Magdeburg l Die große Hitzewelle ist durch, der erste Regen gefallen, doch welche Ausmaße die monatelange, extreme Trockenheit auf das Stadtgrün in Magdeburg haben wird, lässt sich heute noch nicht absehen. Trockenschäden sind am ehesten bei Jungbäumen klar zuzuordnen, erläutert die Chefin des Eigenbetriebes Stadtgarten und Friedhöfe Simone Andruscheck.

Bisher seien 21 Jungbäume registriert worden, die eindeutig im Zusammenhang mit der anhaltenden Trockenheit eingegangen sind oder sehr wahrscheinlich eingehen werden. Sie seien besonders anfällig, weil das Wurzelsystem noch nicht komplett ausgebildet sei. Doch erst 2019 werde sich zeigen, wie viele Schattenspender im Jungbaumbestand tatsächlich betroffen seien, sagt Simone Andruscheck in einer aktuellen Information an den Stadtrat.

Auch alte Bäume geschädigt

Schwieriger festzustellen seien solche Dürreschäden bei älteren Bäumen ab circa 26 Jahren, da diese auch bei Wassermangel nicht direkt absterben, sondern erst einmal „nur“ geschwächt würden. Die Symptome seien hier ähnlich wie bei Schadbildern etwa durch Nährstoffmangel, Belastung durch Hochwasser oder Bodenverdichtungen. Ein Prozess der Schädigung also.

Jedoch: Unterliegen ältere Bäume über mehrere Jahre einem derartigen Trockenstress, könne die Dauerdürre mit parallelem Befall durch Schädlinge wie Pilze, Bakterien, Viren, Insekten u. ä. tatsächlich zum Absterben führen, warnt die Leiterin des Stadtgartenbetriebes.

Wässern kostete mehr als 150.000 Euro

Da half – vor allem bei den Jungbäumen – nur noch: wässern, wässern, wässern! Der Stadtgartenbetrieb hat im Sommer 500 Jungbäume (unter 5 Jahre) regelmäßig gegossen, berichtet Andruscheck. Sieben Mitarbeiter waren dafür mit Wässerungsfahrzeugen im Einsatz. Die Kosten summierten sich bis Ende August 2018 auf circa 56.000 Euro. Außerdem haben sich beauftragte Fremdfirmen um die Bewässerung von 840 Jungbäumen gekümmert. Die Kosten hierfür: rund 100.000 Euro.

Und es gab auch tatkräftige Hilfe von Magdeburger Feuerwehren sowie den Städtischen Werken Magdeburg, die zustätzlich beim Bewässern des Stadtgrüns halfen. Nicht nur Bäume, auch Sträucher und Stauden, profitierten davon.

Abgestorbene Bäume ersetzen

Die abgestorbenen Bäume sollen ersetzt werden, kündigte Simone Andruscheck an. „Die Bäume, die sich in der Verantwortung des Eigenbetriebes Stadtgarten und Friedhöfe befinden, werden im Herbst 2018 bzw. nach Feststellung 2019 nachgepflanzt“, sagte sie. Die Kosten für eine Nachpflanzung betragen je nach Baumart inklusive einer einjährigen Anwuchspflege sowie einer dreijährigen Entwicklungspflege etwa 1000 Euro.

Die abgestorbenen Bäume, die sich per Gewährleistungsverpflichtung im Verantwortungsbereich der Fremdfirmen befinden, werden auch durch die Fremdfirmen nachgepflanzt, ergänzte sie.

Bäume werfen Laub vorzeitig ab

Der Supersommer 2018 hat auch in Parks und dem Zoo Magdeburg Spuren hinterlassen. Am meisten gelitten haben jedoch häufig Straßenbäume mit eingeschränktem Wurzelvolumen. Doch auch sie haben einen natürlichen Abwehrmechanismus in Gang gesetzt und vorzeitig das Laub abgeworfen, um weniger Blattwerk versorgen zu müssen. Bilder wie im tiefsten Herbst mit großen Laubteppichen am Wegesrand gab es schon im Juli. Doch es war eben eine natürliche Reaktion auf den „Trockenstress“.

Ausgewachsene Bäume können in solchen Extremsituationen gut von ihren Reserven leben, die sie sich in besseren Zeiten zugelegt und im Stammbereich eingelagert haben.

So wird zum erwachenden Frühling 2019 womöglich kaum noch etwas vom Dürrejahr 2018 zu sehen sein. Solche Durststrecken mit sogar mehreren regenarmen Sommern in Folge hat es auch schon in der Vergangenheit gegeben, weiß Uwe Peruth vom Deutschen Wetterdienst in Magdeburg. Etwa in den 1970er Jahren, als es in mehreren Sommern hintereinander ungewöhnlich wenig Regen gab.