Magdeburg l Sie heißen Honey, Karlo, Lissy oder Lea, haben vier Pfoten, eine kalte Schnauze und sind durch ihr beruhigendes Wesen wahre Mutmacher: Hunde. Und genau sie sind die tierischen Therapeuten, die im Therapiezentrum an der Blankenburger Straße in Magdeburg im Mittelpunkt stehen und die Behandlung von Kindern und Erwachsenen mit Behinderung unterstützen. Eröffnet wurde das Zentrum am 6. August 2018.

Gegründet wurde das tiergestützte Therapiezentrum vom Verein Tierisch geborgen. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern gestaltete Vereinsvorsitzende Stephanie Brehm die Räumlichkeiten tier- und therapiegerecht um. Im größten Bereich der Räume befindet sich eine Trainingsfläche mit einem Parcours, den Zwei- und Vierbeiner zusammen meistern können.

Hunde werden ausgebildet

Tagsüber soll die Fläche für Therapiezwecke und am Abend für die Ausbildung der Hunde genutzt werden. Zudem gibt es einen Raum der Sinne, einen Abenteuer-Raum und eine Lerninsel.

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Die tiergestützte Arbeit dient der Förderung sozialer, kognitiver und motorischer Fähigkeiten. Aufgrund ihres auf den Menschen geprägten Wesens und der hohen Lernbereitschaft sind Hunde als Unterstützer für diese Aufgaben besonders geeignet.

Hunde wenige Stunden im Einsatz

Denn neben den Therapeuten auf vier Pfoten werden im Therapiezentrum auch Ergotherapeuten, Logopäden, Frühförderer und Sozialpädagogen mit den Kindern und Erwachsenen arbeiten und dabei von ihrem eigenen Hund oder dem ehrenamtlicher Helfer unterstützt. Schließlich sollen die Hunde nicht überlastet werden und kommen deshalb wöchentlich zwar drei- bis viermal, allerdings nur für wenige Stunden am Tag zu ihrem spielerischen Einsatz.

Entsprechend können die Hunde der Therapeuten, die in der Regel ausgebildete Therapiebegleithunde sind, nicht immer dabei sein. Doch eine Therapie ohne Hund gibt es im Zentrum nicht. Abhilfe leisten ehrenamtliche Helfer und Vereinsmitglieder mit ihren Vierbeinern, die alle zum Besuchshund ausgebildet sind.

Um Besuchshund zu werden, müssen Vierbeiner in Begleitung ihrer Besitzer eine Ausbildung absolvieren. Neben spezifischem Fachwissen, unter anderem zu rechtlichen Grundlagen, werden dem Besitzer praktische Fähigkeiten des Hundes vermittelt, bevor eine Begleithundeprüfung abgelegt wird.

Hund muss Wesenstest bestehen

Vorab muss der Hund allerdings schon einen Wesenstest bestehen. „Kein Hund wird als möglicher Besuchshund prinzipiell ausgeschlossen“, erklärt Stephanie Brehm. Auch ein zum Besuchshund ausgebildeter American Staffordshire Terrier, dessen Rasse zu den Listenhunden zählt, kam im Rahmen eines vom Verein organisierten Stationsbesuchs in einem Krankenhaus schon zum Einsatz.

Denn neben dem Therapiezentrum ermöglicht der 2004 in Magdeburg gegründete Verein Besuche der Vierbeiner in Kindergärten, Schulen, Senioren- und Behinderteneinrichtungen.

Einer dieser Besuchshunde ist Golden Retriever „Panya“ von Petra Burke. Im Rahmen der Eröffnung des Zentrums beschäftigte sich Therapiekind Merlin mit dem Hund, der sonst zusammen mit Frauchen der Wolmirstedter Förderschule Gerhard Schöne wöchentliche Besuche abstattet.

Burkhard Lischka ist Ehrenbotschafter

Doch bevor gespielt wurde, hatte Merlin die Ehre, gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Burkhard Lischka das Zentrum mit dem Durchschneiden eines Bandes symbolisch zu eröffnen. Lischka war an diesem Tag allerdings nicht als Politiker, sondern als Ehrenbotschafter des Vereins gekommen.

Auch Michael Kempchen, seines Zeichens Intendant des Puppentheaters Magdeburg, ist einer der Botschafter des Vereins Tierisch geborgen. Unter seiner Schirmherrschaft wird am 6. September ein Charity-Abend veranstaltet. Denn der Verein finanziert sich und seine Arbeit rund um die Ausbildung der Hunde und die Besuche in den Einrichtungen ausschließlich durch Spenden, die unter anderem im Rahmen des Charity-Abends gesammelt werden sollen.

Spenden für die Vereinsarbeit

Fließen soll das Geld dann direkt in die Vereinsarbeit. Zwar werden die Hundehalter für ihr Engagement nicht bezahlt, doch übernimmt der Verein die anfallenden Kosten für Sprit und Versicherung, die im Ernstfall einspringt. „Ein Tier bleibt immer ein Tier“, erklärt Stephanie Brehm. Und von diesen Einsätzen an insgesamt 91 Einrichtungen gab es im Jahr 2017 über 2000.

Außerdem übernimmt der Verein die Kosten für die Ausbildung von Assistenzhunden. Diese belaufen sich auf rund 20.000 Euro pro Hund. Aktuell warten 23 Kinder, die vom Verein betreut werden, auf ihren persönlichen tierischen Helfer, um ihr Leben und den Alltag trotz eines Handicaps gekonnt zu meistern.