Magdeburg l Peter Höhne seufzt: „Ich bin jetzt 29 Jahre dabei. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Der Technische Leiter der Weißen Flotte in Magdeburg ist fassungslos über das, was ihm die von ihm so geliebte Elbe angetan hat. Seit dem 6. Juli können er und seine zehn Kollegen mit den drei Schiffen nicht mehr vom Petriförder ablegen. Die Elbe führt einfach zu wenig Wasser - und Besserung ist nicht in Sicht.

Fahrgastschiffer hofften auf Rekordjahr

Dabei fing das Jahr so gut an. „Bis Ende Juni war die Nachfrage sehr gut. Wenn wir Wasser hätten, wären wir mit großer Sicherheit in ein Rekordjahr gefahren“, ist sich Höhne gewiss. Doch es kam anders - und das hat auch seinen Niederschlag in den Büchern gefunden. Weiße-Flotte-Geschäftsführer Peter Fechner konstatiert: „Normalerweise gehen bei uns in diesem Zeitraum 26 000 Gäste an Bord. Tatsächlich waren es aber nur 7500.“

Letztere Zahl ist angesichts der Ebbe in der Elbe noch positiv zu bewerten. Denn die Fahrgastschiffer haben zwei ihrer Kähne im Mittellandkanal am Schiffshebewerk geankert. Von dort stechen sie in Alternativrouten in See.

Die beliebte Binnen-Kreuzfahrt über die Trogbrücke zur Schleuse Niegripp und von dort über die Elbe und über das Schiffshebewerk wieder rauf auf den Kanal wurde um die Anfahrt vom Petriförder verkürzt und mit 19,50 Euro um 5,50 Euro preiswerter gemacht. „Mit dieser Tour und anderen Fahrten über die Trogbücke konnten wir ein bisschen die Ausfälle kompensieren. Aber es fehlt einfach die Laufkundschaft“, so Peter Höhne. Das Problem: Um zur Abfahrtsstelle am Schiffshebewerk zu kommen, müssen Fahrgäste mit dem Auto anreisen und Treppen steigen. Das tun sich nicht viele an. Folglich sind die Fahrgastzahlen bildlich gesehen ins Unterdeck gefallen.

Alte Gewinne sollen Defizite ausgleichen

Peter Fechner als Geschäftsführer muss in diesen schwarzen Tagen für die Weiße Flotte deshalb sehen, wie er den Einnahmeausfall im sechsstelligen Bereich auffangen kann. Rund 1,2 Millionen Euro erzielt die Weiße Flotte pro Jahr an Umsatz. 66 Prozent kommen aus der Fahrgastschifffahrt. Der Rest stammt aus der Organisation von Wochenmärkten, dem anderen Geschäftsbereich.

Zugute kommen Flottenchef Fechner die guten Vorjahre. „Wir haben schwarze Zahlen geschrieben und die Gewinne in die Erneuerung der Flotte gesteckt und auch Niedrigwassertage geplant. Aber drei Monate am Stück hatten wir natürlich nicht vorgesehen.“

Nun wird versucht, die Ausfälle aus den Gewinnen abzufedern, ohne die wichtigen Reparaturen an den Schiffen zu vernachlässigen. „Ich hoffe, dass wir das hinkriegen, auch mit Unterstützung unseres Gesellschafters“, so Fechner. Die Weiße Flotte ist eine Tochter der Magdeburger VerkehrSbetriebe MVB, die ja selbst unter öffentlichem Finanzdruck stehen.

Und so hoffen Flottenchef und Mitarbeiter, die Saison noch etwas retten zu können. Wasser in der Elbe ist zwar nicht in Sicht, dafür aber schönes Wetter. Der Altweibersommer könnte den einen oder anderen Fahrgast und vielleicht auch manche Firma dazu verleiten, doch vom Schiffshebewerk Rothensee aus auf einem Weiße-Flotte-Schiff die Wasserwege zu erkunden. Zwischen Niegripp und Rothensee jedenfalls ist die Elbe noch tief genug, um fahren zu können. Im Stadtgebiet Magdeburg braucht es dagegen dafür gesicherte 65 Zentimeter Wassertiefe am Pegel Strombrücke.

Um sich in Erinnerung zu halten, hat die Flotte zumindest ein Schiff am Petriförder stehen lassen. Mit schon vorbestellten Charterfahrten und dem Theaterschiff sind noch bis zum Jahresende ein paar Projekte geplant - die hoffentlich nicht durch die Trockenheit der Elbe ins (Niedrig-)Wasser fallen.