Magdeburg l Kostenfreier Schwimmunterricht für Kita-Kinder ist das Ziel einer Initiative des Magdeburger AfD-Stadtrates Ronny Kumpf. Ein Novum: Kumpf setzte seine Idee gegen den Ratsbann der anderen Fraktionen – keine Zusammenarbeit mit der AfD – durch. Ein Pilotprojekt startet 2021.

Am Ende verhalfen Stimmen von CDU/FDP und der beiden Kleinfraktionen Gartenpartei/Tierschutzallianz und Tierschutzpartei/Bund für Magdeburg der AfD am Montag, 12. Oktober 2020, zur Mehrheit für Kumpfs Idee zum Kita-Schwimmen. Mitentscheidend war das Abstimmungsverhalten der SPD: Enthaltung. Grüne/future! und Linke blieben auch zur Sache beim Grundsatz: AfD-Anträge werden abgelehnt; keine Zusammenarbeit.

Argumente aus dem Gebühren-TV

Zuvor hatte sich Kumpf energisch und glaubhaft vom Missstand wachsender Nichtschwimmerzahlen in Magdeburg und ganz Deutschland aufgerüttelt für seine Idee ins Zeug gelegt. Zum Beleg für die Krise ließ er sogar den Ausschnitt eines Beitrages aus dem seinen Reihen sonst so verhassten gebührenfinanzierten Fernsehen an die Ratswand werfen: aus einem Mdr-Bericht zum Anstieg tödlicher Badeunfälle in der Region und parallel zu wachsenden Nichtschwimmerzahlen unter Schülern auch nach dem obligatorischen Schwimmunterricht in Klasse drei. Fast die Hälfte der Kinder schwimmt auch danach noch nicht sicher.

Sieben Kitas sind Vorreiter

Das Problem ist seit Jahren bekannt und war schon Inhalt anderer Ratsinitiativen, zum Beispiel der früheren Fraktion Links für Magdeburg. Kumpf hat sich monatelang mit dem Thema befasst, Beteiligte gehört, Kosten ermittelt und Anregungen aus Ausschüssen in seinen Antrag eingearbeitet. „Sieben Kitas machen bereits so ein Angebot, aber die Mehrheit (von 135) nicht“, so Kumpf. Er selbst habe seine beiden Kinder privat in Kurse gebracht, wisse aber um organisatorische oder finanzielle Probleme anderer Familien.

Zuspruch aus unerwarteter Richtung

Als Erster sprang Christian Hausmann (SPD) dem AfD-Mann bei: „Das können wir nicht ablehnen. Wir sollten die Sache in den Vordergrund stellen.“ CDU/FDP-Fraktionschef Wigbert Schwenke erachtete den Antrag dagegen als „so nicht zustimmungsfähig“, unter anderem weil es an Hallenkapazitäten mangele. Als ein „wirklich gutes Anliegen“, bezeichnete die neue Kultur- und Schulbeigeordnete Regina-Dolores Stieler-Hinz (Grüne) die Initiative. „Es steht einer Elbestadt nicht gut zu Gesicht, dass die Hälfte der Kinder nicht schwimmen kann.“ Allerdings sehe auch sie das Problem mangelnder Hallenzeiten. „Wir sind dicht bis obenhin.“ Stieler-Hinz regt eine Generalaussprache zur Sache an.

Grundschullehrerin bestätigt Dilemma

Carola Schumann (FDP), Grundschullehrerin, bestätigte das Dilemma: „Viele Kinder in Klasse drei haben noch Angst vor dem Wasser. Sie weinen vor dem Schwimmunterricht.“ Die Wassergewöhnung schon im Kita-Alter sei der richtige Weg. Schumanns Fraktionskollege Stephan Papenbreer sprach für die Nutzung von Hotelpools für das Kita-Schwimmen, wenn der Platz dafür in öffentlichen Hallen nicht ausreiche.

Schließlich stimmte die eingangs beschriebene Ratsmehrheit für den Versuch. Rund 60 Kinder aus sechs Magdeburger Kitas sollen im Pilotprojekt 2021 kostenlos Schwimmunterricht erhalten; dann wird ausgewertet.

Später setzte außerdem die Linke einen Antrag durch, der die Verwaltung beauftragt zu prüfen, wie der durch die Corona-Krise ausgefallene Schwimmunterricht der Drittklässler nachgeholt werden kann. Ein Antrag von CDU/FDP auf Neubau einer Schwimmhalle in Ostelbien wurde zur Debatte in die Fachausschüsse verwiesen.