Magdeburg l Magdeburgs Astronomen wechseln mit ihrem Bauprojekt die Seiten. Von der südlichen Spitze des Kleinen Angers wandert der geplante Neubau des Astrophysikalischen Zentrums samt Observatorium in Richtung Norden. Das neue, nun avisierte Grundstück liegt ebenfalls an der Herrenkrugstraße, aber im nördlichen Bereich Richtung Hochschule Magdeburg-Stendal (siehe Visualisierung).

Beim Förderverein Silberschlag, der eigens für das Projekt aus den Reihen der Astronomischen Gesellschaft Magdeburg (AGM) gegründet wurde, zeigt man sich erleichtert. Das Observatorium muss zwar vom ursprünglich geplanten Bauplatz gleich neben dem Spaßbad Nemo weichen, weil dessen Betreiber überraschend Pläne für einen Hotelneubau an eben dieser Stelle bekundete (Volksstimme berichtete). Gefährdet sei das Observatorium deshalb aber nicht. Der Parkbetreiber habe sich auch dafür stark gemacht und bei der Suche nach einem neuen Standort innerhalb des Elbauenparks geholfen, sagte René Neumann, Mitglied des Vorstandes im Silberschlag e. V., der Volksstimme. Zentrale Lage, gute Anbindung an den ÖPNV und Synergieeffekte mit den Angeboten des Elbauenparks – diese Vorteile biete auch der neue, nun ins Auge gefasste Standort, so Neumann.

Aufsichtsrat berät zur neuen Lösung

In der kommenden Woche soll der geänderte Standort dem zuständigen Aufsichtsrat der Natur- und Kulturpark Elbaue GmbH vorgestellt werden. Der Silberschlag e. V. hofft, dass es dann schnell grünes Licht gibt, um das Projekt weiter voranzutreiben.

Mit einem Crowdfundingprojekt hat es der Verein vor kurzem erst geschafft, die Finanzierung einer 3-D-Animation für das Projekt zu sichern. 11 375 Euro kamen dabei zusammen. Das 3-D-Video will der Förderverein voraussichtlich Ende März veröffentlichen. Damit will er Sponsoren und Förderer begeistern sowie Interesse für das Projekt wecken und vor allem auch auf Investorensuche gehen. Mit dem zweiminütigen Video können Zuschauer einen virtuellen Rundflug durch die geplante Experimentierlandschaft und das Auditorium unternehmen, über das Dach mit der Beobachtungsterrasse schweben und durch das Superteleskop in die Tiefen des Alls blicken. Das geplante 1-Meter-Spiegelteleskop wird beispielsweise das leistungsstärkste öffentlich zugängliche Teleskop in Ostdeutschland sein.

Betreibergesellschaft vor Gründung

„Schon dieses Jahr wollen wir Investoren suchen und eine Betreibergesellschaft gründen. Nächstes Jahr, 2021, stehen dann Projektierung, Bauantrag durch den Investor und Fördermittelprüfung auf dem Programm“, nennt René Neumann den Zeitplan. Ende 2021 bzw. Anfang 2022, wenn alles gut laufe, sei der erste Spatenstich geplant.

Inzwischen liegt laut Neumann auch ein qualifizierter Entwurf der Firma Duong & Schrader GmbH für den Neubau vor. Dieser war Grundlage für die 3-D-Animation, die derzeit gedreht wird. „Die erzielte Crowdfundingsumme wurde wie geplant für die Erstellung des 3D-HD-Videos eingesetzt“, berichtet Neumann, der im Namen des Vereins allen Sponsoren und Unterstützern dankte. Die Crowdfundingprämien wurden beziehungsweise werden gerade eingelöst, erklärte Neumann weiter. So fanden die ersten Astrofotoworkshops und Mondbeobachtungen statt. Weitere Termine folgen, sagte er.

Tiefer Blick ins All

Mit dem Bauantragsverfahren müssen die zuständigen Dezernate der Landeshauptstadt und der Stadtrat dem Projekt im Elbauenpark noch zustimmen. Geplant sind hier Investitionen über rund 15 Millionen Euro. In dem neuen Astrophysikalischen Zentrum mit dem Hochleistungsteleskop unter einer Sechs-Meter-Kuppel sollen Wissenschaftler, Schüler, Studenten oder an Naturwissenschaften Interessierte aller Altersgruppen forschen, experimentieren und faszinierende Blicke ins All genießen können, so das Ziel der Magdeburger Astronomen.