Magdeburg l Zu Beginn des Jahres trainierte er noch an der Seite des Olympiasiegers und Leichtathletikstars Mo Farah im Trainingslager in Kenia, im März musste er bedingt durch das Coronavirus einen Aufenthalt in Südafrika abbrechen. Seitdem befindet sich Frank Schauer im Schwebezustand. „Ich habe erst einmal eine Trainingspause einlegen müssen – die meisten Wettkämpfe im Frühjahr wurden abgesagt“, so der 31-Jährige, der seit dem Abschluss seines Maschinenbaustudiums als selbstständiger Laufprofi aktiv ist. Wobei Pause in seinem Fall lediglich das Drosseln des Trainingsumfangs von etwa 240 Kilometer auf 60 bis 80 Kilometer pro Woche bedeutet.

Unfreiwillige Auszeit

Nun befindet er sich wie viele andere auch unfreiwillig im sogenannten Homeoffice: Da keine Veranstaltungen stattfinden, arbeitet er quasi von zu Hause aus. „Gerade jetzt ist die Zeit, sich unter Wettkampfbedingungen auf die Höhepunkte des Jahres vorzubereiten“, so Schauer. Im Fall des Deutschen Marathonmeisters von 2013 wären das u. a. die Olympischen Sommerspiele – die Erfüllung eines Traumes - gewesen. Die Spiele in Tokio wurden auf 2021 verlegt, was Frank Schauer durchaus in die Karten spielt. „Somit bleibt genügend Zeit, die Qualifikationszeit von 2.12 Stunden zu knacken, um einen der begrenzten Startplätze zu ergattern“, sagt er. Zum Vergleich: Seine Bestzeit über die Distanz von 42,15 Kilometern liegt bei 2.16 Stunden. „Die Steigerung habe ich mit Blick auf die verbleibende Zeit bis zu den Spielen durchaus drin“, zeigt sich der schnellste Marathonläufer Sachsen-Anhalts optimistisch.

Nur zwei Chancen pro Jahr

Zwei Marathons läuft ein professioneller Athlet pro Jahr. Zur Vorbereitung dienen neben täglichen (doppelten) Trainingseinheiten Wettkämpfe zum Beispiel über die Halbmarathondistanz. Das unternehmerische Risiko etwa in Form von Verletzungen ist demnach relativ hoch, die gesteckten Ziele pro Jahr zu verpassen.

Sorgenfalten bereitet ihm die diesjährige Saison. Mit den ausgefallenen Wettkämpfen wie dem Halbmarathon in Berlin und dem Marathon in Hannover fehlt ihm nicht nur die Wettkampfpraxis, sondern auch Startgeld. Als einziger Profiläufer der Landeshauptstadt dient ihm dies zum Bestreiten des Lebensunterhalts. Dabei handelt es sich im Vergleich zu Summen, die etwa ein Fußballspieler des FCM erhält, um Klein(st)beträge, die jedoch in Addition mit dem Geld von vier regionalen Sponsoren sowie seines Heimatvereins Tangermünder Elbdeichmarathon zum Überleben als Soloselbstständiger wichtig sind. Zudem erhält er finanzielle Unterstützung von seiner Familie, um seiner Leidenschaft als Profi nachgehen zu können. „In meinem Bereich Unterstützer zu finden, ist leider äußerst schwierig“, merkt Schauer an. „Zum Glück habe ich Ausrüster an meiner Seite, die mir das nötige Equipment wie Schuhe und Kleidung stellen.“ Bitter ist aus Sicht des Selbstständigen, dass die Investition in die beiden Trainingslager in diesem Jahr vorerst umsonst gewesen ist: Von der bis zum 31. August erteilten Absage an Großveranstaltungen sind auch Sportwettkämpfe wie Lauf-events betroffen.

Wie es nun weitergeht, müsse mit seinem Trainer Jürgen Eberding (dessen Marathon-bestzeit mit 2.12 Stunden dotiert ist) abgestimmt werden. Der Herbst gilt mit seinen vielen Laufgroßveranstaltungen wie dem Berlin- und Frankfurt-Marathon in der Laufszene als Hauptsaison. Und die sind zumindest noch nicht abgesagt worden.