Magdeburg/Mammendorf l Ob ihm nicht die Knie gezittert hätten oder wenigstens ein bisschen die Hände, will die Reporterin von Michael Buchwitz wissen. Der promovierte Geologe und Paläontologe, stellvertretender Leiter des Magdeburger Naturkundemuseums, guckt etwas irritiert ob des laienhaften Verständnisses von Ausgrabungsarbeit.

Von emotionalen Ausbrüchen begleitet waren die Funde, die er und sein enger Kollege Frank Trostheide anno 2016 im unweiten Steinbruch Mammendorf machten, offenbar nicht. „Uns ist selber erst nach und nach so richtig klar geworden, was wir da gefunden haben“, so Buchwitz. Inzwischen ist für Buchwitz klar, dass es sich um Saurierspuren handelt – rund 260 Millionen Jahre alt, gestampft und gescharrt von Jung- und Elterntieren in den Tonschlamm, heute versteinerter Teil des Domfelsens.

Domfelsen ist 260 Millionen Jahre alt

Der Fels aus rotem Sandstein hat sich vor etwa 260 Millionen Jahren gebildet, liegt in Magdeburg frei und setzt sich unter Sand, Kies, Ton und Erde fort bis nach Mammendorf im Landkreis Börde, wo er – der Fels – im Steinbruch wieder auftaucht. Für Forscher auf der Suche nach sehr frühem Leben auf der Erde eine wahre Fundgrube, jedenfalls stand das zu vermuten.

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Seit 2016 ist Buchwitz deshalb mit Kollegen vor Ort und gräbt, immer ein paar Meter vor den Baggern vorneweg. Wenn die im Steinbruch ganze Arbeit geleistet haben, ist unwiederbringlich verloren, was sich am Millionen Jahre alten Gestein ablesen lässt.

Spurensuche dauert mehrere Jahre

Fürs Spurenlesen brauchen selbst Experten wie Buchwitz allerdings ein paar Jahre Zeit. Das erklärt die anfängliche Skepsis der paläontologischen „Schatzsucher“ und den Umstand, dass der Fund erst fast zwei Jahre nach seiner Entdeckung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Am Wochenende besuchen Urzeitforscher aus dem ganzen deutschsprachigen Raum Magdeburg zur Tagung der Paläontologischen Gesellschaft. Das Expertentreffen ist Anlass für die erstmalige öffentliche Präsentation der Funde im Foyer des Kulturhistorischen Museums an der Otto-von-Guericke-Straße.

Saurierspuren öffentlich zu sehen

Bis einschließlich zum Wochenende – eventuell auch noch eine Woche länger – sind die 260 Millionen Jahre alten Domfelsplatten mit den Saurierspuren für jeden Museumsbesucher zugänglich. Danach wandern sie zurück ins Depot bzw. in die Labore und Werkstätten zur weiteren Bearbeitung, Konservierung und Untersuchung.

Absolut amtlich und bestätigt ist der Fund erst nach einer zunächst internen Veröffentlichung, zu der andere Wissenschaftler ihre Expertise abgeben können. Buchwitz und seine Kollegen hoffen bis spätestens 2020 aufs offizielle Attest, dass es sich tatsächlich um Saurierspuren handelt.

Abdrücke vom Hundszahnsaurier

Bei ihren eigenen Forschungen sind die Magdeburger Experten aber schon zwei, drei Schritte weiter und wissen einigermaßen genau, um welche Art Getier es sich beim Spurenverursacher gehandelt haben muss. Der frühe Hundszahnsaurier namens Procynosuchus („Vor-Hund-Krokodil“) kommt dafür am ehesten in Frage.

Laut Buchwitz hat er vor 275 bis 230 Millionen Jahren immerhin 45 Millionen Jahre überdauert bis zu seinem Aussterben. Die Hochzeit der echten elefantenfüßigen Saurier setzte eben erst ein, als der Hundszahnsaurier nicht mehr Schritt halten konnte mit der Evolution. Immerhin gilt er als eine der frühesten säugetierähnlichen Arten auf Erden, also als Vorfahr aller späteren Säugetiere bis zur Gattung Mensch.

Spuren auch auf Domfelsen Magdeburg

„Spuren von ihm könnte man auch auf dem Domfelsen in Magdeburg finden“, sagt Museumsleiter Dr. Hans Pellmann. Da, wo sich obere Gesteinsschichten ablösen. Dass hier auch mal ein Saurier vorbeigekommen ist, gilt als sehr wahrscheinlich.