Freilichtmuseum

Steinzeitdorf Randau am Elberadweg in Magdeburg startet in die neue Saison

Von Konstantin Kraft
Auf zwei Hektar stehen im Steinzeitdorf Randau rekonstruierte Gebäude aus der Jungsteinzeit. Grundlage sind Ausgrabungen aus der Umgebung. Das Gelände wird regelmäßig auch für historische Nachspielungen bis in die Zeit der Wikinger genutzt.
Auf zwei Hektar stehen im Steinzeitdorf Randau rekonstruierte Gebäude aus der Jungsteinzeit. Grundlage sind Ausgrabungen aus der Umgebung. Das Gelände wird regelmäßig auch für historische Nachspielungen bis in die Zeit der Wikinger genutzt. Foto: ST-Photographie by S. Steinicke-Thiel

Magdeburg

Bangen Blickes schauen die Verantwortlichen im Steinzeitdorf Randau auf die täglichen Aktualisierungen zur Corona-Inzidenz. Am Sonntag will das Freilichtmuseum um 14 Uhr mit einer Führung in die Sommersaison starten. Doch dafür muss der Inzidenz-Wert in Magdeburg unter 100 bleiben, so dass die derzeit noch gültigen Einschränkungen für Museen im Rahmen der Bundes-Notbremse gelockert werden können.

Das wohl älteste Haus in Sachsen-Anhalt

Dr. Hans-Christian Solka leitet das umweltpädagogische Angebot im zwei Hektar großen Steinzeitdorf. Bei der Betreuung der Öffnungszeiten ist er quasi auf sich alleine gestellt. Zurzeit sei noch unklar, ob in diesem Jahr AQB-Kräfte zur Unterstützung für das Museum zur Verfügung stehen. „Einer muss da sein“, sagt er. Und: „Ich habe mich so eingerichtet, dass ich hier voll bis Oktober durchziehen kann.“

Die Corona-Pandemie hat dem Museum ohnehin schon schwer zugesetzt. Im vergangenen Jahr kamen deutlich weniger Besucher. Die größeren Feste auf dem Gelände, die als Einnahmequelle dienten, mussten zuletzt ebenfalls ausfallen. Solka spricht von „enormen Einbrüchen“. Die Kassen im Förderverein Randau e. V., der das Steinzeitdorf trägt, sind entsprechend klamm. So werde es künftig schwerer, den Eigenanteil für notwendige Fördermittel aufzubringen. „Wir brauchen ganz dringend neue Sponsoren.“

Die sozialverträglichen Eintrittspreise reichten derweil gerade so aus, um die laufenden Kosten der Anlage zu decken. Mehr und mehr sei das Steinzeitdorf deshalb auf die Spendenbereitschaft der Besucher angewiesen. Dennoch lassen sich die Akteure nicht unterkriegen. Das Freilichtmuseum ist für die Sommersaison hergerichtet worden. Am Linienbandkeramik-Haus, dem wohl „ältesten Haus in Sachsen-Anhalt“, gab es wichtige Renovierungen. Wenngleich hier noch letzte Lehmputzarbeiten ausstünden. Für Ende Mai sei ein weiterer Arbeitseinsatz avisiert.

Steinzeitliche Erklärung für Corona-Pandemie

Für die geplante Museumsführung am Sonntag, an der bis zu 20 Personen teilnehmen können, wird um eine vorherige Anmeldung per Telefon oder E-Mail gebeten. Gleiches gelte für einen Besuch zu den regulären Öffnungszeiten. Sollten sich mehr Interessierte für die Führung melden, würden weitere Termine angeboten. Auf dem weitläufigen Gelände sollte das Einhalten der nötigen Abstände kein Problem darstellen. Am Elberadweg gelegen, lasse sich der Museumsbesuch mit einer Exkursion ins Grüne verbinden, so der 65-Jährige. „Wir wollen hier speziell den Kindern etwas über die Steinzeit rüberbringen.“

„Ich mache hier eine Zeitreise“, wirbt Dr. Hans-Christian Solka für eine Tour durch das Steinzeitdorf. In lockerer Art und Weise vermittelt er die kulturellen Besonderheiten der mehr als 3000 Jahre dauernden Jungsteinzeit. Dabei zieht er Parallelen zur Gegenwart und zeigt unter anderem auf, wie die Corona-Pandemie aus einer steinzeitlichen Perspektive zu erklären ist. „Im Neolithikum (circa 5500 – 2050 vor Christus), als die Menschen sesshaft geworden sind, erstmals Ackerbau betrieben und Vieh gehalten haben, da haben sie in engem Kontakt mit ihren Tieren gelebt“, sagt Solka. In dieser unmittelbaren Nachbarschaft war letztlich die Grundlage dafür gelegt, dass Viren und Krankheiten von den Tieren auf die Menschen überspringen konnten. In den frühen Tagen der Menschheit endete das oftmals tödlich „Der Mensch war dem hilflos ausgeliefert.“ Impfstoffe und wirksame Medikamente gab es damals noch nicht. „Gott sei Dank hat der Mensch heute ein Hilfsmittel.“