Magdeburg l Früher hat der tanzende Saxofonist den Enkelkindern sehr viel Freude gemacht. Doch die batteriebetriebene Figur funktioniert schon lange nicht mehr. Die letzte Hoffnung von Hildegard Schuldes waren am Mittwoch die Männer vom Repair-Café Magdeburg im Alten- und Service-Zentrum der Malteser an der Leipziger Straße.

Dort herrscht am Nachmittag reger Andrang. Eigentlich wollen die Mitglieder versuchen, defekte Geräte zusammen mit den Leuten zu reparieren, die sie bringen. Doch bei so großer Nachfrage ist das kaum möglich. Deshalb nehmen die Technikbegeisterten die Geräte zunächst nur an und reparieren sie später allein – entweder in einem kleinen Raum im ASZ oder zu Hause, wo ihnen noch mehr Werkzeuge zur Verfügung stehen.

Magdeburgerin möchte nichts wegwerfen

Hildegard Schuldes freut sich über das Angebot. Sie gehört mit ihren 77 Jahren zu einer Generation, die nicht gern Dinge entsorgt, sondern lieber versucht, sie zu reparieren. „Ich stopfe auch noch Strümpfe“, erzählt sie, jetzt hat sie ja die Zeit dafür. Und die Hoffnung ist groß, dass der Saxofonist wieder spielt, wenn sie ihn abholen kann.

Das Repair-Café gibt es seit 2015, berichtet der Vorsitzende Wolfgang Matschek. Seither haben die zehn Mitglieder bereits 1034 Geräte zur Reparatur bekommen und davon immerhin 815 wieder zum Laufen gebracht. Das Repair-Café entstand auf Initiative einer Gruppe aus Stendal. Die fragte nach, ob nicht auch in Magdeburg eine Gruppe gegründet werden könnte. Auf ein erstes Treffen folgte die Raumsuche und schließlich ging es auch schon los.

Ständig neue Aufträge

Seither kommen zu den regelmäßigen Terminen alle zwei Wochen mittwochs etwa 15 bis 20 Besucher mit defekten Geräten. Auch Nadiya Pashkova ist mit einer Kaffeemaschine da. „Sie verliert Wasser“, erzählt sie. Sie hat zuerst selbst versucht, das Gerät zu öffnen. „Aber ich konnte nur zwei Schrauben lösen“, sagt sie lachend. Danach fehlten ihr die richtigen Werkzeuge. Die Kaffeemaschine ist gerade mal zwei Jahre alt. „Aber die Garantie ist schon abgelaufen“, sagt sie. Ihre vorherige Maschine habe mehr als zehn Jahre funktioniert. Die Maschine wegwerfen und sofort eine neue kaufen wollte Nadiya Pashkova daher nicht.

Karl-Jürgen Schipp und Gerd Hainke nehmen sich des Gerätes an. „Bei den neueren Geräten besteht die größte Schwierigkeit wirklich darin, sie zu öffnen“, erzählen sie. Oft handele es sich um Schnappverschlüsse, oder es befänden sich Schrauben an Stellen, an denen die Männer sie überhaupt nicht vermutet hätten. Aus Interesse und Spaß hätten sie sich entschieden, in der Werkstatt mitzuwirken. Beide sind von Anfang an dabei. Schon bald liegt das Innere der Maschine frei und mit der Wasserprobe ist das Problem auch schnell gefunden. Das Metall, in dem das Wasser erhitzt wird, ist porös. Hier können die Männer leider nicht helfen. Denn dieses Teil können sie nicht nachbestellen. „Das gibt es einzeln nicht zu kaufen“, erklären Karl-Jürgen Schipp und Gerd Hainke.

Kurioser Einsatz für Magdeburger Lehrer

Wie sie ein Gerät reparieren, das wissen sie entweder aus Erfahrung oder durch berufliche Vorkenntnisse oder auch aus dem Internet. Auch Vorsitzender Matschek hat sich schon mit dem Internet beholfen. „Ich habe mal einen Laptop bekommen, bei dem die Grafikkarte kaputt war“, erinnert er sich an eine der kuriosen Reparaturen. Ich musste sie mit einem Fön auf 80 Grad Celsius erhitzen, brachte er im Internet in Erfahrung. „Ich wollte es erst nicht glauben, aber es hat wirklich funktioniert“, sagt der einstige Lehrer für Physik, Mathematik und Technik, „der Laptop geht immer noch.“ Und wenn sie den Leuten ein liebgewordenes Gerät funktionstüchtig wieder zurückgeben können und das Strahlen in den Gesichtern sehen, dann ist das auch für die Männer vom Repair-Café eine große Freude.

Die Reparaturen sind kostenfrei, es sei denn, es müssen Ersatzteile nachgekauft werden. Und natürlich freuen sich die Männer auch über eine kleine Spende, die dann wieder in die Arbeit des Vereines fließt.

2. Platz beim Magdeburger Umweltpreis

Belohnt wurden die Bemühungen der Männer auch schon – im vorigen Jahr belegten sie beim Magdeburger Umweltpreis den zweiten Platz. Der Bezug zur Umwelt habe sich aber erst ergeben und sei nicht das vordergründige Ziel gewesen. „Aber es ist ja klar, alles, was man repariert, muss man nicht neu kaufen und landet auch nicht im Müll“, sagt Matschek.

Die Nachfrage ist inzwischen so groß, dass sich ein zweites Repair-Café in Magdeburg durchaus lohnen würde, meint Matschek. Versuche habe es auch schon gegeben, im Norden und auch im Osten der Stadt. Auch dort gebe es Freiwillige, die sich in einem Repair-Café engagieren würden. Bislang scheitert es allein an den Räumlichkeiten.

Magdeburger wollen weitermachen

Aus Sicht der Malteser ist das Repair-Café auf jeden Fall auch eine gute Ergänzung. Denn dadurch kommen Leute in die Einrichtung, die die Institution an der Leipziger Straße sonst nie aufgesucht hätten.

Matschek hofft, dass er und die anderen Mitglieder noch viele Geräte reparieren können. Das Repair-Café findet alle zwei Wochen mittwochs von 15 bis 17  Uhr statt.