Magdeburg l An der Haltestelle Spielhagenstraße sind am späten Donnerstagvormittag nur wenige Menschen unterwegs. Gemeinsam mit drei anderen Fahrgästen warte ich auf die nächste Bahn. Eine Seniorin kommt bereits mit Mundschutz auf die Wartefläche. Eine junge Frau setzt sich gerade eine Maske auf. Und auch ich versuche, meinen genähten Mundschutz, den ich in einem Laden in Stadtfeld gekauft habe, zu präparieren, damit ich gut geschützt in die Straßenbahn einsteigen kann, die ich in der Ferne schon von der Großen Diesdorfer Straße auf den Westring abbiegen sehe.

Ein bisschen komisch komme ich mir mit meiner Maske vor. Schon an der Haltestelle merke ich, dass das Tragen einer Maske nicht gerade angenehm ist. Als die Bahn an mir vorbeifährt, sehe ich, dass fast alle Menschen mit einem Mundschutz ausgestattet sind. Komisch muss sich hier wohl nur derjenige vorkommen, der ohne eine Maske unterwegs ist. Nur zwei Frauen sehe ich, die keinen Mundschutz tragen. Aber es stört sich offenbar niemand daran. Denn Hinweise an die beiden Frauen, dass im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen ein Mundschutz zu tragen ist, kommen von niemandem.

Fast alle mit Mundschutz

Schräg vor mir sitzen zwei Jugendliche. An der Haltestelle Liebknechtstraße gesellt sich ein dritter dazu. Er trägt keinen Mundschutz. „Willst du uns alle umbringen?“, fragt sein Freund scherzhaft. Doch da kramt der Jugendliche bereits in seinem Rucksack und holt aus einer kleinen Plastiktüte eine Maske hervor. Immer wieder steigen Fahrgäste ein und aus – kaum einer, der nicht mit einem selbstgemachten Mundschutz oder einer OP-Maske aus der Apotheke unterwegs ist.

Vorbei an Passanten geht die Fahrt. Auf der Halberstädter Straße stehen zwei Seniorinnen mit Einkaufstüten und unterhalten sich – auch sie tragen beide einen Mundschutz. Nur sehr wenige, zumeist junge Leute, sind ohne einen Mundschutz unterwegs.

"Ohne Maske dürfen Sie hier nicht rein“

Mir selbst wird unter meinem Mundschutz nun langsam ziemlich warm. Die feuchte ausgeatmete Luft staut sich ein wenig unter der Maske. An der Goldschmiedebrücke steige ich aus, um einen Abstecher ins Allee-Center zu wagen. Vor dem Eingang sind Menschen zu sehen, die sich die Maske zunächst unter das Kinn geschoben haben und sie beim Betreten der Mall aufsetzen. An den Eingängen werden sie an die Maskenpflicht erinnert. Einem Mann, der mir im Center ohne Mundschutz entgegenkommt, stelle ich mich als Volksstimme-Reporterin vor und frage ihn, warum er keinen Mundschutz trägt.

Während er eilig weiterläuft, kramt er in einem Beutel und holt eine Maske hervor. „Alles gut“, sagt er, „alles gut“, und setzt seinen Weg dann eilig fort. Bei Rewe auf der unteren Etage das gleiche Bild. Vom Allee-Center möchte ich nun weiter zu Kaufland an der Lübecker Straße. Die nächste Bahn kommt erst in acht Minuten. Ob ich wohl ohne Mundschutz in den dm-Markt am Alten Markt komme, frage ich mich. Im Eingangsbereich steht eine Mitarbeiterin, die Einkaufswagen desinfiziert. Auf den Schildern im Eingangsbereich finde ich keinen Hinweis auf die Maskenpflicht. Nach kurzem Zögern mache ich den Versuch – und werde direkt von der Mitarbeiterin abgefangen. „Ohne Maske dürfen Sie hier nicht rein“, sagt sie. Ich entschuldige mich und setze meine Maske wieder auf.

Mit der Linie 1 fahre ich dann in Richtung Neustadt. Bei Kaufland versuche ich das gleiche Spiel noch einmal. Zwar steht bereits im Eingangsbereich zum Gebäude ein Sicherheitsmann in gelber Weste – doch auf meinen fehlenden Mundschutz macht er mich nicht aufmerksam. Und auch am Zugang direkt in den Lebensmittelmarkt kann ich mich ohne Mundschutz frei bewegen, auch wenn dort eine Mitarbeiterin in ebenfalls neongelber Weste steht. „Machen Sie denn die Leute gar nicht auf die Mundschutzpflicht aufmerksam?“, frage ich sie, nachdem ich mich ihr vorgestellt habe. „Wir weisen sie darauf hin“, erklärt sie, „aber heute dürfen sie auch noch ohne Mundschutz in den Markt.“ Erst ab Freitag werde es Kontrollen geben.

Durchsage in der Straßenbahn

Von der Mittagstraße aus fahre ich zurück in die Innenstadt. Die Straßenbahn ist nun wesentlich voller als noch am späten Vormittag. Und mit der Anzahl der Fahrgäste steigt auch die Zahl derer, die ohne Mundschutz unterwegs sind. Eine Frau in Begleitung eines Mannes, der an Krücken läuft, ist wie ihr Mann ohne Mundschutz unterwegs. Aufmerksam mustert sie die anderen Fahrgäste. Dann brabbelt sie vor sich hin: „Ist doch eine Frechheit. Da sollen wir Masken tragen, und dann haben sie nicht mal welche. Muss ich erst mal in der Apotheke schauen, ob es welche gibt“, sagt sie zu sich selbst. Am Alten Markt steige ich für ein Foto noch einmal aus, ehe ich weiterfahre in Richtung Leiterstraße. „Liebe Fahrgäste, schützen Sie sich und andere“, tönt es kurz vor der Abfahrt der Bahn aus den Lautsprechern, „erledigen Sie nur die nötigsten Wege und bleiben Sie gesund.“ Eine Haltestelle später stehe ich wieder auf der Straße und bin froh, den Mundschutz wieder abnehmen zu können.

Das Atmen fällt etwas schwerer

Fazit: In den vergangenen Tagen war mir unwohl zumute beim Gedanken daran, eine Maske zu tragen. Doch umgeben von vielen anderen Menschen mit Mundschutz habe ich mich schnell daran gewöhnt. Und gerade für die kurzen Wege ist das Tragen eines Mundschutzes meiner Ansicht nach auch zumutbar, auch wenn das Atmen etwas schwerer fällt und ich unter der Maske auch ein wenig ins Schwitzen geriet. Respekt habe ich vor all jenen, die einen ganzen Arbeitstag lang einen Mundschutz tragen müssen. Auf dem kurzen Fußweg in die Redaktion genieße ich die frische milde Luft, die mir um die Nase weht. Erster Tag mit Mundschutz überstanden.