Magdeburg l Um rund 53 Prozent von 45 Millionen Euro auf 69 Millionen Euro werden die Kosten ansteigen, sagte am Dienstag Dr. Jan L. Hülsemann, Ärztlicher Direktor des Uni-Klinikums, im Volksstimme-Gespräch. Grund dafür seien vor allem neue gesetzliche Richtlinien für die medizinische Ausstattung. „Wir mussten die laufende Planung für das Herzzentrum stoppen, um die neuen Richtlinien umzusetzen“, so Dr. Hülsemann. Vor allem gehe es dabei um den vorgeschriebenen Zuschnitt von Intensivpflegezimmern, Herzkatheterlaboren und Operationsräumen.

Dieser ganze Bereich habe komplett neu geplant werden müssen, um vor allem Platzkapazitäten für die medizinisch-technische Ausstattung zu schaffen. „Wir brauchen deutlich mehr Fläche, als vorher angenommen“, sagte der Ärztliche Direktor. Auch die Innenausstattung werde, um die gesetzlichen Anforderungen umzusetzen, teurer. Der Bedarf an Grundstücksfläche für den Neubau werde sich allerdings nicht verändern. „Wir können das Herzzentrum immer noch auf der gleichen Fläche bauen, wie geplant“, so Jan L. Hülsemann.

Landtag stimmt höherem Finanzbedarf zu

Das zuständige Wissenschaftsministerium habe man umgehend über die deutlichen Mehrkosten informiert. Dort wurde dem höheren Finanzbedarf entsprochen und auch der Landtag von Sachsen-Anhalt habe dem zugestimmt. „Allerdings sind die Kosten grundsätzlich auf 69 Millionen Euro ,gedeckelt‘ worden. Teurer darf es nicht mehr werden. Aber wir haben jetzt eine Planungssicherheit“, erklärte Dr. Hülsemann dazu.

Zu dem Projekt gehört neben dem Herzzentrums auch eine neue Notaufnahme und ein neuer Hubschrauber-Landeplatz auf dem Gebäude 60. Die Kosten für diese beiden Baumaßnahmen sind in den 69 Millionen Euro eingeschlossen.

Baustart für 2018 geplant

Auf einen konkreten Baubeginn des Herzzentrum konnte sich der Ärztliche Direktor noch nicht festlegen. „Wir planen den Baustart für die zweite Hälfte 2018. Dann soll mit dem Abriss der Gebäude, die auf dem Bauplatz stehen, begonnen werden“, sagte Dr. Hülsemann. Bis Ende 2017 müssen alle Baupläne einschließlich Finanzierungskonzept abstimmungsreif für den Landtag vorliegen.

Insgesamt wird das Uniklinik-Herzzentrum 116 Betten haben. Davon sind 22 Intensivpflegebetten und 18 sogenannte „Intermediate-Care-Betten“. Diese sind für Patienten bestimmt, die sowohl von der Herzchirurgie als auch von der Kardiologie betreut werden. Vier Operationssäle wird das Zentrum bekommen. Einer davon ist als Hybrid-OP geplant, in dem Eingriffe am geschlossenen Herzen, aber auch große Brustkorb-Eröffnungen möglich sind. Neben den OP-Sälen sind mehrere Herzkatheterlabore und ein Ambulanzbereich vorgesehen. Zukünftig sollen 1250 bis 1300 Herzoperationen jährlich möglich sein.

1000 Herz-OPs möglich

Am vorhandenen Herzzentrum am Magdeburger Uni-Klinikum sind zurzeit maximal 1000 Herzoperationen möglich, der Bedarf liege aber schon jetzt laut Klinikleitung um rund 25 Prozent höher und man gehe davon aus, dass durch den bevorstehenden demografischen Wandel (immer mehr ältere Menschen) der Bedarf noch deutlich ansteigen werde. „Mit dem neuen Herzzentrum sind wir dann aber für die kommenden 30 Jahre gut ausgestattet“, blickt der Ärztliche Direktor in die Zukunft.