Mageburg l Mehr als 950 Schüler werden normalerweise am Norbertusgymnasium in Magdeburg von etwa 70 Lehrern unterrichtet. „Doch nur drei Kinder kamen am Freitag in die Schule. Damit hatte niemand gerechnet“, berichtet Steffen Lipowski. Er ist der Direktor der Edith-Stein-Schulstiftung, dem Träger der katholischen Einrichtung.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass sich ein Lehrer mit dem Coronavirus infiziert hatte und erkrankt ist. Seitdem stehen laut Auskunft der Stadt Magdeburg 100 Schüler sowie acht Pädagogen und zwei Mitarbeiter des Sekretariats bis 17. Juli 2020 unter Quarantäne. Den Eltern der anderen Schüler sei es freigestellt worden, ihre Kinder zur Schule zu schicken, so der Stiftungsdirektor. Für die restliche Belegschaft gelte dagegen weiter Dienstpflicht.

Lehrer überarbeiten Lehrpläne

Das Schulgebäude wird wohl auch am Montag verwaist bleiben. „Ich bezweifle, dass nächste Woche wieder mehr Kinder zum Unterricht kommen werden“, so Lipowski gegenüber der Volksstimme. Stattdessen würden die Pädagogen die Zeit nutzen und ihre Lehrpläne überarbeiten.

Inzwischen sei auch die Entscheidung gefallen, die Zeugnisse erst im kommenden Schuljahr an die Mädchen und Jungen zu verteilen. Die Übergabe wäre nächsten Mittwoch gewesen. Doch bei etwa 20 Prozent der Zeugnisse fehlen noch Unterschriften, weil eben jene Lehrer seit Donnerstag in Quarantäne sind. „Eltern und Schüler können sich aber direkt vor Ort über die Noten erkundigen“, berichtet Lipowski.

Veranstaltungen ausgefallen

Ausgefallen ist bereits am Freitag die feierliche Übergabe der Abiturzeugnisse. Stattdessen durften sich die jungen Frauen und Männer ihre Abschlussurkunden im Sekretariat selbst abholen.

Die Abiturienten des Norbertusgymnasiums trifft es damit in diesem Jahr besonders hart. Sie mussten wegen der Corona-Krise bereits auf ihren letzten Schultag, das sogenannte Abklingeln, eine Mottowoche und nun auch noch auf die Abi-Feier verzichten, für die sich einige Schüler bereits neu eingekleidet hatten. „Das tut mir für sie unendlich leid“, meint Lipowski.

Unklar, wo die Ansteckung erfolgte

Der erkrankte Lehrer habe am Dienstag noch unterrichtet. „Gegen Mittag zeigte er Schwächesymptome und wurde deshalb von der Schulleitung nach Hause geschickt“, so Lipowski. Am Abend habe der Pädagoge Fieber bekommen und sei deshalb am Mittwoch zum Arzt gegangen. Dort sei ein Abstrich genommen worden.

Am Donnerstag lag der positive Befund vor. Der Lehrer selbst habe laut Lipowski keine Erklärung dafür, wo er sich angesteckt haben könnte.

Die Stadt Magdeburg appelliert an all jene Schüler und Lehrer, für die Quarantäne verhängt wurde, sich bei Symptomen sofort an die Corona-Hotline der Stadt zu wenden. Diese ist unter (0391) 540-2000 erreichbar.

Fieberambulanz täglich geöffnet

Amtsarzt Dr. Eike Hennig empfiehlt zudem allen symptomfreien Personen, frühestens am Montag oder Dienstag einen Kontrollabstrich machen zu lassen. Dieser ist unter anderem in der Fieberambulanz möglich.

Das Fieberzentrum in der Brandenburger Straße ist weiterhin täglich geöffnet. Von Montag bis Donnerstag hatten sich dort 168 Personen testen lassen, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt auf Nachfrage mit. Zudem sei noch ein mobiles Team im Einsatz. Ein Testergebnis liege in der Regel nach 24 bis 48 Stunden vor.

Seit Dienstag gibt es in Magdeburg keinen neuen Corona-Fall. Die Zahl liegt damit weiterhin bei insgesamt 242 seit Ausbruch der Pandemie, teilte das Sozialministerium mit. Der erkrankte Lehrer zählt nicht zu Magdeburg. Er wohnt im Jerichower Land und wird daher in der Statistik dieses Landkreises aufgeführt.