Magdeburg l Er trägt ein rosafarbenes Gewandt mit großen roten Punkten, hat gelbe Haare und eine grüne Brille auf und sein spanischer Dialekt ist zum Dahinschmelzen. Die Rede ist von Ernesto. Er ist erst wenige Wochen alt, aber bereits zum neuen Helden des „Puppenspielclub Mini“ am Magdeburger Puppentheater geworden. In regelmäßigen Abständen steht er gemeinsam mit Theaterpädagogin Marlen Geisler und Puppenspieler Lennart Morgenstern, der die Figur lebendig werden lässt, vor der Kamera und flimmert anschließend digital auf Smartphones, Tablets, PCs und anderen internetfähigen Endgeräten, um Kindern das Puppenspiel beizubringen.

Seine Geburtsstunde war die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland. Als es immer mehr Beschränkungen gab und klar war, dass sich die Minis nicht mehr vor Ort und in der Gruppe treffen können, musste das theaterpädagogische Team der Magdeburger Puppenbühne kurzerhand umdenken und ein Programm für zu Hause kreieren.

Begleitheft und Tutorials

Dieses Programm ist nun nicht nur den Minis des Puppentheaters vorbehalten. Jeder, der Interesse hat, kann sich auf der Internetseite des Hauses die Videos anschauen und so selbst ins Puppenspiel einsteigen. Zusätzlich wurde das Begleitheft „Covid 19: Alte Socke – neue Freundschaft“ entwickelt. In diesem Heft gibt es viele hilfreiche Hinweise zum Sockenpuppenbau und Agieren auf der Puppenbühne. Bei den jungen Zuschauern stieß das Angebot auf Begeisterung: Jede Menge kreative Puppenideen entstanden und Ernesto hat nun eine richtig große Verwandtschaft.

Parallel dazu sind bereits fünf digitale Tutorials erschienen. Das theaterpädagogische Team ruft nun alle Interessenten auf, eigene Videos einzusenden. Alle Informationen dazu finden potenzielle Teilnehmer auf der Internetseite des Puppentheaters im Bereich „Probenraum“. Als Anleitung wird es noch einmal zwei Tutorial-Videos geben. Marlen Geisler und Juliane Barz wollen anschließend alle eingesandten Clips zu einer großen Geschichte zusammenfügen. Das digitale Premierenfieber ist für Mitte Juni 2020 geplant, berichtet Marlen Geisler, die das Programm gemeinsam mit ihrer Kollegin Juliane Barz entwickelt hat.

Auch wenn es anfangs schwierig gewesen sei, nicht mehr im direkten Kontakt mit den Kinder vom Puppenspielclub „Mini“ arbeiten zu können, zeigt sich Geisler inzwischen dennoch versöhnt mit der Covid-19-Variante, „weil es gut ankommt und wir so viel positives Feedback bekommen“, sagt sie. Vor allem das Begleitheft werde vielfach genutzt und gelobt. Nicht zu verhehlen ist aber auch ein gewisses Stresspensum, weil sich die Theaterpädagoginnen ganz neuen Aufgaben widmen. Dafür jedoch gibt es eine Menge neuer Erfahrungen und Wissen. Der gewohnte Puppentheater-Alltag der beiden ist derzeit aber völlig auf den Kopf gestellt Kopf.

Neue Erfahrungen durch Corona-Pandemie

Puppenspieler Lennart Morgenstern, der mit dem Raben Siebenstein bereits Kameraerfahrung gesammelt hat, sieht neben den Einschnitten und dem fehlenden Publikum durchaus auch die positiven Seiten, Neues auszuprobieren. Trotzdem hoffen alle, dass die Spielzeit 2019/20 nicht ohne die Wiederöffnung der Bühnen des Puppentheaters zu Ende geht. Schließlich standen viele schöne Inszenierungen auf dem Programm. Und Puppenspiel lebt von Aktion und Reaktion – vom Spiel vor Publikum eben.

Gespannt darf man sein, welche Rolle Ernesto in Zukunft am Magdeburger Figurentheater spielen darf. Die Minis werden ihn ganz sicher nicht einfach wieder in der Sockenschublade verschwinden lassen.