Magdeburg l Die Ausbreitung des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) in Magdeburg scheint nicht zu stoppen zu sein. Ganz im Gegenteil: Allein in den ersten Monaten 2019 wurden bereits 16 neue Bäume entdeckt, die von dem aus Asien eingeschleppten Schädling befallen waren. Insgesamt wurden damit seit dem Bekanntwerden des Befalls vor fast fünf Jahren 62 Wirtsbäume im Stadtgebiet von Magdeburg entdeckt.

Vier der neuen Wirtsbäume wurden im Bereich des Neustädter Sees in Höhe Bahnhof Rothensee entdeckt. Zwölf weitere Ahornbäume mit Käferspuren standen im Gewerbegebiet am Hansehafen. „Die molekularbiologische Bestätigung erhielten wir im April“, sagt Ursel Sperling von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG). Sie ist von Anfang an für die Bekämpfung des Käfers in Magdeburg zuständig.

Befallene Bäume gefällt

Die nun gefundenen Bäume wurden bereits Ende Mai 2019 gefällt und verbrannt. Doch nach den geltenden Bestimmungen müssen im Umkreis von 100 Metern um jeden dieser Bäume alle weiteren Laubbäume gefällt werden, die von dem Käfer befallen werden könnten.

Diese neuen Fällaktionen werden aber erst im Herbst und Winter durchgeführt, nach dem Ende der Brutzeit der Vögel, wie Ursel Sperling erklärt.

Seit Sommer 2014 wurden entsprechend den geltenden EU-Vorgaben in der Quarantänezone ca. 9500 Laubgehölze gefällt und durch Verbrennen vernichtet, wie sie weiter erklärt. Besonders gravierend waren die Fällungen im Ortskern von Rothensee, wo ganze Straßen baumlos wurden.

Quarantäne-Zone wird vergrößert

Derzeit arbeitet die LLG an einer aktuellen Karte für die seit Sommer 2014 geltende Quarantänezone, die sich durch die nun entdeckten Bäume leicht vergrößern wird. „Es handelt es sich um die in Deutschland größte flächenmäßig zusammenhängende Quarantänezone“, sagt Ursel Sperling. Diese hat inzwischen eine Größe von 6100 Hektar erreicht und umfasst den gesamten Nordosten Magdeburgs sowie Teile des Jerichower Landes und der Börde.

Alle 62 Fundorte von Käferbäumen werden darin genau angegeben. Sie soll in den nächsten Tagen veröffentlicht werden und erstmals auch im Internet interaktiv genutzt werden können. Somit kann dann jeder per Zoomfunktion genau sehen, ob das eigene Grundstück in der Zone und ihren strengen Ausfuhrregeln für geschnittenes Laubbholz liegt.

In den Risikogebieten wurden dieser Tage wieder 103 Lockstofffallen aufgehängt. Im vergangenen Jahr waren darin zwei lebende Exemplare gefangen worden – einer am Neustädter See, der andere im Wiesenpark auf ostelbischer Seite.

Fällungen am Neustädter See

„Wir gehen davon aus, dass der neue Befall am Neustädter See den entsprechenden Fallenfang erklärt“, sagt die LLG-Mitarbeiterin. Im Bereich des Wiesenparks konnte der Wirtsbaum des gefangenen Käfers hingegen noch nicht gefunden werden.

Seit der Entdeckung, dass sich der Käfer auch östlich der Elbe ausgebreitet hat, ist eine der größten Sorgen, dass ein Tier oder ein Wirtsbaum im historischen Herrenkrugpark gefunden wird – und dort dann ebenfalls rigoros der Baumbestand gelichtet werden würde.

Monitoring geht weiter

Die bekannten Monitoring-Maßnahmen werden auch in diesem Jahr fortgeführt. Dazu gehört, dass jeder potenzielle Wirtsbaum innerhalb der Quarantänezone einmal im Jahr unter die Lupe genommen wird. In der kalten Jahreszeit kann das auch vom Boden aus mit dem Fernglas passieren. „Zusätzlich werden unsere Baumkletterer alle kletterfähigen Bäume kontrollieren“, sagt Ursel Sperling.

Quarantäne-Zone des Asienkäfers in und um Magdeburg

Rund um die bekannten Befallsherde werden die Bäume durch ein sogenanntes Kronenmonitoring mit Seilkletterern oder über den Einsatz eines Hubsteigers besonders genau im Auge behalten. Drei Inspektoren und fünf Baumkletterer sind derzeit im Quarantänegebiet im Einsatz. Weiterhin untersuchen noch 10 Monitoring-Mitarbeiter das Gebiet. Weitere Monitoring-Aufgaben wurden an externe Firmen vergeben. In schwer zugänglichen Gebieten ist zudem auch für dieses Jahr der Einsatz von speziell ausgebildeten ALB-Spürhunden geplant.

Zusätzlich nimmt die LLG auch Hinweise der Anwohner in der Quarantänezone entgegen, die sich melden können, wenn sie einen verdächtigen Käfer oder ein Loch im Baum entdecken. Deren Zahl ist aber relativ gering. Im vergangenen Jahr gab es 18 Meldungen von Bürgern, in diesem Jahr gingen bislang lediglich 4 Hinweise ein. Eine Befallsmeldung habe sich aber aus keiner der Meldungen ergeben, so die LLG-Vertreterin. „Wir bedanken uns ausdrücklich bei allen Bürgern, die an ihren Bäumen Befall vermuteten und diesen auch gemeldet haben“, sagt sie dennoch.

Quarantäne bis 2023

Ob weitere Wirtsbäume oder gar Käfer in dieser Saison entdeckt werden, darüber möchte Ursel Sperling nicht spekulieren. Klar ist nur, der Käfer wird die Magdeburger noch einige Jahre beschäftigen. Denn durch die neuen Funde verlängert sich erneut die Dauer der Quarantänezeit, die offiziell erst vier Jahre nach dem jüngsten Fund endet. Somit gelten die Quarantänebestimmungen aktuell bis Mai 2023. Laubholz, das vom Käfer befallen sein könnte, darf zum Beispiel nicht aus der Zone herausgebracht werden.