Magdeburg l Gerät nach dem Land Sachsen-Anhalt nun auch die Stadt Magdeburg in die Kritik beim Bund der Steuerzahler, weil sie der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg ein Grundstück schenken möchte? Nein, antwortet Ralf Seibicke als Vorstand des Bundes der Steuerzahler Sachsen-Anhalt. Denn dass eine Kommune Grundstücke für Sakralbauten zur Verfügung stelle, sei nicht außergewöhnlich. Dem Bund der Steuerzahler sei aber kein Fall bekannt, bei dem ein Bundesland trotz jährlicher Bereitstellung von Geld für die Kirchengemeinden den Neubau eines Sakralbaus mitfinanziert hat, erneuerte er die Kritik des Bundes der Steuerzahler, die kürzlich für Schlagzeilen gesorgt hatte. „Ein Diskussionsverbot über den wirtschaftlichen und sparsamen Einsatz darf es aus unserer Sicht bei keinem im Landeshaushalt veranschlagten Titel geben“, findet Seibicke.

Die Stadt Magdeburg will der Synagogen-Gemeinde das Grundstück an der Julius-Bremer-Straße, das seit Jahren für den Bau einer neuen Synagoge freigehalten wird, schenken. Der Stadtrat hat dem Vorschlag der Verwaltung mit großer Mehrheit zugestimmt.

Das Landesverwaltungsamt erklärt: Eine Schenkung ist möglich, sofern die Kommune ein Grundstück nicht zur eigenen Aufgabenerfüllung benötigt. Im vorliegenden Fall wolle die Landeshauptstadt Magdeburg der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg ein 2497  Quadratmeter großes Grundstück zum Bau der Synagoge schenken. Die Schenkung sei an diesen Zweck gebunden. Der Verkehrswert des Grundstückes betrage rund 600.000  Euro. Sollte auf dem Grundstück keine Synagoge gebaut werden, falle es an die Stadt zurück. Eine entsprechende Klausel werde in den Vertrag eingebaut.

Große Freude bei Synagogen-Gemeinde

Oberbürgermeister Lutz Trümper erinnerte auf Nachfrage an die Zerstörung der „vitalen jüdischen Gemeinde“ während der Zeit des Nationalsozialismus. Er hält die Entscheidung daher für richtig, sagt er.

Bei der Synagogen-Gemeinde und dem Kuratorium zum Bau der neuen Synagoge sei die Freude über die Entscheidung groß, berichtete Gerhard Miesterfeldt als Mitglied im Kuratorium auf Nachfrage.

Das Gotteshaus der Synagogengemeinde war in den Jahren 1938 und 1939 zerstört worden. Seit Jahren schon wird ein Ersatzbau mit der Synagogen-Gemeinde als direkter Nachfolgerin der damals betroffenen Gemeinde angestrebt. Außerdem werden Spenden dafür gesammelt.

Konflikt zwischen Gemeinden

Doch reibungslos verlaufen die Pläne nicht. Denn es gibt noch eine zweite jüdische Gemeinde in Magdeburg. Im Gegensatz zur Synagogen-Gemeinde, die als orthodox gilt, agiert die „Jüdische Gemeinde zu Magdeburg“ liberaler. Zwar erklärte die Synagogen-Gemeinde, dass alle Menschen jüdischen Glaubens in dem neuen Gebäude willkommen seien, aber zu den orthodoxen Regeln, die sie selbst verfolgt. Deshalb fühlt sich die Jüdische Gemeinde ausgeschlossen, hatte zuletzt sogar den Petitionsausschuss des Landtages bemüht. Demnach wendet sich die Jüdische Gemeinde gegen die finanzielle Unterstützung des Synagogen-Neubaus, sofern sie nicht an Planung, Bau und Nutzung beteiligt ist.

Zunächst sollte ein deutlich größerer Bau geplant werden. Entwürfe gab es bereits. Das Land hatte jedoch Auflagen erteilt, eine abgespeckte und damit auch kostengünstigere Variante zu entwerfen. Dem wollten Gemeinde und Kuratorium nachkommen. Einen öffentlichen Entwurf für den kleineren Bau gibt es bislang noch nicht.