Magdeburg l Der Boom der Biogasbranche ist vorbei. Das jedenfalls legen die Zahlen nahe. Laut Statista ging die Zahl der Biogasanlagen im vergangenen Jahr erstmals seit zwei Jahrzehnten zurück, mit der Rentabelität hatten einige Betreiber schon vorher ein Problem.

Nun könnte ein Pilotprojekt der Region den Weg in ein neues Geschäftsfeld weisen. Das Frauenhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) in Magdeburg will mit einigen Partnern eine Biogasanlage für die Wasserstoffproduktion nutzen. Wo genau die Anlage entstehen soll, will Torsten Birth, einer der Projektverantwortlichen, noch nicht sagen. Derzeit würden die vorliegenden Verträge noch geprüft, sagt der Leiter des Bereichs Energie- und Ressourceneffiziente Systeme beim Fraunhofer-Institut. Eine Bundesförderung über eine halbe Millionen Euro habe das Institut bereits zugesagt bekommen, eine Förderung von 90 Prozent.

Mit Beginn des kommenden Jahres soll die Anlage laut Birth die Arbeit aufnehmen. Vorher müsse jedoch ein Fermenter gebaut werden, etwa zehn Kubikmeter groß, direkt neben der Biogasanalage. Mikroorganismen sollen mit dieser Konstruktion aus Bio-Abfällen Wasserstoff produzieren. „Es gibt so eine Anlage in diesem Maßstab noch nicht“, sagt Birth. Bis zum Jahr 2023 wollen die Wissenschaftler dort zur Wasserstoff-Produktion forschen, dann endet die Förderperiode nach derzeitigem Stand.

Biogasanlagen haben bei der Produktion von Wasserstoff einen Vorteil gegenüber Windkraft- oder Solaranlagen: Sie kann konstant laufen, es gibt keine Schwankungen wie bei Wind und Sonne.

Testplattform in Leuna geplant

Mit dem Problem der Schwankungen bei der Stromerzeugung befasst sich das Fraunhofer-Institut auch in Leuna. Derzeit entsteht dort am Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse eine Elektrolyse-Testplattform. Im Sommer soll es dort mit den Tests losgehen, berichtet Gerd Unkelbach, der Leiter des Fraunhofer-Zentrums in Leuna.

Expertise haben die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts im Land außerdem mit Wasserstoff-Fahrzeugen. Zuletzt gab es in ganz Deutschland nur einige Hundert Menschen, die ein Auto mit Brennstoffzelle fahren. Birth ist einer von ihnen. Seit 2018 fährt er ein Auto mit Batterie und Brennstoffzelle. Rund 300 Kilometer weit komme er damit. Rund zwei Kilogramm Wasserstoff gehen in seinen Tank, für knapp 20 Euro könne er volltanken.