Die Beratungsstelle „magdalena“

Das Projekt Magdalena richtet sich an junge Mädchen, Frauen und transsexuelle Frauen, die in der Prostitution und im Bereich der erotischen Dienstleistungen in und um Magdeburg tätig sind.

Die Beratungsstelle befindet sich in der Friesenstraße 6 und ist unter Telefon 0391/55 99 16 66 sowie unter 0176/16 27 90 72 oder 0176/16 27 90 73 zu erreichen.

Mittwochs zwischen 13 und 16 Uhr gibt es einen Treff in der Friesenstraße. Männer haben in diesem Zeitraum keinen Zugang.

Weitere Infos gibt es online unter www.awo-sachsenanhalt.de/angebote/beratung-und-information/magdalena.

Das neue Prostituiertenschutzgesetz: Nach ersten Erfahrungen nimmt der Awo-Landesverband Stellung und erklärt, dass die Umsetzung des Gesetzes im Land zu „erheblichen Verunsicherungen bei den Frauen in der Sexarbeit und den Betreiberinnen“ führe. Die Neuerungen seien „umfassend und treffen die Menschen in der Sexarbeit einschneidend“. In der Beratungspraxis der Awo erlebe man „enorme Ängste und Unsicherheiten des zu schützenden Personenkreises gegenüber Behörden“.

Magdeburg l Seit einem Jahr gibt es jetzt die Beratungsstelle „magdalena“ für Prostituierte in Magdeburg. Das landesweit einmalige Projekt geht offensichtlich auf: 370-mal haben die Sozialarbeiterinnen Beratungen durchgeführt und damit sowohl den Sexarbeiterinnen als auch den Behörden zur Seite gestanden.

Das neue Prostituiertenschutzgesetz war im vergangenen Jahr das Hauptthema bei der Arbeit von „magdalena“. Die landesweit erste Beratungsstelle für Frauen in der Prostitution wurde im Frühjahr 2017 neu eröffnet. In einer ersten Bilanz heißt es jetzt: „Magdalena ist sowohl für die betroffenen Frauen als auch für Behörden eine wichtige Ansprechpartnerin und Unterstützerin geworden“, sagt Cathleen Paech, die Sprecherin des Awo-Landesverbandes Sachsen-Anhalt.

370 Beratungen in einem Jahr

Der Verband ist der Träger der Beratungsstelle, gefördert wird das Projekt von Aktion Mensch. Das erste Jahr in Zahlen ausgedrückt: Insgesamt 370-mal haben die beiden Sozialarbeiterinnen, die für die Awo im Einsatz sind, Beratungen durchgeführt. Die meisten davon seien im Rahmen der Streetwork erfolgt. Das heißt: Die Sozialarbeiterinnen sind in der Stadt unterwegs und suchen die Frauen an ihren Arbeitsorten auf.

Hauptsächlich durchreisende Frauen

Typisch für Magdeburg: Als Prostituierte seien hier hauptsächlich Migrantinnen „in einer Reisetätigkeit“ anzutreffen, erklärt die Awo-Sprecherin. Das bedeutet: Die Frauen leben immer nur für einige Tage in Magdeburg, dann ziehen sie weiter. Was im Zuge des neuen Prostituiertenschutzgesetzes zu beachten ist, gehörte zu den wichtigsten Fragen der Frauen.

Denn seit dem 1. Juli 2017 gilt: Wer ein Prostitutionsgewerbe betreibt, bedarf nunmehr einer behördlichen Erlaubnis. Neben dem neuen Gesetz halfen die Sozialarbeiterinnen im vergangenen Jahr auch dann, wenn es um Steuern, Krankenversicherung, Gesundheit, Behördengänge oder Wohnungssuche ging.

Einsatz für die Rechte der Frauen

Von der ehemaligen Justizministerin Angela Kolb-Janssen, Mitglied des Präsidiums der Awo Sachsen-Anhalt, heißt es: „Die vergangenen Monate haben die Dringlichkeit bestätigt, eine Beratungsstelle zu etablieren, die sich mit den Bedürfnissen der Sexarbeiterinnen im Land beschäftigt.“ Konsequentes Ziel sei es, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen und ihre Lebens- und Arbeitsverhältnisse dauerhaft zu verbessern. „Wir stellen uns gegen die Diskriminierung und Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen“, so Kolb-Janssen.

Neben den Sexarbeiterinnen selbst haben sich in den vergangenen Monaten zudem Angehörige und Personen aus dem Umfeld von Prostituierten an die Beratungsstelle gewandt, zählt Cathleen Paech auf. Prostitution und die gesetzliche Lage sind auch Thema für die Behörden. Seitens verschiedener Ämter habe es Anfragen gegeben, die zum Beispiel die Lage im Land, Schulung von Mitarbeitern oder die Sensibilisierung zum Thema Sexarbeit betrafen. Regelmäßig kommen jetzt in der Beratungsstelle Vertreter von Behörden, Politik, Wirtschaft und aus der Sexarbeit an einen Tisch, um sich auszutauschen.

Was die Zukunft angeht, fehlt es den verantwortlichen Sozialarbeiterinnen nicht an neuen Ideen. Es sollen Angebote etabliert werden, um mehr „regelmäßige“ Besuche zu ermöglichen. Unter anderem soll es Sportangebote für Sexarbeiterinnen und interessierte Frauen geben – das heißt, jede Frau darf dabei mitmachen.