Magdeburg l Für die Gesamtheit der Schüler kurze Schulwege, qualitativ zumutbare Wege zur Schule und Klassen mit möglichst nicht mehr als 22 Kindern – das sind einige der Wünsche, die die Magdeburger Stadtverwaltung Jahr für Jahr erfüllen soll, wenn es um die Bildung der ersten Klassen in den Grundschulen geht. Verabschiedet hat man sich vor Jahren von den klassischen Schulbezirken mit festen Grenzen.

Mit den Daten aus dem Amt für Statistik wird vielmehr immer wieder versucht, die Schulbezirke zu optimieren. Jedes Mal muss der Stadtrat den Vorschlag absegnen – und immer wieder gibt es um die einzelnen Grenzen, zum Teil auch um den grundsätzlichen Sinn von Schulbezirken, Diskussionen.

Stadtrat hat im Februar das Wort

Diese gingen in der Januar­sitzung des Ausschusses für Bildung, Schule und Sport so weit, dass der Vorschlag für die Schulbezirke, nach denen Kinder im Jahr 2022/23 eingeschult werden sollen, abgelehnt wurde. Wenngleich mit drei Ja- und drei Neinstimmen bei einer Enthaltung äußerst knapp – dennoch empfiehlt der Ausschuss offiziell dem Stadtrat zu dessen Februarsitzung, die Drucksache der Stadt abzulehnen. Zuvor gibt am 28. Januar 2021 der Jugendhilfeausschuss noch sein Votum ab.

Vorangegangen war eine Debatte darum, ob durch die Verschiebung der Grenzen von Grundschulbezirken der Wunsch von Familien missachtet werde. Als Beispiel war die Zuordnung von Kindern aus dem westlichen Stadtfeld zu Schulen in anderen Stadtteilen thematisiert worden. Dabei war Grünen-Stadtrat Jürgen Canehl – wie er später selbst einräumte – von der fälschlichen Annahme ausgegangen, das vor Jahren im Zuge der Anpassung der Schulbezirke gegen den Willen von Eltern Bereiche in Stadtfeld-West der Grundschule Am Grenzweg zugeschlagen worden waren.

Widerstand zu Einzelfällen

Für das Schuljahr zuvor hatte unter anderem die Idee, andere Kinder aus Stadtfeld dank einer guten Erreichbarkeit mit der Straßenbahn in Sudenburg zur Schule gehen zu lassen, für Widerstand im Stadtrat gesorgt. Und auch der Vorschlag aus der Verwaltung, Kinder vom nördlichen Werder zur Moldenstraße in die Schule zu schicken, hatte ein Murren unter ehrenamtlichen Kommunalpolitikern zur Folge.

Dass die Stadtverwaltung auf der Suche nach den besten Lösungen immer einmal wieder mit gewissen Traditionen bricht, zeigt auch der Entwurf für das Schuljahr 2022/23.

Beispiele für Grenzverschiebungen

So können ab diesem Schuljahr neben den Lemsdorfern erstmals auch Kinder aus Sudenburg in Ottersleben eingeschult werden. An der dortigen Grundschule laufen derzeit die Vorbereitungen zum Bau eines zusätzlichen Gebäudes. Ohne diese Lösung hätten Mädchen und Jungen aus den beiden benachbarten Stadtteilen in Reform oder im Bereich der Leipziger Straße eingeschult werden müssen.

Im laufenden Schuljahr hatte die Grundschule Hegelstraße noch einen ungewohnten Einzugsbereich für die Erstklässler. Jetzt soll aber wieder so etwas wie Normalität einkehren. Dank des Umzugs der Leibniz-Gemeinschaftsschule in den Stadtteil Neustädter See ist mehr Platz. Geplant sind jetzt vier Eingangsklassen für den Schulstandort zwischen Hegel- und Leibnizstraße.

Alte Grenze gilt nicht mehr

Gebrochen wird mit der Tradition, dass die Leipziger Chaussee eine Grenze für die Grundschulbezirke ist. Da nämlich an der Grundschule Lindenhof Restkapazitäten bestünden, zählen jetzt auch Bereiche jenseits der Leipziger Chaussee zum Einzugsbereich.

Treu bleibt sich die Grundschule Schmeilstraße: Sie liegt erneut außerhalb ihres eigentlichen Grundschulbezirks. Dieser umfasst die Beimssiedlung. Für die Kinder, die direkt im Umfeld der Grundschule Schmeilstraße wohnen, sind die Schulwege dennoch akzeptabel, so die Einschätzung der Stadtverwaltung.

Ob diese und weitere Punkte umgesetzt werden, hängt nun aber auch vom Stadtrat ab.