Märktekonzept

Stadtrat debattiert über die Rolle der Magdeburger Einkaufszentren

Die Bedeutung von Florapark und Börde Park spielte im Stadtrat eine Rolle. Im Magdeburger Märktekonzept würden sie nicht genügend wertgeschätzt, so der Vorwurf einiger Fraktionen.

Von Stefan Harter
Über die Bedeutung von Florapark (Bild) und Börde Park wurde im Magdeburger Stadtrat diskutiert.
Über die Bedeutung von Florapark (Bild) und Börde Park wurde im Magdeburger Stadtrat diskutiert. Foto: Uli Lücke

Magdeburg

Am Ende machte ein einziges Wort den Unterschied aus, dass das 142 Seiten starke Magdeburger Märktekonzept in seiner aktualisierten Version verabschiedet werden konnte. Vorausgegangen war eine teils stürmische Debatte, in deren Mittelpunkt die beiden großen Magdeburger Einkaufsparks standen.

„Trotz dieser planerischen Funktion ist darauf hinzuweisen, dass die Einkaufszentren in ihrer Standortwertigkeit der Magdeburger Innenstadt deutlich nachgeordnet sind.“ An diesem Satz, der sich auf den Florapark im Norden und den Bördepark im Süden der Stadt bezieht, stieß sich die Linke-Fraktion und wollte ihn komplett aus dem Konzept streichen.

Mit dem Papier lenkt die Stadtverwaltung seit 2007 die Ansiedlung neuer Märkte im Stadtgebiet. Bestehende Einkaufszentren in den Stadtteilen und vor allem die Innenstadt sollen so vor zu viel Konkurrenz geschützt werden.

Wertschätzung wird vermisst

Dass nun aber die beiden Einkaufsparks „auf der grünen Wiese“ gegenüber der Innenstadt derart herabgesetzt werden sollen, sei kritikwürdig, erklärte Chris Scheunchen als Einbringer des Änderungsantrags. „Es fehlt an Balance und Wertschätzung der Funktion der Zentren“, sagte er. Bei der Streichung des Satzes gehe es um ein Signal für die beiden Einrichtungen. Der Elbepark, der Kaufkraft aus der Stadt abzieht, tauche im Konzept gar nicht auf, kritisierte er, ebenso wie die FDP-Fraktion. Carola Schumann unterstützte daher das Ansinnen der Linken. Ihre Partei sei schon lange gegen das Konzept gewesen.

Dagegen argumentierte Falko Grube (SPD). Er bezeichnete es als „absurd“, die Zentren als gleichwertig zur Innenstadt zu sehen. „Sie würden heute gar nicht mehr gebaut werden“, stellte er fest und bezeichnete später die Unterstützer solch einer Gleichstellung gleich als „Totengräber der Innenstadt“.

Der neue Baubeigeordnete Jörg Rehbaum versicherte in seiner ersten Ratssitzung, dass es nicht darum gehe, die Parks völlig herabzustufen. „Wir stellen sie gar nicht zur Disposition. Wir sind aber klar dafür, dass die Formulierung bleibt“, sagte er.

Stadtteile nicht vernachlässigen

Roland Zander, Gartenpartei, erklärte: „Es kann nicht sein, dass wir alles in der Innenstadt stärken und in den Stadtteilen die Geschäfte vernachlässigen.“ Seiner Ansicht nach benötige man ohnehin kein Konzept, da immer wieder Ausnahmen davon gemacht werden.

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) erinnerte an die Steuerungsfunktion, die die Stadt habe. „Was von besonderer Bedeutung ist, ist die Innenstadt. Ich sage nicht, dass die Parks nicht dort sein dürfen. Sie treten aber hinter den Interessen der Innenstadt ein Stück zurück“, sagte er.

Konzept gilt bis 2030

Frank Schuster (CDU) erinnerte an die bis zu 1400 Arbeitsplätze, die an den beiden Zentren hängen. Der Änderungsbeschluss wäre „ein sehr deutliches Statement“ für den Erhalt beider Standorte.

René Hempel (Linke) nannte das Märktekonzept „eine Schutzmaßnahme für die Investoren des Allee-Centers und City Carrés“. Die Streichung des Satzes wäre eine „Wertschätzung für die, die in den beiden Einkaufszentren arbeiten“.

Urs Liebau (Grüne) brachte schließlich den Kompromiss-Vorschlag ein, dass lediglich das Wort „deutlich“ aus dem umstrittenen Satz gestrichen werden soll.

Das fand schließlich eine Mehrheit in den Reihen der Stadträte, so dass die so geänderte Drucksache schließlich auch mehrheitlich beschlossen werden konnte. Das aktualisierte Märktekonzept gilt nun vorerst bis 2030.