Magdeburg l Demütigungen, Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen, Gewaltandrohung, soziale Isolation oder ständige Kritik an der Arbeit – dies wird heutzutage unter dem Begriff Mobbing zusammengefasst. Auch vor den Klassen macht dieses Fehlverhalten nicht halt. Eine Mobbingkonferenz im November 2019 soll in Magdeburg als erster Schritt dienen, um strategisch gegen das Demütigen von Schülern durch Schüler vorzugehen.

Auftakt ohne Öffentlichkeit

Die Stadtverwaltung Magdeburg hat inzwischen ein Konzept für die nichtöffentliche Veranstaltung erstellt. Unter anderem sollen Vertreter verschiedener Magdeburger Schulformen über die Situation vor Ort berichten. Mit im Boot sind auch die Stadtverwaltung und das Land Sachsen-Anhalt, wo das Thema längst auf der Agenda steht. So ist Landeskriminalamt zur Konferenz eingeladen, über die aktuellen Entwicklungen zu berichten und darüber, inwiefern Mobbing an Schulen in den Kriminalstatistiken zu erkennen ist.

Das Landesschulamt ist gebeten worden, zu seinem Programm „Ganzheitliche Gewalt- und Suchtprävention“ zu berichten. Zudem wird die Magdeburger Kinderbeauftragte Katrin Thäger ihre Einschätzung vorstellen, und die Prävention an Schulen samt Sozialarbeit ist ebenfalls Thema für die Konferenz.

Berichte über Mobbing in Schulen

Hintergrund für die gesteigerten Aktivitäten: Im Frühjahr hatte es Berichte aus Magdeburger Schulen gegeben – seitdem war es ein wenig still geworden um das Thema. Doch damit zufrieden geben möchte sich die Magdeburger Stadtpolitik nicht. Vielmehr hatte die frühere Fraktion Die Linke/Future einen Antrag gestellt, mit dem die Zukunft der Schulsozial­arbeit an Schulen gesichert werden soll. Und auch in den Ausschüssen ist darüber diskutiert worden, was getan werden kann.

Von der Sensibilisierung von Lehrern und der verstärkten Einbindung der Schulsozialarbeit oder einer Stelle bei der Stadt, an die sich die Opfer von Mobbingangriffen wenden können, war in den Diskussionen bislang die Rede. Was letztendlich tatsächlich im Konzept gegen das Mobbing auftauchen soll, ist derzeit noch offen – das hängt auch von den Ergebnissen der Konferenz ab.

Opfer in den eigenen Reihen

Im Schulausschuss wurde übrigens auch diskutiert, inwiefern eine solche Konferenz öffentlich sein sollte. Immerhin handelt es sich um ein Thema, das öffentlicher Beachtung bedarf, bei dem Opfer Hilfsangebote kennen müssen, bei dem Täter wissen sollen, dass ihre Taten nicht unentdeckt bleiben. Letztendlich aber soll die Veranstaltung zunächst im geschlossenen Kreis über die Bühne gehen. Und dafür hat auch der Stadtschülersprecher Dustin Müller volles Verständnis. Auf Nachfrage der Magdeburger Volksstimme sagte er: „Die Öffentlichkeit kann sinnvoll sein, es kann dadurch aber auch zu einer primär medialen Konferenz werden.“ Und das dürfe auf keinen Fall passieren.

Der Stadtschülerrat hat selbst ehemalige Mobbingopfer in seinen Reihen. „Dadurch sind wir mit unserer Expertise auch sehr nah an den Anliegen“, so der Stadtschülersprecher. Allerdings könne der Stadtschülerrat im Akutfall kaum helfen. Diese Einzelfälle müssten innerhalb der Schule oder bei den zuständigen Behörden geregelt werden, so die Einschätzung des Stadtschülersprechers.