Magdeburg  l Am städtischen Klinikum zeichnet sich ein Arbeitskampf ab. Nachdem der Aufsichtsrat am Donnerstag, 4. Februar 2021, ein im August 2020 zwischen Klinikleitung und Ärzteverband Marburger Bund ausgehandeltes Tarifpaket nur teilweise beschlossen hat, prüft der Marburger Bund nun nicht nur rechtliche Schritte, sondern schließt auch Streiks nicht aus.

Der Aufsichtsrat hatte beschlossen, dass die Ärzte des städtischen Klinikums für 2020 und 2021 eine Gehaltsanpassung erhalten, doch den aus Ärztesicht wichtigen Punkt des Tarifpaketes, den Wechsel in den Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern ab 2022, vertagt. Hierüber solle erneut verhandelt werden, hieß es.

Ärzteverband kritisiert "Rosinenpickerei"

Andrea Huth, Geschäftsführerin des Marburger Bundes Sachsen-Anhalt, ist entsetzt. Ihre Befürchtung, dass sich das Klinikum aus dem ausgehandelten Tarifvertrag herauswinden wolle, wurden nun bestätigt, wie sie sagt. Seit Monaten hatten Ärzte wie auch Ärzteverband darauf gewartet, dass die Vereinbarung umgesetzt werde. Eine Erklärungsfrist war bereits im November ausgelaufen, ohne dass sich das Klinikum erklärt hatte. Für den Marburger Bund ist der Vertrag damit gültig und entsprechend umzusetzen.

Die nun vorgelegte Variante, die lediglich eine Gehaltsanpassung berücksichtigt, kommt für Huth überraschend. „Ich bin geschockt. Wir haben im August ein Gesamttarifpaket verhandelt. Und jetzt werden sich von Arbeitgeberseite nur die für sie billigsten Rosinen herausgepickt“, kritisiert die Verbandsgeschäftsführerin.

Für das verhandelte Paket hätten die Ärzte eine ganze Reihe von Zugeständnissen gemacht. So hätten sie beispielsweise auf eine Begrenzung auf vier Bereitschaftsdienste im Monat, zwei freie Wochenenden pro Monat oder Regelungen für das Holen aus dem Frei verzichtet, sagt Huth.

Marburger Bund lehnt Zustimmung ab

„Für diejenigen, die seit Monaten in der Pandemie an vorderster Front stehen und Dienst um Dienst, Schicht um Schicht schieben, wird nun so ein Billigpaket angeboten. Ich frage mich, was Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper wohl dazu sagt. Es ist ja schließlich ein städtisches Klinikum“, so Huth. „Wir werden diesem Tarifvertrag so nicht zustimmen.“ Die Friedenspflicht sei aufgrund des Gebahrens der Klinikumleitung und des Aufsichtsrates nun nicht mehr gegeben, ein Arbeitskampf sei nicht ausgeschlossen.

Was Ärzteverband und das ärztliche Personal des Klinikums nicht verstehen können, ist, dass beinahe zeitgleich auch die Gewerkschaft Verdi mit der Klinikgeschäftsführung Tarifverhandlungen für das nichtärztliche Personal geführt hatte. Dieses Tarifpaket war Mitte Oktober 2020 von beiden Verhandlungsseiten unterzeichnet worden und ist in Kraft, wie Nachfragen der Volksstimme beim damaligen Verhandlungsführer von Verdi ergaben.