Altes Verkehrsleitbild

Radikale Vision für Verkehrsentlastung im Osten von Magdeburg

Zusätzliche Elbquerungen und eine Ringumfahrung auch für den Osten von Magdeburg. So imaginiert es ein Planungsfall aus dem Jahr 1993 für den Osten von Magdeburg. Für die künftige Verkehrsentwicklung könnte dies wieder relevant werden.

Von Konstantin Kraft
Zu den Stoßzeiten geht es entlang der Hauptverkehrsader durch Cracau und Prester mitunter nur stockend voran.
Zu den Stoßzeiten geht es entlang der Hauptverkehrsader durch Cracau und Prester mitunter nur stockend voran. Archivfoto: Konstantin Kraft

Magdeburg - Seit Veröffentlichung einer Verkehrsuntersuchung für die ostelbischen Gebiete von Magdeburg wird der Bau einer potenziellen Entlastungsstraße heiß diskutiert. Der Grund: Eine der dargestellten Varianten verspricht eine erhebliche Reduzierung der Verkehrsströme durch Cracau und Prester, die Volksstimme berichtete. Die Trassenführung ist noch vage gehalten: Grob gesagt würde die Ostumfahrung an der Luisenthaler Straße vor Prester abzweigen, die Wohngebiete umfahren und auf Höhe der Arenen in die Friedrich-Ebert-Straße einbiegen.

Politische Konsequenzen haben die Ergebnisse bisher noch nicht gezeitigt. Eine Mehrheit der ostelbischen Stadträte hatte sich jedoch auf Anfrage wohlwollend zu einer möglichen Entlastungsstraße geäußert. Die Stadt hatte sich zuletzt dagegen für einen Erhalt des Status quo und damit gegen den Bau einer Umgehung ausgesprochen. Bisher verkehrsarme Bereiche könnten stärker belastet werden. Als Kosten für den Bau der rund 4,2 Kilometer langen Trasse müssten, Stand jetzt, knapp 20 Millionen Euro eingeplant werden.

Um die ostelbischen Gebiete wirksam von Verkehr zu entlasten, waren in der Vergangenheit schon radikalere Visionen entworfen worden. Anwohner haben ein verkehrliches Leitbild der Stadt Magdeburg von 1993 ausgekramt.

Skizze aus dem verkehrlichen Leitbild der Stadt Magdeburg von 1993: Blau gestrichelt verläuft die mögliche Nord-Süd-Trasse durch Ostelbien.
Skizze aus dem verkehrlichen Leitbild der Stadt Magdeburg von 1993: Blau gestrichelt verläuft die mögliche Nord-Süd-Trasse durch Ostelbien.
Repro: Konstantin Kraft

In einem Planungsfall ist dort gleich mit zwei Elbquerungen spekuliert worden. Für die ostelbischen Wohngebiete stand eine komplette Umfahrung in Rede. Nicht nur deshalb scheint ein Blick in das ehemalige Verkehrsleitbild im Angesicht der aktuellen Debatten interessant. Zumal die Entwicklungen, die für den entsprechenden Planungsfall skizziert wurden, inzwischen tatsächlich eingetroffen sind.

Elbquerungen und eine neue Trasse

Konkret: Planfall „P 1 B“ im Verkehrsleitbild aus den frühen 1990er Jahren geht von einer „konzentrierten Innenentwicklung aus, die darüber hinaus Entwicklungspotenziale östlich der Elbe einbezieht“. Zu nennen wäre hier etwa der Bau der Heimspielstätten von FCM und SCM, die regelmäßig Tausende Besucher in die Stadtteile östlich der Elbe locken. Hinzu kommen die zahlreichen neuen Wohngebiete etwa im Bereich Klusdamm, Zipkeleben oder Berliner Chaussee, die in den vergangenen Jahren entstanden sind.

Variante „P 1 B“ reagiert auf diese Entwicklung mit der Vision für eine „Nord-Süd-Verbindung durch kompletten Straßenneubau zwischen dem August-Bebel-Damm im Bereich der Pettenkofer Brücke im Norden und der Ottersleber Chaussee in Salbke im Süden, die auf der östlichen Elbseite verläuft“. Die Verbindung würde durch eine „neue, dritte Elbquerung nördlich der Bahnbrücke“ mit Anbindung an die Breitscheidstraße sowie eine „zusätzliche südliche Elbquerung im Bereich Salbke“ geschaffen. Faktisch hätte dadurch die Möglichkeit einer geschlossenen Ringstraße um die Innenstadt und die Wohngebiete im Osten der Stadt bestanden. Eine Gefahr wird aber ebenso definiert: Die Entlastung der ostelbischen Gebiete von nicht-stadtteilbezogenem Verkehr könnte mit einer Zusatzbelastung der Natur- und Erholungsräume östlich der Elbe einhergehen, heißt es.

Verkehrsentwicklung 2030plus für Magdeburg

Die Volksstimme fragte in der Stadtverwaltung nach, ob das verkehrliche Leitbild aus dem Jahr 1993 samt zusätzlicher Elbquerung und Umfahrungstrasse für Ostelbien in der aktuellen Verkehrsplanung noch eine Rolle spiele. Jörg Rehbaum, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, lässt dazu wissen, dass das Thema „Planungsaspekte der langfristigen strategischen Stadtentwicklung wie auch Verkehrsentwicklungsplanung der Landeshauptstadt Magdeburg berührt“. Spätestens bis zum Jahresende soll im Stadtrat ein Baustein für einen neuen Verkehrsentwicklungsplan „2030plus“ für die Stadt Magdeburg verabschiedet werden. Weil diesbezüglich noch Abstimmungsbedarf besteht, sei eine inhaltliche Beantwortung der Anfrage noch nicht möglich. Ganz vom Tisch scheinen die alten Ideen also noch nicht zu sein.

Die Varianten für eine Entlastungsstraße aus der aktuellen Verkehrsuntersuchung für die ostelbischen Gebiete von Magdeburg. Dunkelrot verläuft die Vorzugsvariante.
Die Varianten für eine Entlastungsstraße aus der aktuellen Verkehrsuntersuchung für die ostelbischen Gebiete von Magdeburg. Dunkelrot verläuft die Vorzugsvariante.
Grafik: Stadt Magdeburg