Magdeburg l  Im Rahmen des Forschungsprojekts „Magdeburger Spuren" ist ein unbekannter Brief entdeckt worden, den Otto von Guericke als Student im Jahr 1625 verfasst hat. Es ist das älteste originale Zeugnis des bekanntesten Sohnes der Stadt Magdeburg. Gefunden wurde der Brief in Magdeburgs Partnerstadt Braunschweig.

Jahrhundertelang lag der unscheinbare Brief unbeachtet in einer Akte des Braunschweiger Stadtarchivs. Verfasst hat ihn der junge Otto von Guericke. Am 25. Juni 1625 bat er die Ratsherren in Braunschweig, ihm ein Stipendium aus dem Erbe seines Großvaters auszuzahlen. Ihm ging es wie Studenten von heute: Das Geld brauchte er dringend, schrieb Guericke, um Bücher zu kaufen und sein Studium zu finanzieren.

Der Magdeburger Archivleiter Dr. Christoph Volkmar freut sich: „Als ich mit der Suche in Braunschweig begann, habe ich nicht damit gerechnet, so schnell auf einen wirklich bedeutenden Fund zu stoßen. Mich fasziniert, dass uns der Brief Otto sehr persönlich nahebringt: Als Student mit Geldsorgen – was die einen oder anderen nachvollziehen können, die heute an der Universität studieren, die seinen Namen trägt. Für unser Projekt macht mich das sehr zuversichtlich. Wir haben erst begonnen, aber wir sind auf der richtigen Spur."

Das alte Ratsarchiv von Magdeburg ging bei der Eroberung 1631 vollständig verloren. 1945 wurden weitere Dokumente zerstört. Mit dem Projekt „Magdeburger Spuren. Virtuelle Rekonstruktion des verlorenen Stadtarchivs" geht das Stadtarchiv jetzt systematisch gegen den Verlust des historischen Gedächtnisses vor: Aus den Archiven Europas sollen Spuren Magdeburger Geschichte zusammengetragen werden. Die Projektergebnisse werden ab Mitte 2019 auf einer Webseite veröffentlicht.