Magdeburg l Die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) stecken am Hauptbahnhof und bei ihrer zweiten Nord-Süd-Verbindung für die Straßenbahn derzeit in zwei Großprojekten – und schon klopfen die nächsten Großinvestitionen an die Tür. Grund: Nach Jahrzehnten der Nutzung sind eine Reihe von Strecken dringend sanierungsbedürftig. Darunter auch die Trasse durch den Nordabschnitt des Breiten Wegs. Um von der einen Ladenzeile zur gegenüberliegenden zu gelangen, stolpern die Passanten zuweilen über die Gleise.

Dass hier etwas gemacht werden muss, ist klar. Sogar dieses Jahr war dafür schon einmal im Gespräch. MVB-Sprecher Tim Stein sagt: „Daraus wird nichts. Der Grund: Das Vorhaben muss dringend auch mit den Anliegern abgestimmt werden, und daher ist ein Planfeststellungsverfahren notwendig.“ Das bedeutet u. a., dass die Planungen erst ausgelegt werden müssen, bevor die Freigabe für den Bau erfolgen kann. Die Verkehrsbetriebe rechnen damit, dass 2018 mit den Arbeiten begonnen werden kann.

Wie Tim Stein berichtet, wird die Strecke dabei nicht nur repariert, sondern gleich auf den neuesten Stand gebracht. Das bedeutet beispielsweise eine Verbesserung der Barrierefreiheit im Sinne der Menschen, die mit Rollstuhl oder Rollator, aber auch mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck unterwegs sind. „Wir werden Kanten der Haltestellen an die Niederflurbahnen besser anpassen“, sagt der Sprecher der Verkehrsbetriebe. Das bedeutet in erster Linie, dass noch vorhandene Bögen aus den Bahnsteigkanten verschwinden und damit der Spalt zur Straßenbahn an der Haltestelle auf ein Mindestmaß reduziert wird.

Besser umsteigen am Opernhaus

Daneben sollen die Haltestellen auch verlegt werden. So soll zum einen das Haltestellenpaar der Straßenbahn am Opernhaus ein Stück näher an die Bushaltestelle der MVB-Linie 73 und der Regionalbuslinien 701 nach Gommern und 720 nach Loburg rücken. Zum anderen soll die Haltestelle Alter Markt ein kleines Stück in Richtung Norden verschoben werden. Davon versprechen die Planer sich einen bequemeren barrierefreien Übergang zwischen Altem Markt und Karstadt.

Von Bedeutung ist der Breite Weg für den öffentlichen Personennahverkehr, da hier derzeit sämtliche Straßenbahnen in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Hier rollen die Bahnen der Linien 1, 2, 4, 8, 9 und 10 – und wenn es Großveranstaltungen im Ostelbischen gibt auch die Linie 15. Zudem treffen sich hier alle Busse des Nachtverkehrs.

Spannend dürfte daher nicht zuletzt sein, ob eine Modernisierung bei laufendem Betrieb möglich sein wird oder ob der Straßenbahnverkehr im Jahr 2018 auf diesem Streckenabschnitt eingeschränkt werden muss. Zwar gibt es theoretisch die Möglichkeit, die Bahnen einen Umweg über den Nordbrückenzug, die Herrenkrug- und Brückstraße sowie den Strombrückenzug fahren zu lassen.

Das aber würde zum einen zu Komforteinbußen aufgrund längerer Fahrzeiten führen. Zum anderen befände sich auf dieser Strecke eben auch die marode Anna-Ebert-Brücke, die den Straßenbahnverkehr ausbremsen würde und der nach erheblichen Vorschäden gerade die Belastung durch die Bahnen zugesetzt hatte. Die Magdeburger jedenfalls würden sich an ein erneut umgekrempeltes Liniennetz wohl gewöhnen – haben sie doch seit zwei Jahren darin schon Übung.