Magdeburg l Nach jahrelangen vergeblichen Bemühungen um den Wiederaufbau der nach dem Krieg zerstörten Magdeburger Ulrichskirche auf dem heutigen Ulrichplatz bleibt der Wiederaufbauverein weiter am Ball und versucht, zumindest Suchgrabungen am Platz durchzusetzen – mit Freilegung und anschließender Sichtbarmachung von unter der Erde angenommenen Fundamentresten.

 Im Magdeburger Stadtrat stellt sich im November 2020 eine vierköpfige Allianz aus Fraktionsvorsitzenden hinter die Idee. Jens Rösler (SPD), Wigbert Schwenke (CDU) und Madeleine Linke sowie Olaf Meister (Grünen-Doppelspitze) fordern in einem Antrag an den Stadtrat kommunale Unterstützung für das Vorhaben des Vereins.

Größe des Grabungsfeldes begrenzt

Das Ratsquartett verlangt, dem Kuratorium Ulrichskirche archäologische Suchgrabungen zu gestatten – unter vier Bedingungen:

▶ Finanzierung durch den Verein und wissenschaftliche Begleitung bei Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie,

▶ Grabungsfeld auf dem Ulrichplatz darf maximal 10 mal 20 Meter groß sein,

▶ nötige Absperrungen sind durch den Verein „optisch ansprechend zu gestalten“ und

▶ nach Abschluss der Grabungen sind der Stadt Varianten zur Gestaltung der Grünfläche, eventuell mit Sichtbarmachung oder Freilegung von Grabungsfunden, vorzulegen.

Der Stadtrat vertagte den interfraktionellen Antrag auf seiner Sitzung am 5. November 2020 zunächst ohne Aussprache zur weiteren Diskussion in die Fachausschüsse.

Hoffen auf Wiederaufbauchancen

Die Initiative für den Wiederaufbau der Kirche ist bereits mehr als ein Jahrzehnt alt. Angestoßen wurde sie 2007 von dem Arzt Dr. Tobias Koeppe. Sein Ziel: 30 Millionen Euro sammeln und die Kirche bis 2017 aufbauen. Die Kirche meldete keinen Bedarf an der Nutzung. Magdeburger diskutierten kontrovers und plädierten bei einem Bürgerentscheid 2011 klar gegen das Vorhaben. Das inzwischen gegründete Kuratorium Ulrichskirche verfolgt dennoch bis heute unbeirrt sein Ziel und hofft auf neue Wiederaufbauchancen in der Zukunft. Vorerst soll eine Freilegung der Fundamente die Erinnerung an die Kirche wachhalten.

Den Zweiten Weltkrieg hatte die Ulrichskirche als Ruine überstanden. Die SED-Parteiführung ordnete 1956 die Sprengung an.