Magdeburg l Der Linke Oliver Müller gibt zu Protokoll, dass ihm „der Hals schwillt“, wenn er nur den Titel des Beschlusspapiers lese. Falko Grube (SPD) sagt: „Da kriege ich Puls!“ und meint in Sachen Gemütsverfassung wohl ungefähr das Gleiche. Und selbst der Ottersleber Wigbert Schwenke, der eine Straßenbahnanbindung seiner Ortslage seit langem ersehnt, räumt ein, dass es so ja nun nicht ginge. „Über die Haltestelle Kroatenweg und den barrierefreien Ausbau reden wir schon viele Jahre. Das muss sofort geschehen.“

Der Hintergrund des Donnerwetters: Die Verwaltung hatte ein zur jüngsten Sitzung des Magdeburger Stadtrats vorgelegtes Beschlusspapier mit folgendem Titel versehen: „Machbarkeitsstudie zur Thematik Streckenverlängerung der Straßenbahn nach Ottersleben sowie zum barrierefreien Ausbau der Haltestelle Kroatenweg“. Ersteres geht der Rat mit, zu Letzterem platzte ihm der Kragen. Ausgerechnet die Haltestelle Krotenweg steht aus erfindlichen Gründen im Zentrum von Bemühungen, auch Rollstuhlfahrern, Gehbehinderten und Eltern mit Kinderwagen ungehinderten Aus- und Zustieg zur Bahn zu verschaffen. Vor Ort hat das reihenweise von solcher Klientel angefahrene Sozialdezernat seinen Sitz. Der letzte barrierefreie Ausstieg auf dem Weg dorthin liegt am Westring – ein weiter Weg zu Fuß oder im Rollstuhl.

Verwaltung gelobt Beschleunigung

„Wir wollen, dass der hier schon lange geplante Ausbau unverzüglich umgesetzt wird. Die Unverzüglichkeit steht vor tausendfacher Prüfung“, rief Christian Hausmann (SPD) zum Abschluss des kommunalpolitischen Großfeuers auf den Baudezernenten Dieter Scheidemann (parteilos) aus. Ein entsprechender SPD-Änderungsantrag bekam anschließend große Zustimmung. Nur die AfD votierte dagegen.

Bereits vor der Abstimmung hatte der Baubeigeordnete – Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) an seiner Seite – zu beschwichtigen versucht. Es ginge im besagten Beschlusspapier um zwei geteilte Aufträge. Der barrierefreie Ausbau des Haltepunktes Kroatenweg sei in provisorischer Variante vorzuziehen. „Sobald die Planung da ist, kann ich auch Zeiten nennen“, so Scheidemann. Trümper bekräftigte den Plan und gelobte: „Wir wollen zeitnah eine behindertengerechte Haltestelle am Krotenweg einrichten und nicht erst 2037.“ Vorher wird wohl keine Bahn bis Ottersleben rollen.

Klarer Auftrag an die Stadt

Einer Ratsmehrheit reicht nach jahrelanger Debatte der Begriff „zeitnah“ aber nicht mehr zur Beruhigung. Hausmanns Wort von der Unverzüglichkeit machte so als Forderung noch mehrfach die Runde und ist nun – qua Beschluss – der gültige Auftrag an die Verwaltung.