Altstadt l 23 Jahre lang hingen die 546 rot-silbernen Metallscheiben an der Fassade der früheren Oberfinanzdirektion an der Erzbergerstraße. Als Kunst am Bau waren sie 1995 vom Hallenser Künstler Ludwig Ehrler extra für den damaligen Neubau geschaffen worden. Dann stellte im Frühjahr 2018 ein Statiker fest, dass Gefahr im Verzug sei. Die Sorge: Beim nächsten Sturm könnte einer der Kunstspiegel einem Fußgänger auf den Kopf fallen. Bevor das hätte passieren können, handelte das Landesfinanzministerium als Miteigentümer des Gebäudes nach der Devise „Sicherheit vor Kunstgenuss“ und ließ kurzerhand alle Exemplare absägen. Seitdem sind sie eingelagert und dienen nur noch als Staubfänger.

Aus dem Ministerium kam allerdings schon kurz nach dem Entfernen der Kunstspiegel das Zeichen, dass sie durchaus an die Fassade zurückkehren sollen. Nur in welcher Form müsse erst geprüft werden, hieß es. Diese Prüfung ist nach Aussage von Ministeriumssprecher Wolfgang Borchert noch nicht beendet. Allerdings soll sich das demnächst ändern. „Eine technische Lösung für eine dauerhafte Wiedermontage der Kunstspiegel befindet sich in der Bearbeitung und soll möglichst zeitnah, noch in diesem Jahr, vorliegen“, erklärt er. Wie die aussehen soll, könne er jetzt allerdings noch nicht sagen.

Kosten im Millionenbereich

Außerdem sei vollkommen ungeklärt, wie teuer das Anbringen wird. Nach Volksstimme-Informationen gehen Schätzungen in den Millionenbereich. Angesichts der aktuellen Schwierigkeiten, überhaupt einen Landeshaushalt aufzustellen, erscheint eine solche außerplanmäßige Investition schwierig. Nicht ohne Grund sagt der Ministeriumssprecher dazu nur: „Eine Entscheidung hinsichtlich des Wiederanbringens der Kunstelemente ist gegenwärtig noch nicht möglich.“

Wenn es dennoch dazu kommen sollte, müssten die Kosten geteilt werden. Denn das Gebäude gehört zu gleichen Teilen dem Land sowie der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Diese unterstütze die Wiedermontage der Kunstspiegel, erklärt Borchert.

Die Demontage hatte für Kritik gesorgt. So hatte Prof. Dieter Hofmann, Rektor der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, erklärt, dass es „dadurch in der Landeshauptstadt im öffentlichen Raum kein Werk des ersten Trägers des Landeskunstpreises Sachsen-Anhalt mehr gibt“. Er hätte sich einen „angemesseneren Umgang mit dieser beeindruckenden Arbeit“ seines Vorgängers gewünscht, hatte er damals erklärt. Ludwig Ehrler hat die Demontage nicht mehr erlebt: Er ist bereits 2014 verstorben.