Magdeburg/Köln l Was der eine kaum erwarten konnte, mancher hingegen fürchtete, ist eingetreten: Die Hüpfprobleme rund um das Magdeburger Fußballstadion wurden Thema in der Steuerverschwendungsshow „Mario Barth deckt auf“. Am Mittwochabend flimmerte die Geschichte über die Mattscheibe bei RTL. Im Mittelpunkt stand – natürlich – die Statikfrage. Magdeburg habe, so führte Mario Barth in der Anmoderation genüsslich aus, ein Stadion gebaut, ohne vorher zu beachten, was darin passiere: dass Fußballfans auch mal vor Freude hüpfen. Das aber sei verboten. Nun müsse teuer nachgebessert werden.

Um das Dilemma in Szene zu setzen, hatte RTL für den Filmdreh einen aufgeblasenen Fußball als Hüpfburg vor das Stadion aufstellen lassen, in dem sich ein paar FCM-Fans – natürlich hüpfend – austobten. Prompt sprachen die auch ihr Unverständnis über die Fehlplanung in Mikro und Kamera. Ob es sich tatsächlich um FCM-Fans oder Statisten handelte, lässt sich nicht aufklären. Schon zum Zeitpunkt der Dreharbeiten Ende Juni war darüber unter FCM-Fans auf Facebook spekuliert worden.

RTL indessen erklärte im Einspieler, wie es weitergeht: Nun würden sechs Millionen Euro Steuergeld aufgewendet, um das Stadion hüpftauglich zu machen. Der Sender warf zugleich den Planern vor, vollkommen danebengelegen zu haben. Studiogast und Komiker Ingo Appelt kommentierte sogar sinngemäß: Die haben da wohl bisher nur Kläranlagen geplant ...

Keine Differenzierung

Zeit für Differenzierungen gab es im Filmbeitrag nicht. Denn das Stadion wurde von den Planern – bezogen auf die vorher festgelegten Kriterien – korrekt gebaut, nämlich als nahezu reines Sitzplatzstadion mit niedrigeren statischen Belastungsgrenzen. Ein hüpfender Fanblock auf einer kompletten Tribünenseite war statisch demnach nicht kalkuliert worden. Kritikwürdig ist auch das natürlich allemal.

Politische Beschlusslage ist inzwischen der Ausbau der Heim- und Fanbereiche zu hüpfsicheren Plätzen. Am 28. November gibt es dazu ein Abstimmungstreffen zwischen Stadt als Eigentümer sowie dem FCM und Fanvertretern als Nutzern.

FCM lehnt Interview ab

Der FCM hatte übrigens eine RTL-Interviewanfrage mit Verweis auf die Stadt als Eigentümer abgelehnt. Jetzt, nach der Ausstrahlung, sagt FCM-Sprecher Norman Seidler zum Sendebeitrag: „Als Otto Normalverbraucher schmunzelt man möglicherweise. Für den 1. FC Magdeburg war, ist und bleibt das Thema Umbau der Nordtribüne und des Gästebereiches sowie des Warmgebäudes sehr wichtig.“ Die Stadtverwaltung hingegen habe eine RTL-Anfrage schriftlich beantwortet. Die Sendung habe man zur Kenntnis genommen, sagte Sprecherin Kerstin Kinszorra.

Was bleibt nun? 3,4 Millionen Zuschauer sahen die Sendung - ein Spitzenwert für diese Sendezeit am Mittwoch. Und Magdeburg war bundesweit mittendrin. Ob man als Elbestädter deshalb angesichts dieser riesigen und zugleich kostenlosen Medienpräsenz vor Freude hüpft, ist jedem selbst überlassen. Sofern man es nicht im Magdeburger Stadion versucht, versteht sich.