übriges, um den Kettenschleppdampfer in Magdeburg wieder zum Leben zu erwecken.

Ab sofort kann das Museumsschiff im Wissenschaftshafen wieder bei einer Führung besichtigt werden. Das neue Team um Anleiter Martin Schmidt konnte sich wegen Corona gerade einmal zwei Wochen darauf vorbereiten. Gert Haak, Uwe Klawitter und Andreas Müller, Teilnehmer einer Jobecenter-Maßnahme, machen ihre Sache fürs erste Mal aber gut. Mit Fachwissen erklären sie Klaus Zimmermann, Bürgermeister und Finanzbeigeordneter, und Heike Jauch, Geschäftsführerin des Jobcenters Magdeburg, die Funktionsweise des Schiffs. „Die Kette zwischen Hamburg und Prag war 734 Kilometer lang und wog 12.700 Tonnen“, weiß zum Beispiel Andreas Müller.

2010 wurde die „Zeuner“ das erste Mal eingeweiht. Damals war sie an Land gehievt und monatelang von der Gise mbH aufgearbeitet worden. Die Firma, die damals das Deck gemacht hatte, hatte allerdings solch schlechte Arbeit geleistet, dass bald Wasser eindrang. Schimmel und Rost waren die Folge, so dass eine erneute Restaurierung notwendig wurde.

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Schiff aufwändig saniert

Seit November 2018 war das Schiff deshalb für Besucher gesperrt. Im Rahmen einer Integrationsmaßnahme des Jobcenters arbeiteten jeweils zehn deutsche und geflüchtete Arbeitsuchende an der Sanierung des Schiffes. Der komplette Rumpf wurde neu gestrichen, das Deck mit einer Magdeburger Bootsbaufirma fachgerecht erneuert. „Wie geleckt“, kommentiert der Bürgermeister die glatt lackierte Oberfläche.

Auch im Inneren hat sich einiges verändert, so dass sich ein Besuch auch für jene lohnt, die schon mal da gewesen sind, meint Rainer Kuhne, Geschäftsführer der Gise. Die Kajüten wurden neu eingerichtet, neue Figuren beispielsweise als Heizer aufgestellt. Die Kurzdoku über die Geschichte der „Zeuner“ kann nun in Kinosesseln angeschaut werden, die einst im Stadtfelder Oli standen, berichtet Projektleiter Jens Klein.

Die Teilnehmer der Probeführung zeigen sich zufrieden. „Beeindruckend“, ist der Kommentar von Heike Jauch. „Wir freuen uns sehr, dass unsere Kunden hier nachhaltig arbeiten und die gebührende Wertschätzung erfahren können“, sagt sie. Es sei zudem ein gelungener Beitrag zur sozialen Teilhabe.

Konzept für Schiffsmeile vom Technikmuseum

Klaus Zimmermann bedankte sich bei der Gise für die geleistete Arbeit: „Sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, indem sie Menschen mit sinnvollen Aufgaben auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt vorbereiten.“ Die Zukunft der „Schiffsmeile“ im Hafen habe man sehr wohl im Blick. So soll das Technikmuseum ein neues Konzept entwickeln, bei dem auch die historischen Schiffe im alten Handelshafen eine Rolle spielen werden, versichert er.

Denn neben der „Zeuner“ werden derzeit drei weitere Schiffe für spätere Führungen aufbereitet. Die Arbeiten am Eimerkettenbagger „Otter“, der zugehörigen Schute sowie dem Taucherschacht II gehen unvermindert weiter, berichtet Rainer Kuhne. „Wir hoffen, dass wir die Restaurierung in diesem Jahr beenden können“, sagt er. Gerade wurden Container aufgestellt, auf denen später eine Besucherplattform errichtet wird. Außerdem werden hundert Bäume gepflanzt und ein Pavillon aufgestellt.

Führungen werden von Mittwoch bis Sonntag jeweils um 10, 12 und 14 Uhr angeboten. Die Teilnehmerzahl ist wegen des Coronavirus auf fünf begrenzt, ein Mundschutz ist Pflicht. Außerdem können eine Draisine und Rikscha für Fahrten durch den Hafen entliehen werden. Alle Angebote sind kostenfrei. Infos unter www.kettendampfer-magdeburg.de.