Magdeburg l Als ein „überragendes Ereignis“ hat Marc-Henrik Schmedt bis heute die Vorrundenspiele zur Handball-WM 2007 in Magdeburg in Erinnerung. Schon damals habe die Stadt als Ausrichter eine ausgezeichnete Figur gemacht – samt ausverkaufter Zuschauerränge. Entsprechend begeistert wäre der SCM-Geschäftsführer, wenn Magdeburg in vier Jahren erneut zu den Ausrichterstädten eines Handball-Groß- ereignisses gehören würde. „Das wäre natürlich absolut zu begrüßen und wir würden die Stadt als Ausrichter gerne unterstützen.“

Deutschland erstmals Austragungsort

Deutschland ist 2024 erstmals Austragungsort einer Männer-Handball-EM. Zu Wochenbeginn hat die Magistratsrunde beim Oberbürgermeister einen Grundsatzbeschluss zur Bewerbung als Ausrichterstadt getroffen. Abschließend entscheidet der Stadtrat erst zur ersten Sitzung im neuen Jahr (23. Januar 2020). Weil die Bewerbung als Spielort bereits bis 15. Januar 2020 beim Deutschen Handballbund (DHB) eingehen muss, will die Stadtverwaltung sie vorbehaltlich des erwartet positiven Ratsvotums einreichen.

Die Anregung dazu kam vom DHB selbst. Der Handballbund habe der Stadt bereits Ende Oktober die entsprechen Bewerbungsunterlagen per E-Mail zukommen lassen, erklärt die Verwaltung im Beschlusspapier für den Stadtrat den Werdegang. Dabei habe der DHB ausdrücklich betont, dass eine Bewerbung Magdeburgs möglich und erwünscht sei, auch wenn die Getec-Arena die Auflage an die Mindestkapazität in Sachen Zuschauer verfehlt.

Ausverkaufte Arena zur WM 2007

Bei Handballspielen haben in der Magdeburger Arena 6600 bis 6800 Zuschauer Platz. Die Vergabekriterien zur EM sehen 10.000 Plätze als Mindestmaß vor. Mit der SCM-Spielstätte darf Magdeburg nur auf Vorrundenspiele ohne deutsche Beteiligung hoffen. So war es allerdings auch zur WM 2007 – und dennoch ausverkauft. Die grün-rote Magdeburger Handball-Fangemeinde ist groß und fachkundig. Die europäischen Nationalmannschaften sind reichlich besetzt mit Spielern aus deutschen Bundesligamannschaften, so auch aus der Magdeburger. „Wir haben Spieler aus neun Nationen“, sagt Schmedt, mit Torhüter Jannick Green (Dänemark) zudem einen amtierenden Weltmeister. Heißt: Begegnungen mit guten Bekannten könnten Magdeburger Handballfans auch bei Vorrundenspielen ohne deutsche Beteiligung feiern.

Bekommt Magdeburg den Zuschlag, würde die Getec-Arena voraussichtlich vom 12. bis 17. Januar 2024 Austragungsort für mindestens sechs oder maximal zwölf EM-Vorrunden-Spiele werden.

Kosten, aber auch positive Effekte

Die Stadt kalkuliert für deren Ausrichtung mit Kosten zwischen 500.000 und 650.000 Euro, aber auch mit Fördermitteln aus der Landeskasse und von Lotto-Toto zu deren teilweiser Begleichung. Voraussichtlich 100.000 bis 250.000 Euro müsse die Stadt aus eigener Kasse bezahlen, heißt es im Ratsbeschlusspapier.

Im Gegenzug erwartet die Verwaltung positive Effekte fürs Stadtimage, Standortwerbung und positive wirtschaftliche Effekte durch die Anreise der Handball-Nationalmannschaften mit zahlreichen Begleitpersonen, von Delegierten der Europäischen Handball Föderation und des DHB, Medienvertretern aus ganz Europa und natürlich jeder Menge Handballfans. Der DHB will die Spielorte zur EM 2024 in Deutschland bereits im kommenden Mai offiziell bekanntgeben. Im Falle eines Zuschlags dürfte Magdeburg voraussichtlich auch Spiele zur U-21-Handball-WM ausrichten. Sie soll im Sommer 2023 – sozusagen als Generalprobe für die EM ein halbes Jahr später – in Deutschland über die Bühne gehen.