Magdeburg l Die Stadtratswahl vom 26. Mai 2019 in Magdeburg ist noch nicht ganz Geschichte, aber das Ergebnis inzwischen amtlich. Eine wegen vertauschter Stimmzettel auf ein bis zwei Wahllokale in Nord begrenzte Nachwahl im Herbst 2019 wird das Ergebnis stadtweit marginal beeinflussen. Zeit, für einen Blick auf bemerkenswerte Details. 

Stadtweit hat am 26. Mai 2019 die CDU mit 18,6 Prozent der Stimmen das Rennen gemacht, relativ dicht gefolgt von SPD (16,9), Grünen (15,4), Linke (15,3) und AfD (14,4). Mit einem fast zehnprozentigen Stimmenzuwachs gegenüber der Vorläuferwahl von 2014 darf sich die AfD mit Abstand als Sieger in Sachen Zuwachs betrachten, gefolgt von den Grünen mit knapp fünf Prozent Zugewinn. SPD, Linke und CDU brechen jeweils um 8,5, knapp 7 und 6,6 Prozent ein. Im Ergebnis sitzen ab Juli fünf fast gleichstarke Mittelgroßfraktionen mit acht (AfD), neun (SPD, Grüne und Linke) und zehn (CDU) Mandatsträgern im neuen Magdeburger Stadtrat. So weit der Überblick.

Allerdings fällt das Ergebnis nach Stadtteilen sehr verschieden aus. Der Stadtplan der Wahlsieger zeigt farblich abgesetzt, welche der fünf erstplatzierten Parteien in welchem der insgesamt 159 Magdeburger Wahlbezirke die Nase vorn hatte. Überraschend: Mit 41,8 Prozent im ostelbisch-dörflichen Stadtrandbezirk Calenberge fahren die ansonsten stark gerupften Sozialdemokraten das stadtweit beste Bezirksergebnis überhaupt ein. Die politischen Magdeburger Hochburgen und Täler im Einzelnen.

Die CDU
Im Westen, aber auch ganz im Osten verzeichnet die CDU ihre Spitzenergebnisse. Herausragend schneiden die Christdemokraten und allen voran ihr Lokalmatador Wigbert Schwenke in Ottersleben ab. Mit 36,6 Prozent der Stimmen liegt ihr Ergebnis hier fast 20 Prozent über Stadtschnitt. Mit allein 6290 Stimmen vereint Wigbert Schwenke als Spitzenkandidat im Wahlbereich so viele Stimmen auf sich, wie kein anderer der 457 Bewerber in ganz Magdeburg. Das CDU-Tal markiert ein Wahllokal am Stadtfelder Westring – 7,9 Prozent.

Die SPD
In Stadtmitte, ein paar Stadtfeld-Zipfelchen, in Cracau, Lemsdorf, Beyendorf und – eben – Randau-Calenberge kann die SPD sich an bessere Zeiten erinnert fühlen und sackt 30er Prozentwerte bis zur 41,8-Prozent-Spitze in Calenberge ein. Im konservativ dominierten Ottersleben kommt die Partei dagegen nur auf 8,4 Prozent – der rote Tiefpunkt.

Die Grünen
Zwischen 4,4 (Kannenstieg) und 34,7 Prozent (Altstadt/Hegelgymnasium) bewegen sich die Sympathien der Magdeburger Wähler für die Grünen. Fakt ist: auch außerhalb der klassisch-grünen Hochburg Stadtfeld Ost kann die Partei mit Wahlbezirkssiegen punkten – zum Beispiel in Buckau, auf dem Werder, in der Alten Neustadt und im Herrenkrug. Grün hat sich ganz klar ausgeweitet auf dem Wahlsieger-Stadtplan.

Die Linke
Wahlsiege für die Linkspartei sind rar geworden, wie das mager versprengte Magenta-Lila auf der Karte zeigt. Mit 24,3 Prozent als Spitzenwert muss sich die Linke in einem Wahlbezirk am Neustädter See begnügen, dazu reicht es nur in ein paar Schnipseln im Neustädter Feld, in Sudenburg, Brückfeld, Reform und an der Leipziger Straße zum Bezirksmeister.

Stadtplan der Magdeburger Wahlsieger

Die AfD
Das Blau der Alternative zeichnet klar umgrenzt zwei markante Stadtgebiete als AfD-Hochburgen in Magdeburg ab – eines ganz im Norden und der ganze, entwicklungsmäßig abgehängte Südosten aus den Stadtteilen Fermersleben, Salbke und Westerhüsen, in denen die Partei nahtlos Wahllokal-Siege aufs Parkett legt. 30 Prozent der Wählerstimmen markieren den stadtweiten AfD-Spitzenwert im Wahllokal in der Grundschule Rothensee. Am Grünen-Hotspot im Hegelgymnasium kommt die Alternative nur auf 5,6 Prozent.

Die FDP
Stadtweit 5,4 Prozent verhelfen den Liberalen immerhin wieder zum fraktionsstarken Einzug in den Rat mit drei Mandaten. Der Wahlsieg gelingt der FDP, wie auch allen anderen kleineren Wahlkämpfer-Fronten in keinem einzigen Magdeburger Wahllokal. In Ottersleben legen die Liberalen einen Achtungserfolg mit 14,3 Prozent hin.

Die Kleinen
Achtbare 4,2 Prozent – genau 12 698 Stimmen – verbucht die Gartenpartei auf ihrem Konto, ein Plus von etwa zwei Prozent. Etwa in gleichem Maß legten future! (insgesamt 2,9 Prozent) und Tierschutzpartei (3,3) zu. Allesamt verbuchen je zwei Sitze im neuen Rat; Bund für Magdeburg und Tierschutzallianz kommen immerhin noch auf einen Sitz. Die Partei floppt. Auf echte Hochburgen kann keine der kleinen Parteien verweisen, aber in der Summe reichts für ein letztlich achtköpfiges, und damit alles andere als gänzlich einflussloses Lager aus zwei Einzelkämpfern oder drei Duos.

Das Fazit
Magdeburg tickt alles andere als gleich. Die stark unterschiedlichen Wahlergebnisse in den Stadtvierteln belegen eine bunte politische Mischung einerseits, aber auch eine gefährliche Entmischung von Milieus. Vor allem der Norden Magdeburgs und der Südosten haben am Wahlsonntag deutliche Warnsignale der Unzufriedenheit ausgesandt.