Stadtentwicklung

Neue Plattenbauweise eröffnet barrierefreien Wohnraum im Süden Magdeburgs

Der erste neue Plattenbau im Quartier Friedenshöhe ist nahezu fertig. Wobau und Arbeitersamariterbund haben dabei ein Experiment gewagt. Wenn sich die Modulbauweise bewährt, könnten bald weitere Projekte folgen. Entstanden ist barrierefreier Wohnraum.

Von Christina Bendigs
Blick auf die Rückseite des neuen Gebäudes an der Bundschuhstraße.
Blick auf die Rückseite des neuen Gebäudes an der Bundschuhstraße. Foto: Christina Bendigs

Magdeburg - Es gab Zeiten, da waren Plattenbauten moderner Lebensstandard. Darauf folgte eine Zeit, in der die Plattenbauweise regelrecht verpönt war. Doch sie wird wiederentdeckt. Die Magdeburger Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) hat gemeinsam mit Architekten und Bauunternehmern eine Modulbauweise entwickelt, die auf die Grundrisse alter Plattenbauten passt. Der Erste dieser Art steht kurz vor der Fertigstellung.

Mit dem Gebäude möchten Wobau und Arbeitersamariterbund (ASB) dem Bedarf an barrierefreiem Wohnraum gerecht werden. Und die Resonanz sei bislang gut, berichtet Antje Ruddat als Geschäftsführerin des ASB. Der Verein betreibt in dem Stadtteil bereits ein Pflegeheim. Der Wunsch sei schon lange gewesen, auch barrierefreies Wohnen anzubieten. Nicht alle Senioren wollen gleich in ein Heim ziehen, außerdem möchten viele in ihrem Stadtteil bleiben, weiß Antje Ruddat, die sichtlich stolz ist auf die neuen Wohnungen, die in der Friedenshöhe entstanden sind. Schließlich bieten sie geräumige Schlafzimmer und schöne Wohnbereiche. Auch Vorstandsvorsitzender Oliver Müller vom ASB Magdeburg ist begeistert, als er kürzlich bei einer Besichtigung mit vor Ort ist und die Wohnungen anschaut.

Viele der Interessenten müssten sich jedoch erst einmal damit anfreunden, eine offene Küche zu haben. Das Interesse aber sei vorhanden. Regelmäßig führt Antje Ruddat potenzielle Mieter durch die Wohnungen, von denen einige mit ihren breiten Fluren und Türen auch rollstuhlgerecht gestaltet sind. Und wenn manches Paar sich mehr Platz wünscht, dann rät Ruddat: „Bedenken Sie, dass vielleicht irgendwann ein Partner die Wohnung allein finanzieren muss.“

Positive Resonanz auf barrierefreie und rollstuhlgerechte Wohnungen

Die positive Resonanz freut Wobau-Chef Peter Lackner. Wenn es sich bewährt, könnten Häuser selben Typs auch an anderer Stelle umgesetzt werden – immer dort, wo P2-Bauten abgerissen wurden. Der Vorteil aus Sicht der Wobau: „Man spart Geld bei den Erschließungskosten“, erklärt Peter Lackner. Denn die Gebäude passen genau auf die noch vorhandenen Anschlüsse der Vorgänger-Bauten. Als Vorfertigungsmodule produziert, können die Wohngebäude relativ schnell errichtet werden. Das Gebäude an der Bundschuhstraße etwa wurde in gut einem Jahr gebaut.

Parallel arbeitet die Wobau an ähnlichen Projekten für Familien. Neben dem Gebäude für barrierefreies Wohnen sieht die Wobau auch ein Wohngebiet mit Einfamilienhäusern vor, in denen auch Magdeburger ein Zuhause finden sollen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind. „Es gibt hier entsprechende Vorgaben, wie groß eine Wohnung für eine bestimmte Anzahl an Personen sein darf“, erläutert Lackner. Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern zum Beispiel könne maximal 80 Quadratmeter bewohnen. „Aber es gibt wenige Wohnungen, die diesem Standard entsprechen“, sagt Lackner. Genau da setzt die Idee der Wobau an. Die Wohnhäuser sollen mit 80, 90 oder mehr Quadratmetern geplant werden, je nachdem, was die Richtlinie der Stadt für die Kosten der Unterkunft (KdU-Richtlinie) zulässt.

Auch dafür möchte die Wobau auf bereits vorhandene Anschlüsse von abgerissenen Bauten zurückgreifen und so die Kosten geringer halten. Bis mit der Umsetzung in der Friedenshöhe begonnen werden kann, dauert es aber noch einige Zeit. Als erster Schritt wird der Bebauungsplan auf den Weg gebracht, danach kann erst die Baugenehmigung beantragt werden.