Umweltverschmutzung

Tausende Liter Altöl fließen ins Magdeburger Hafenbecken

Ein gut 800 Meter langer und etwa 60 Meter breiter Ölteppich sorgt für eine Umweltkatastrophe im Becken des Industriehafens. Die Städtischen Werke gehen von einer illegalen Altölentsorgung aus. Die Untere Wasserbehörde vermutete Tausende Liter, die zu einer starken Wassergefährdung führen.

Von Karolin Aertel 20.05.2021, 21:59
In einem Becken des Industriehafens Am Bauernwerder hat sich am Mittwoch ein etwa 800 Meter langer Ölteppich gebildet. Die Wasserbehörde geht von Tausenden Litern Altöl aus.
In einem Becken des Industriehafens Am Bauernwerder hat sich am Mittwoch ein etwa 800 Meter langer Ölteppich gebildet. Die Wasserbehörde geht von Tausenden Litern Altöl aus. Foto: C. Gehrke

Magdeburg - Das Wasser im Becken des Industriehafens schimmert wie ein Regenbogen. Was romantisch verklärt klingt, ist eine Katastrophe für Natur und Umwelt. Ein gut 800 Meter langer und 60 Meter breiter Ölteppich legte sich auf die Wasseroberfläche ebenso wie auf Pflanzen und Tiere im Uferbereich. Während die Polizei laut Kommissar Bauermeister die Ursachenermittlung in alle Richtungen aufgenommen hat, äußern sich die Städtischen Werke bereits konkreter und gehen von der illegalen Entsorgung eines Altölgemischs aus.

Entdeckt wurde der Ölteppich bereits Mittwochmittag. Einsatzkräfte von Wasserschutzpolizei und Berufsfeuerwehr rückten ebenso an wie Mitarbeiter der Städtischen Werke Magdeburg, des Umweltamtes und der Magdeburger Hafen GmbH.

Menge: bis mittlerer vierstelliger Liter-Bereich

Eine Ölsperre sollte zunächst das weitere Ausbreiten des Ölteppichs verhindern, die Städtischen Werke (SWM) begannen zudem das Altöl an einem am Bauernwerder gelegenen Kanalabscheider abzusaugen. Auch gestern waren Mitarbeiter der SWM, der Polizei und des Umweltamtes noch damit beschäftigt, das Öl abzutragen, Wasserproben zu entnehmen und mit einer Videokamera den Abwasserkanal zu prüfen.

Ersten Erkenntnissen zufolge sind Tausende Liter eines Altölgemisches ins Hafenbecken gelangt. Wie Stadtsprecher Michael Reif erklärt, komme die Untere Wasserbehörde nach Messungen des verunreinigten Bereiches und anschließenden Berechnungen zu dem Ergebnis, dass sich das Volumen der Stoffmenge im unteren bis mittleren vierstelligen Liter-Bereich bewegt.

Fischsterben kann nicht ausgeschlossen werden

„Die Untere Wasserbehörde geht von einer Wassergefährdung der Klasse 3 aus – also stark wassergefährdend. Ein Fischsterben im unmittelbaren Gefahrenbereich kann demnach nicht ausgeschlossen werden.“ Dass Öl in das Wasser am Industriehafen gelangt, ist kein Einzelfall. Mehrfach haben Anwohner der angrenzenden Straße Am Bauernwerder auf den Missstand aufmerksam gemacht – insbesondere nach starken Regenfällen wurde die Ansammlung von Öl beobachtet.

Das letzte Mal, dass eine größere Menge auf dem Wasser schwamm, war vor fast genau einem Jahr, am 3. Juni. Damals wie heute überprüften die Städtischen Werke die Regenwasserausläufe der Abwassergesellschaft Magdeburg mbH (AGM).

Sie verfügen in den Hafenanlagen über vorgeschaltete Sedimentationsanlagen (Reinigungsanlagen) mit Leichtflüssigkeitsabscheider, erklärt Cornelia Kolberg, Pressesprecherin der SWM. „Diese Betriebspunkte werden vom Bereich Abwasserentsorgung der Städtischen Werke Magdeburg GmbH & Co. KG nach den anerkannten Regeln der Technik und den jeweiligen Auflagen aus den wasserrechtlichen Genehmigungen gewartet und betrieben.“

Zusammensetzung des Gemisches wird analysiert

Die technische Auslegung der Sedimentationsanlagen mit Leichtflüssigkeitsabscheider könne jedoch eine kriminelle Abfallentsorgung wie in diesem Fall nicht verhindern, verdeutlicht die SWM-Mitarbeiterin. Eine genaue Aussage zur Zusammensetzung und Herkunft der Leichtflüssigkeit könne erst nach Vorliegen der Analyseergebnisse getroffen werden.

Die genaue Menge sei derzeit nicht quantifizierbar, da ein Gemisch aus Wasser und Leichtflüssigkeit abgesaugt wird und die Gewässerreinigung noch nicht abgeschlossen ist.

Der Entsorgungsweg der Leichtflüssigkeit kann erst nach Vorliegen der Analyseergebnisse festgelegt werden.

Am Betriebspunkt Bauernwerder sei es seit 2017 zu sieben Ereignissen mit Gewässerverunreinigungen durch Öl gekommen, bei denen die Städtischen Werke informiert waren. Diese seien jedoch nicht mit dem Ereignis vom 19. Mai vergleichbar, erklärt sie.

Öl-Wasser-Gemisch wird in Klärwerk vorgereinigt

Die Entsorgung der Tausenden Liter des Altölgemischs übernimmt ein Klärwerk. Dort werde eigens eine Kammer zur Vorreinigung ausschließlich für die Zwischenlagerung des abgesaugten Öl-Wasser-Gemisches vorgehalten, erklärt Stadtsprecher Michael Reif. Ein Strafverfahren gegen unbekannt sei eingeleitet worden.

Die Polizei habe laut Polizeikommissar Bauermeister ihre Ermittlungen aufgenommen.

Mit Ölsperren ist versucht worden, ein weiteres Ausbreiten zu verhindern.
Mit Ölsperren ist versucht worden, ein weiteres Ausbreiten zu verhindern.
Foto: Uli Lücke
Durch Proben versucht die Wasserschutzpolizei die Bestandteile der Verunreinigung herauszufinden, hier Polizeihauptkommissar Jens  Wöhlbier.
Durch Proben versucht die Wasserschutzpolizei die Bestandteile der Verunreinigung herauszufinden, hier Polizeihauptkommissar Jens Wöhlbier.
Foto: Uli Lücke
Mitarbeiter der SWM prüften den Abwasserkanal.
Mitarbeiter der SWM prüften den Abwasserkanal.
Foto: Uli Lücke
Eine schmierige schwarze Altölschicht legte sich wie hier über den Finger eines Anwohners auch über Pflanzen und Tiere des Hafenbeckens.
Eine schmierige schwarze Altölschicht legte sich wie hier über den Finger eines Anwohners auch über Pflanzen und Tiere des Hafenbeckens.
Foto: C. Gehrke