Magdeburg l Sechs Prozent mehr Lohn verlangen die Gewerkschaften in den aktuellen Verhandlungen für Angestellte des öffentlichen Dienstes. Am 27. Februar 2019 ruft die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) alle nicht verbeamteten Lehrkräfte der 80 Magdeburger Schulen, der Hochschule und der Otto-von-Guericke-Universität zum Streik auf.

Petra Richter, Geschäftsführerin der GEW-Landesgeschäftsstelle, rechnete am Dienstag mit allein 800 Teilnehmern aus Magdeburg und knapp 1000 weiteren aus Landkreisgemeinden und Städten im Umland. Gemeinsam wollen sie am Mittwoch ab 11 Uhr eine Kundgebung vor dem Finanzministerium am Editharing in Magdeburg abhalten.

Kein Unterricht, aber Betreuung

Auswirkungen wird der Streik an fast allen Magdeburger Schulen von der Grundstufe bis zum Gymnasium haben. Die Cracauer Grundschule „Am Elbdamm“ hält keinen Unterricht ab, auch die Grundschulen Leipziger Straße und Am Westring richten sich wenigstens in Teilen auf Betreuung statt Unterricht ein. „Es gibt Signale, dass sich angestellte Lehrer am Streik beteiligen werden, aber das genaue Ausmaß kann ich nicht beziffern“, sagt Stefanie Gregull, Leiterin der Grundschule Am Westring.

Von elf Lehrern sind hier fünf Beamte (kein Streikrecht) auf jeden Fall im Dienst. „Den streikenden Kollegen geht es aber nicht in erster Linie um Geld, sondern um Gerechtigkeit“, sagt Gregull. „Das Studium hat die selbe Länge wie das der Lehrer für andere Schulformen. Grundschullehrer leisten mehr Unterrichtsstunden pro Woche und die Elternarbeit ist in der Grundschule intensiver, nur bekommen Grundschullehrer weniger Geld.“

Wachsende Belastung für Lehrer

Der Frust und die Motivation zum Arbeitskampf sei in vielen Schulkollegien groß, sagt GEW-Frau Richter und verweist auf wachsende Belastung bei Unterbesetzung und dadurch hohe Krankenstände.

Neben den Grundschulen rechnen auch Gemeinschaftsschulen und Gymnasien mit einer eingeschränkten Unterrichtsversorgung. Ronald Konrad, Leiter der Oskar-Linke-Gemeinschaftsschule, konstatiert: „Die angestellten Lehrer haben ein Streikrecht und daran werden wir nicht rütteln.“ Nur etwa ein Viertel der Kollegen an seiner Schule sei verbeamtet. Wie viele der anderen Lehrer sich am Streik beteiligten, konnte Konrad am Dienstag noch nicht genau sagen.

Betreuung abgesichert

Ähnlich erging es Marga Kempa, stellvertretende Schulleiterin des Einsteingymnasiums. „Es gibt Signale, dass einige Kollegen sich am Streik beteiligen und wieder andere unterrichten wollen. Aber theoretisch können sich die Kollegen noch am Streiktag anders entscheiden.“ Von rund 60 Lehrern am Einsteingymnasium sind knapp die Hälfte verbeamtet, genug Personal also, um die Betreuung abzusichern.

Hochschule und Universität rechnen wegen der vorlesungsfreien Zeit nicht mit Einschränkungen im Lehrbetriebs.

Kinder dürfen zu Hause bleiben

Das Landesschulamt stellt Eltern von Schülern aus bestreikten Schulen die Entscheidung frei, ihre Kinder heute zu Hause zu lassen. „Obwohl allgemein Schulpflicht besteht, wird Kindern, die heute der Betreuung in bestreikten Schulen fern bleiben, kein Nachteil entstehen. Das ist eine Ausnahmesituation“, sagt Annett Persichilli vom Landesschulamt.